Hauptstadtairport

Flughafengesellschaft findet keinen Generalplaner für BER

Fast ein Jahr lang hat die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) nach einem Generalplaner für die Fertigstellung des neuen Hauptstadtairports BER in Schönefeld gesucht, gefunden hat sie keinen.

Zumindest keinen, dessen Bezahlung gegenüber den Aufsichtsgremien vertretbar erscheint. „Da wurden Mondpreise aufgerufen, die keiner bezahlen kann“, sagte ein Flughafen-Insider.

Offiziell heißt es, die europaweite Ausschreibung sei aus „formalen Gründen“ aufgehoben worden. Eine entsprechende Information darüber werde in Kürze im Internet auf der EU-weiten Vergabeplattform TED erfolgen, teilte der staatliche Flughafen-Betreiber am Dienstag mit. Der Fortgang der Arbeiten und damit der Zeitplan für die Eröffnung des BER sei dadurch aber nicht gefährdet, heißt es aus dem Unternehmen. Statt eines Generalplaners sollen nun zwei Planungsbüros (Schüßler-Plan und b.i.g), die bereits seit Längerem am BER tätig sind, die Ausführungskonzepte etwa für den Umbau der bislang nicht funktionsfähigen Entrauchungsanlage im Terminalgebäude erarbeiten. Zusätzliche Verträge hat die Flughafengesellschaft mit den Büros Arcadis und Obermeyer geschlossen. Nach der formalen Aufhebung der Ausschreibung sei die FBB zu einer sogenannten Interimsvergabe berechtigt. Die Aufteilung auf mehrere Büros erhöhe die Flexibilität bei den nun anstehenden Planungsarbeiten, heißt es in der Mitteilung der FBB weiter. Laufzeit der Verträge ist demnach von Februar bis Juli 2015.

In dieser Zeit sollen die Planer auch die beiden angekündigten Nachträge zur Baugenehmigung erstellen. Die Genehmigung dieser Nachträge durch die Bauaufsichtsbehörde ist zwingende Voraussetzung für die abschließende Fertigstellung des Terminalgebäudes für den BER. Weil in dem Gebäudekomplex die Brandschutztechnik nicht wie in der Baugenehmigung vorgesehen funktioniert, musste der Eröffnungstermin des Großflughafens bereits viermal verschoben werden.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte im Dezember vergangenen Jahres angekündigt, den BER in der zweiten Jahreshälfte 2017 etappenweise in Betrieb nehmen zu wollen. Das Konzept wurde vom Aufsichtsrat bestätigt. Kurz darauf kündigte Mehdorn seinen Rücktritt spätestens für Ende Juni an. Die Flughafen-Gesellschafter wollen am 20. Februar einen Nachfolger für Mehdorn benennen.

Nach der Absage der für den 3. Juni 2012 angekündigten Eröffnung des BER hatte die Flughafengesellschaft die Verträge mit dem vorherigen Generalplaner, der Planungsgemeinschaft pg bbi, fristlos gekündigt. Seither liegen die FBB und die Planungsgemeinschaft, zu dem auch die Flughafen-Architekten von Gerkan, Marg und Partner gehören, in einem Rechtsstreit. Die überhastete Kündigung des Generalplaners wird von vielen Experten als eine Hauptursache für den monatelangen Stillstand auf der Baustelle und die Kostensteigerungen am BER angesehen. Sollte der neue Hauptstadtflughafen anfangs knapp zwei Milliarden Euro kosten, wird der Investitionsaufwand aktuell mit 5,4 Milliarden Euro beziffert.