Kommentar

Die schnelle Lösung

Andreas Abel über ein Verbot von Straßenfesten

Weil auf den Kiezfesten an der Müllerstraße in Wedding und der Turmstraße in Moabit zu viel Ramsch angeboten und zu viel – Pardon – gesoffen wurde, sollen die Freiluftfeste verboten werden. Macht nichts, sagen Anwohner, niemand würde sie vermissen. Das ist schade, und auch ein wenig merkwürdig. Schade, weil es doch eigentlich schön ist, wenn Nachbarn zusammenkommen, um unter freiem Himmel zu feiern. Auch das macht ein Kiezgefühl aus. Merkwürdig, weil viele im Viertel offenbar ein Fest mit anderem Charakter wollen, aber gleichzeitig sagen, das sei nicht möglich. Das Bezirksamt könne auf die Qualität der Straßenfeste keinen Einfluss nehmen, wolle auch nicht als „Geschmackspolizei“ oder Zensor tätig werden, erklärt Mittes Ordnungsstadtrat Carsten Spallek (CDU). Als Verbotsinstanz zu fungieren, bereitet offenbar weniger Probleme.

Vielleicht könnte das Bezirksamt ja als Moderator auftreten, könnte Bezirkspolitiker, Geschäftsleute und engagierte Nachbarn an einen Tisch bringen, um Interessen und Ideen auszuloten. Ist wirklich alles versucht worden, um ein niveauvolles Kiezfest auf die Beine zu stellen? Damit wir uns nicht falsch verstehen: Hier soll nicht Saufgelagen oder dem Overkill von Handyhüllen und Billigsocken das Wort geredet werden. Aber ein Verbot sollte immer das allerletzte Mittel sein und nicht das einfachste.