Beruf

Beispiel 2: OSZ Ruth-Cohn – In drei Jahren zum Erzieher

Mia Brandner war auf der Suche nach etwas „Solidem“.

Die 22-Jährige hat nach der 10. Klasse eine Ausbildung zur Synchronsprecherin gemacht und musste dann feststellen, „dass man da nicht so regelmäßig verdient“. Das Fachabitur, wie die meisten die zweijährige Fachoberschule nennen, schien ihr eine gute Voraussetzung für einen „soliden Beruf“ zu sein. Dieses Jahr macht sie ihren Abschluss an der Ruth-Cohn-Schule – einem OSZ für Sozialwesen in Charlottenburg. Dann hat sie sich zwei Wege offen gehalten: Wenn ihr Notendurchschnitt reicht, möchte sie an der Universität Potsdam Psychologie studieren. Ansonsten bleibt sie an der Fachschule für Sozialpädagogik, um eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin zu beginnen. In jedem Halbjahr sind die Schüler je drei Monate in der Ruth-Cohn-Schule und im Praktikum, entweder in einer Kita oder in der Altenpflege. „Dadurch können sie die Berufsfelder kennenlernen und sich entscheiden“, sagt Schulleiter Mirko Salchow. Nach den zwei Jahren haben die Jugendlichen die Allgemeine Fachhochschulreife. Damit können sie ein Studium an allen deutschen Fachhochschulen in allen angebotenen Richtungen aufnehmen. Voraussetzung für die Aufnahme dort ist ein guter Abschluss der 10. Klasse. Reicht der Notenschnitt nicht, können die Schüler an der Berufsfachschule des OSZ in einem Jahr ihre Noten verbessern oder generell erst den Mittleren Schulabschluss (MSA) erlangen.

Neben der einjährigen Berufsfachschule, der zweijährigen Fachoberschule bietet das OSZ Sozialwesen auch eine dreijährige Ausbildung in der Fachschule für Sozialpädagogik an. Die Studenten verlassen die Schule als staatlich anerkannte Erzieher, die in Kitas, im Hort, in der Jugendhilfe oder im betreuten Wohnen eingesetzt werden können. 1300 Schüler lernen an dem OSZ, ein Großteil sind Frauen. Doch der Trend zeige, dass sich immer mehr Männer für den Erzieherberuf entscheiden, sagt Direktor Salchow.

Wie zum Beispiel Erik Walenda. Der 24-Jährige hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen, bis er aufgeben musste, weil sein Handgelenk überlastet war. Kinder, so erzählt er, habe er schon immer gern im Bekanntenkreis betreut. Also habe er sich für die Erzieherausbildung entschieden. In diesem Jahr macht er seinen Abschluss und wenn er Glück hat, bekommt er einen Job in dem Kindergarten, in dem er jetzt schon sein Praktikum absolviert. Dort betreut er vor allem Drei- bis Fünfjährige.

„Unsere Absolventen müssen sich keine Sorgen machen, eine Stelle zu bekommen“, sagt Schulleiter Salchow. Oft hätten sie sogar die Auswahl und würden aus dem Praxissemester heraus engagiert werden. Der Bedarf an Erziehern sei groß. Die Ausbildung orientiert sich an Lernsituationen, nicht an Fächern. An Fallbeispielen – wenn zum Beispiel ein Kind ein anderes schlägt – bearbeiten die Studenten alle Facetten der Pädagogik. Während der Ausbildung werden die Schüler von Mentoren begleitet. Sie sind für Fragen und Probleme rund um den Schulalltag da.