Unternehmen

Bahn sichert ihre Fahrscheinautomaten mit Farbbomben

392 Aufbruchversuche und 6,7 Millionen Euro Schaden

Die Deutsche Bahn (DB) will es Automatenknackern künftig schwerer machen, erfolgreich an Beute zu gelangen. Das Unternehmen wird dazu bis zur Hälfte ihrer bundesweit 7000 Fahrkartenautomaten mit Farbpatronen ausrüsten, kündigte DB-Sicherheitschef Gerd Neubeck am Dienstag in Berlin an. Mit der Farbe werde das Geld wertlos gemacht, sobald Sensoren im Gerät einen Aufbruchversuch melden. Mit der von Banken und Sparkassen bereits seit Längerem praktizierten Methode will die Bahn die fast immer organisiert vorgehenden Täter abschrecken und vor allem ihre hohen Reparaturkosten verringern. Wie viele der insgesamt 700 Fahrscheinautomaten in Berlin und Brandenburg jetzt umgerüstet werden, wollte Neubeck aus taktischen Gründen nicht sagen. Die Technik, in die die Bahn „mehrere Hunderttausend Euro“ investiert, sei so konzipiert, dass sie relativ rasch ausgetauscht und auch in anderen Geräten eingesetzt werden kann.

Seit etwa vier Jahren häufen sich nach Bahnangaben die Versuche von Kriminellen, an die Geldkassetten in Fahrkartenautomaten heranzukommen. Dazu werden die teuren Geräte aufgebrochen, aufgehebelt oder mit Hilfe von Gas oder Pyrotechnik zur Explosion gebracht. Registrierte die mit der Strafverfolgung beauftragte Bundespolizei 2011 rund 250 derartige Fälle, so waren es 2013 bereits 560. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Einbruchsversuche erstmals wieder auf 392. Den Rückgang führte Sicherheitschef Neubeck auf verbesserte Sicherheitsvorkehrungen an den Automaten sowie verstärkten Polizeieinsatz zurück.

Während die Täter bei den Automateneinbrüchen meist nur wenige Hundert Euro erbeuten, ist der Schaden für die Bahn immens. Der Ersatz eines komplett zerstörten Gerätes kostet das Unternehmen nach eigenen Angaben bis zu 30.000 Euro. „Hinzu kommen noch die Einnahmeausfälle, da während der Ausfallzeit keine Fahrkarten verkauft werden können, und natürlich der Frust unserer Kunden“, sagte Bernd Rattey, Leiter Automatenvertrieb der DB. Aufgestellte Automaten ersetzen vor allem in kleineren und mittelgroßen Stationen den mit einem Bahn-Mitarbeiter besetzten Fahrkartenschalter. Vor allem in ländlichen Regionen ist der Automat oft die einzige Möglichkeit, an einen gültigen Fahrausweis zu gelangen. Den Gesamtschaden infolge von Vandalismus an den Automaten bezifferte Rattey mit 6,7 Millionen Euro.

Berlin ist ein Schwerpunkt

Laut Polizeioberrat Bernd Stöberl vom Bundespolizeipräsidium Potsdam gehören die Länder Berlin und Brandenburg zu den fünf Regionen, in denen es gehäuft zu Aufbruchversuchen kommt. Dort sind nach Bahn-Angaben rund 700 Fahrkartenautomaten aufgestellt. Weitere Schwerpunkte würden im Rhein-Main-Gebiet sowie in Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen. Die Täter hätten etwa zur Hälfte ihren Wohnsitz in Deutschland, die übrigen kämen aus dem Ausland, vor allem aus osteuropäischen Ländern. Allen gemeinsam ist das organisierte Vorgehen. „Reine Einzeltäter gibt es so gut wie nicht“, sagte Stöberl. In Brandenburg sei erst im Vorjahr eine Tätergruppe gefasst worden. Automatenaufbrüche werden von der Justiz mit Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren geahndet, zudem werden die Täter zu Schadenersatz in bis zu sechsstelliger Höhe verurteilt.

Banken und Sparkassen setzen bei ihren Geldautomaten bereits seit Langem Farbpatronen zum Schutz der Bargeldbestände ein. Das Prinzip ist gleich: Melden Sensoren eine starke Gewalteinwirkung, wird Farbe auf das Geld versprüht. Die Scheine sind dann nicht mehr im normalen Zahlungsverkehr verwendbar. Zudem sind auch die Täter entsprechend gekennzeichnet. Die grüne oder violette Farbe, die die Bahn einsetzen will, ist zudem mit einer unsichtbaren Markierung versehen. Die sogenannten künstliche DNA soll helfen soll, Verdächtigen im Nachhinein den Einbruch auch konkret nachzuweisen.