Senat

„Gepflegt in die Zukunft“: Kampagne zeigt erste Erfolge

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Laura Réthy

Rund 14 Prozent mehr Altenpflegeschüler als im Vorjahr

Zwei Dinge wollte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit ihrer im April vergangenen Jahres gestarteten Kampagne „Gepflegt in die Zukunft“ erreichen: Zehn Prozent mehr Auszubildende in der Altenpflege und eine Erhöhung der öffentlichen Wertschätzung des Berufs. Zumindest eines der Ziele war ein messbares.

„Das messbare Ziel haben wir kräftig überschritten“, sagte Mario Czaja (CDU), Senator für Gesundheit und Soziales am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse zum Ende der Kampagne. Im Jahr 2014 hätten 2819 Menschen eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen, 14,2 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

„Erst ein kleiner Schritt“

Für die Kampagne ließen sich Prominente um Jahrzehnte älter schminken. Die Botschaft auf Plakaten und der Webseite: Altwerden trifft jeden. Doch der Senator betonte, es sei nicht nur um bunte Bilder gegangen. Überhaupt sei im vergangenen Jahr viel in der Altenpflege passiert. So sei eine Vergütungssteigerung um drei Prozent in der ambulanten Pflege vereinbart worden. Anfang des Jahres beschloss der Senat außerdem die Abschaffung des Schulgeldes für Altenpflegeschüler. Bislang zahlen sie ein Schulgeld von bis zu 152 Euro im Monat, bei einer durchschnittlichen Vergütung von 800 Euro.

Die Altenpflege attraktiver machen, das war das Ziel der Kampagne. Und das ist auch dringend notwendig, denn Pfleger werden gebraucht. Bereits jetzt – und in Zukunft noch mehr. Denn die Zahl der Menschen, die gepflegt werden müssen, steigt. Im Jahr 2013 waren es 112.500 Berliner, 2030 werden es 170.000 sein. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung von 2012 werden dann rund 20.000 Altenpfleger fehlen. Auch die Altenpflegeschulen bekommen den Bewerbermangel zu spüren. Die Schulleiterin der Berufsfachschule für Altenpflege Vitanas Akademie, Doris Windels-Buhr, die auch zur Vorstellung der Kampagnenergebnisse gekommen war, sagte, in diesem Jahr habe sie nur wenige Bewerbungen von jungen Menschen bekommen. „Ich glaube, es sind fünf. 2005 waren es zur gleichen Zeit 200“. Die Kampagne sei gut, sie sei jedoch „erst ein kleiner Schritt auf einem langen Weg“.

Die Schulleiterin wies auch auf das Thema der Vergütung hin. Zwar sei eine Vergütungssteigerung von drei Prozent sehr schön, doch sei das Ausgangsniveau sehr niedrig. „Die Vergütung liegt in der Regel unterhalb des Handwerksbereichs“, so Windels-Buhr. Auch Martin Matz, der dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vorsteht und Vorsitzender des Landespflegeausschusses ist, sagte, er freue sich zwar sehr über die Abschaffung des Schulgeldes, langfristig müsse man jedoch dahin kommen, dass eine tarifliche Bezahlung üblich wird.

Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Jasenka Villbrandt, sagte zur Vorstellung der Kampagne gegenüber der Berliner Morgenpost: „Altenpflege ist der Beruf mit dem stärksten Fachkräftemangel in Berlin. Um dagegen anzukämpfen, braucht es mehr als nur unterhaltsame Bilder.“ Die Grünen forderten den Senat deshalb auf, eine Ausbildung für Pflegehelfer auf den Weg zu bringen. Die gibt es in Berlin bislang nicht. Außerdem sollte die Anerkennung ausländischer Qualifikationen verbessert werden.