Ermittlungen

„Täter kommen am Tag und sind gut organisiert“

Kriminelle werden immer dreister – wie zuletzt beim Überfall auf das KaDeWe

Nur einen Tag nach dem aufsehenerregenden Raubüberfall auf das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) am Sonnabend haben zwei bewaffnete Kriminelle ein Büro im Tempodrom in Kreuzberg gestürmt und Bargeld erbeutet. In beiden Fällen fehlt bislang eine heiße Spur von den Tätern. Der Eindruck, dass der vorweihnachtliche Trubel Kriminellen in die Hände spiele, etwa weil sie bessere Fluchtmöglichkeiten hätten, will die Polizei aber nicht bestätigen. Von einer Häufung solcher Raubtaten in Berlin könne keine Rede sein, auch nicht gegen Jahresende, sagte am Montag Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Überfälle auf Zahlstellen und Geschäfte wie Juweliere seien im Gegensatz zu 2013 rückläufig, die Aufklärungsquote hingegen steigend. „Die Zahl der Überfälle auf Juweliere hat sich in Berlin im Vergleich zum Vorjahr, als es 30 solcher Straftaten gab, sogar halbiert“, so Neuendorf. Ein Grund dafür seien verbesserte Sicherheitsvorkehrungen, etwa mit Türschaltungen, die vor dem Einlass ins Geschäft vom Personal bedient werden müssen.

Das vom Blitzeinbruch betroffene Luxuskaufhaus KaDeWe unterstrich am Montag, dass selbst beste Sicherheitsvorkehrungen bestimmte Taten nicht gänzlich verhindern könnten. „Die KaDeWe-Sicherheitsstandards gehören zu den höchsten, die es im Handel gibt. Wir sind in ständigem Austausch mit den Behörden, um diese immer wieder anzupassen und zu aktualisieren. Die Sicherheitssysteme und die Zusammenarbeit mit den Behörden haben am Sonnabend schnell und effektiv funktioniert“, sagte Sprecherin Marie-Luise Bichler der Berliner Morgenpost. Zu Details könne man aus Sicherheitsgründen keine Stellung nehmen. Klar sei aber: Ein Kaufhaus ist immer ein offenes Haus.

„Auffällig ist aber die Dreistigkeit, mit der die Kriminellen mitunter vorgehen. Das gilt für den KaDeWe-Raub wie beispielsweise auch für den Überfall auf den Geldboten vor dem Apple-Store am Kurfürstendamm im September oder den Überfall auf einen Geldtransporter vor Peek & Cloppenburg am Tauentzien vor einem Jahr“, sagte der Polizeisprecher. Die Tatsache, dass der Überfall am Apple-Store exakt einen Tag nach dem Verkaufsstart des iPhone 6 erfolgte, lasse vermuten, dass der Tatzeitpunkt gezielt ausgewählt wurde. Einen Grund dafür, dass Kunden kurz vor Weihnachten besorgt sein müssten, wenn sie ein Einkaufszentrum betreten, sieht der Kriminalhauptkommissar nicht. Der erst kürzlich verübte Blitzeinbruch im Boulevard Berlin in Steglitz, bei dem sich die Täter mit einem Kleinwagen gewaltsam Zutritt in eine Saturn-Filiale verschafft hatten, habe keinen Bezug zur Jahreszeit. „Die dort erbeuteten Wertgegenstände hätten die Täter auch an jedem anderen Tag des Jahres vorgefunden“, sagt Neuendorf.

Wichtig sei den Kriminellen immer, möglichst schnell zum gesetzten Ziel zu gelangen und ebenso schnell wieder mit der Beute zu verschwinden. Auf keinen Fall sollten sich Zeugen den Tätern entgegenstellen. Hilfreich sei vielmehr, Ruhe zu bewahren und möglichst genau das Aussehen oder den Fluchtwagen zu beobachten, um Hinweise geben zu können, betonte der Polizeisprecher.

Nach dem Überfall im KaDeWe wertete die Polizei am Montag die Aufnahmen der Videokameras im Kaufhaus aus und befragte weitere Zeugen der Tat. Nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bestätigt der dreiste Coup einen neuen Trend. „Die Diebe kommen am helllichten Tag, sind professionell und gut organisiert“, sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek am Montag. Sie beobachteten zur Vorbereitung ihrer Taten Zu- und Ausgänge, sorgten auch dafür, dass Fluchtautos in der Nähe zur Verfügung stünden.

Als schwierig gestaltet sich bislang die polizeiliche Untersuchung des Raubes im Tempodrom nach Ende der Vorstellung des Roncalli-Weihnachtszirkus. Bis auf die Angestellte, die von den Tätern mit Schusswaffen bedroht wurde und einen Schock erlitt, gibt es laut Polizei bisher keine weiteren Zeugen.