Flughafen

Erster Teil des BER-Terminals könnte jetzt in Betrieb gehen

Kleiner Fortschritt am pannengeplagten neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER).

Die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald hat am Freitag die Fertigstellung des Pier Nord und des dazugehörigen Wassertanks für die Sprinkleranlage bestätigt. Damit ist der erste Teil des BER-Terminals baurechtlich abgenommen und könnte in Betrieb gehen. „Ich bin froh, dass es vorangeht. Ein gutes Signal“, sagte dazu Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

An dem 350 Meter langen Seitenflügel des Flughafen-Terminals werden nach der nunmehr für das zweite Halbjahr 2017 angekündigten BER-Eröffnung einmal Billigflieger wie EasyJet und Ryanair ihre Passagiere abfertigen. Der Nordpier verfügt anders als Hauptterminal und Südpier über keine schwenkbaren Fluggastbrücken, über die die Passagiere geschützt vor Wind und Regen in die Flugzeuge einsteigen können. Stattdessen gibt es sogenannte Walk-Boarding-Positionen, zu denen die Fluggäste zu Fuß und unter freiem Himmel laufen müssen.

Ursprünglich wollte Flughafenchef Hartmut Mehdorn den BER-Nordpier bereits im Frühjahr 2014 vorzeitig eröffnen, um dort mit bis zu zehn Maschinen und 2000 Passagieren am Tag die Abläufe am neuen Airport zu erproben. Die Fluggesellschaft Germania, die von Berlin aus Ferienziele vor allem im Mittelmeerraum anfliegt, hatte bereits ihre Bereitschaft erklärt, sich am Test zu beteiligen. Doch dazu kam es nicht – auch, weil der Flughafenaufsichtsrat die für den „BER-light“ benötigten Zusatzmittel nicht bewilligte.

Derweil hat der BER-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus die Befragung des Mehdorn-Vorgängers Rainer Schwarz fortgesetzt. Trotz der Pannen beim Flughafenbau und der kurzfristigen Absage des Eröffnungstermins sah sich der langjährige Chef der Berliner Flughäfen seiner Aufgabe gewachsen. „Ich persönlich habe mich da in keinster Weise überfordert gefühlt“, sagte Schwarz am Freitag den Abgeordneten. Er verwies darauf, dass seine Aufgabe der Betrieb der bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld war. Der Bau des neuen Großflughafens sei hingegen in den Bereich des Co-Geschäftsführers Manfred Körtgen gefallen. Schwarz war von Juni 2006 bis zu seiner Kündigung im Januar 2013 Sprecher der Flughafengeschäftsführung. Seit Monatsbeginn leitet er den Flughafen Rostock-Laage.

Vertreter aller Parteien zeigten sich erneut enttäuscht über den Zeugenauftritt von Schwarz. „Auch in der heutigen Sitzung waren die Aussagen nicht glaubwürdiger als vor zwei Wochen. Das ein Sprecher einer Geschäftsführung vom wichtigsten Projekt seines Unternehmens nur marginal informiert gewesen sein will, ist lächerlich“, erklärte im Anschluss der Ausschussvorsitzende Martin Delius (Piraten). „Er war die treibende Kraft in der Führung der Flughafengesellschaft, will aber für kaum etwas zuständig und schon gar nicht verantwortlich gewesen sein. Das passt nicht zu den bisherigen Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses“, sagte Stefan Evers (CDU). Schwarz habe die kritische Lage am BER völlig falsch eingeschätzt und infolgedessen viel zu lange starr an dem geplanten Inbetriebnahmetermin am 3. Juni 2012 festgehalten, kritisierte SPD-Verkehrsexperte Ole Kreins (SPD).

Nach Auffassung von Andreas Otto, Obmann der Grünen im Untersuchungsausschuss, war Schwarz viel enger mit dem BER-Projekt befasst, als dieser zugeben will. „Die Vorlagen an den Aufsichtsrat über Millionenaufträge, beispielsweise an die Firmen Siemens und Bosch, gingen über den Tisch beider Geschäftsführer. Das war aufgrund der gegenseitigen Kontrollpflicht zwingend notwendig“, so Otto. Für Jutta Matuschek (Linke) ist es „letztlich egal, ob Schwarz nichts über den tatsächlichen Bauzustand wusste, ihn nicht zur Kenntnis nehmen wollte oder diesen nach dem Crash einfach verdrängte“. In jedem Fall trage er die Hauptverantwortung für das BER-Desaster sowie den daraus folgenden materiellen und finanziellen Schaden.