Verkehr

Berliner Senat will Lärmbelastungen weiter reduzieren

Kfz-Verkehr ist weiterhin der Verursacher Nummer eins

300.000 Menschen in Berlin leiden heute noch unter gesundheitsbelastendem Lärm von 55 Dezibel und mehr. Bis zum Jahr 2025 will der Senat durch gezielte Maßnahmen diesen Geräuschpegel für rund 100.000 von ihnen unter diese Marke senken. Dazu beschloss die rot-schwarze Landesregierung am Dienstag mit zweijähriger Verspätung den Lärmaktionsplan 2013–2018. Zu den Maßnahmen zählen mehr Flüsterasphalt auf verkehrsreichen Straßen, weniger quietschende Straßenbahnen und intelligente Verkehrsführung.

Der Kfz-Verkehr sei der Lärmverursacher Nummer eins, sagte Berlins neuer Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD). Danach folgten der Bahn- und der Luftverkehr. Allein durch die Schließung des Flughafens Tegel nach 2017 würden rund 20.000 Anwohner von extremem Lärm befreit. Weitere Tempo-30-Zonen plane der Senat aber nicht, da bereits auf 70 Prozent der Berliner Straßen dieses Tempolimit gelte. „Der Lärmaktionsplan ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Lärm ist in einer Metropole wie Berlin eines der größten Umweltprobleme und es bedarf daher gezielter Maßnahmen zur Verminderung von Lärm. Unser Lärmaktionsplan verfolgt deshalb vor allem die Strategie, Verkehrslärmbelastungen durch Vorbeugung und Sanierung an der Quelle zu reduzieren“, so Senator Geisel.

Antrag auf Schallschutzfenster

Mit den Maßnahmen des ersten Lärmaktionsplans 2008–2012 seien bereits 40.000 Menschen von starkem Lärm entlastet worden. Dafür standen dank der Konjunkturprogramme I und II des Bundes insgesamt rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Auch in den Jahren 2013 und 2014 sei der Senat bei der Lärmreduzierung nicht untätig gewesen, sagte Geisel. So habe man im vergangenen Jahr mit einem Schallschutzfensterprogramm begonnen. Diese lärmdämmenden Fenster würden vor allem dort eingebaut, wo andere Maßnahmen nicht griffen. Schallschutzfenster könne beantragen, wer unter Lärm von 70 Dezibel und mehr am Tag leide. Die Fenster würden zu 50 bis 70 Prozent gefördert. 2014 seien dafür bei 40 Projekten rund 460.000 Euro geflossen, ergänzt durch Straßenumbauten für 370.000 Euro.

Im neuen Lärmaktionsplan seien auch erstmals die Brennpunkte für Eisenbahnlärm kartiert, sagte Geisel. Das habe sehr lange gedauert, weil die Bahn zuarbeiten musste. Für weitere Lärmreduzierungen stünden von 2016 an rund 2,4 Millionen Euro einschließlich Bundes- und EU-Mittel im Haushalt, der noch beschlossen werden müsse.