Familie

Elroy ist in der Kita nicht erwünscht

Eltern fordern Förderung ihres Sohnes, der ein Sprachproblem hat. Eigenbetrieb kündigt

Andreas und Janina Spiller sind empört über das Vorgehen der Kita Flanaganstraße. Kurz vor Weihnachten wurden dem Elternpaar aus Dahlem die Kitaplätze für zwei ihrer drei Söhne gekündigt. Absender waren die Kindertagesstätten Berlin Süd-West, zu denen die Kita Flanaganstraße gehört. Der Kita, die mit der Angelegenheit inzwischen eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragte, stehe „das Recht der ordentlichen Kündigung zu“, schrieb die Anwältin den Eltern, nachdem die am 22. Dezember Einspruch gegen die Kündigung des Betreuungsvertrages von Elroy-Maximilllian und Elias zu Ende Januar eingelegt hatten. Es liege „offensichtlich ein vollständig zerrüttetes Vertrauensverhältnis sowohl zur Kindertagesstätte Flanaganstraße 45 als auch zum Träger, den Kindertagesstätten Berlin Süd-West“ vor, schreibt die Rechtsanwältin weiter.

Hilfe suchend wandte sich das Elternpaar an die Berliner Morgenpost. Offenbar gibt es Kontroll- und Systemschwächen bei der Förderung von Kindern mit Problemen. Der Fall wirft grundlegende Fragen auf. Was war passiert, dass die Anwältin den Eltern als Grund der Kündigung ein „außerordentlich rufschädigendes Vorgehen“ vorwirft? Die Mandantschaft, also die Kita und der Eigenbetrieb, sähen „diesbezüglich auch keinen weiteren Gesprächsbedarf mehr“, heißt es am Ende des Briefes an die Eltern.

Die Eltern sagten, dass sie sich für ihren ältesten Sohn Elroy in der Kita eingesetzt hätten, damit er mehr gefördert wird. Elroy habe nämlich seit August 2014 einen Integrationsstatus, und die Kita erhalte seitdem vom Jugendamt Steglitz-Zehlendorf monatlich 1000 Euro extra, um gegen seine Defizite gezielt anzugehen. „Er ist sprachlich ein bisschen zurückgeblieben. Das hat der Gesundheitsdienst Steglitz-Zehlendorf im Sommer herausgefunden. Deshalb sollte er mit Logopädie und Ergotherapie gefördert werden“, berichtet die Mutter. 1000 Euro, die seitdem monatlich an die Kita vom Jugendamt gezahlt worden seien, seien ja „auch nicht gerade wenig Geld“, so Janina Spiller. Doch es sei nichts passiert. „Und dabei ist das doch eine Chance für die Kinder, dass sie ihre Einschränkung überwinden, aber es wurde leider nichts gemacht“, kritisiert die Mutter. Ob das Jugendamt die Verwendung des Geldes kontrolliert – darüber war von der zuständigen Stadträtin im Bezirk, Christa Markl-Vieto (Grüne), keine Auskunft zu erhalten. Als die Eltern in der Kita nachgefragt hätten, wann denn endlich mal etwas passiere für ihren Sohn, sei ihnen gesagt worden, sie hätten wohl kein Vertrauen. „Da blieb uns doch nichts anderes übrig, als uns an die Kita-Aufsicht zu wenden. Die hat dann auch nur empfohlen, die Probleme mit dem Kita-Leiter selbst zu klären“, sagt Andreas Spiller. Sie hätten das Gespräch mit dem Kita-Leiter gesucht, seien aber nur vertröstet worden.

„Kein Fehlverhalten der Kita“

Die pädagogische Geschäftsleiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Berlin Süd-West, Martina Castello, will sich mit Rücksicht auf das laufende juristische Verfahren zu dem Fall auf Anfrage der Berliner Morgenpost nicht äußern. Anders der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Ilja Koschembar. Es handele sich um einen privatrechtlichen Vertrag, der auch gekündigt werden dürfe. Nach seinen Informationen habe die Kita das Gespräch mit den Eltern gesucht und Angebote unterbreitet. Die Eltern hätten diese nicht angenommen.

Die Kita-Aufsicht sehe auch keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Kita, so der Sprecher der Bildungsverwaltung weiter. Auch nicht bei der Verwendung der 1000 Euro Fördergeld vom Jugendamt. Wie die Eltern berichten, war ihr Sohn Elroy nach einem Gespräch mit dem Kita-Leiter im Oktober in eine andere Gruppe im Kindergarten gewechselt, weil dort eine qualifizierte Integrationserzieherin arbeitete, die ihn hätte fördern können. „Doch dann wurde die Erzieherin einfach versetzt“, erinnerte sich die Mutter. Ihnen sei nur geraten worden, in eine andere Kita zu gehen. „Aber wir möchten bleiben, den Kindern gefällt es dort“, so die Eltern.

Elroy sei der Wechsel in die neue Gruppe zwar nicht leichtgefallen. Er habe sich dann aber doch schnell eingewöhnt. Der Kita-Leiter habe sie auf den 26. Januar vertröstet. Dann sollte eine neue Integrationserzieherin in der Kita anfangen. „Doch es stellte sich heraus, dass diese Erzieherin gerade mal ein Jahr Berufserfahrung hat und die Zusatzausbildung zur Integrationserzieherin im Januar erst beginnt“, sagen die Eltern. Nach ihrer Meinung ist die Erzieherin deshalb noch nicht geeignet, den Sohn zu betreuen. Das jedoch ist nach Auskunft der Senatsverwaltung anders. „Erzieherinnen, die die Zusatzqualifizierung machen, dürfen von Beginn der Ausbildung an die Kinder betreuen“, sagt Sprecher Koschembar. Die Eltern bezweifeln, dass Elroy davon etwas hat. Und wenn es erlaubt sein sollte, handele es sich um eine Schwäche des Fördersystems.

Weil die Eltern beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen die Kündigung beantragt haben, müssen jetzt die Richter über Elroys Zukunft entscheiden. Montag ist Termin.