Kommentar

Nicht der große Wurf

Brigitte Schmiemann über die Pläne fürden Breitscheidplatz

Schon in den mittelalterlichen Bürgerstädten stand am zentral gelegenen Marktplatz die Kirche, dort traf man sich – und dort trifft man sich noch heute in vielen europäischen Städten. Dort war und ist Trubel, Leben. Was ist schlecht daran, wenn auf dem Breitscheidplatz viel los ist? Der Kontrast aus pulsierendem Leben und stiller Einkehr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche im Herzen der City West macht doch gerade den Charme aus. Wieso kann das Denkmal auf einem leeren Platz besser wahrgenommen werden? Es steht nicht ohne Grund erhöht auf einem Podest, sodass es gut zu erkennen ist, seitdem der Alte Turm wieder abgerüstet und fertig saniert ist. Sicherlich. Rummel und Kommerz, der etlichen Veranstaltungen anhaftet, ist langweilig und kein Aushängeschild für die City West. Auf Qualität zu achten, ist Aufgabe des Bezirks, wenn die Genehmigungen für die Sonderveranstaltungen erteilt werden. Das hätte doch schon längst passieren können. Warum braucht es dazu eine Kommission, die nur einmal im Jahr tagt und entscheiden soll? Qualitätsanforderungen und -kontrolle müssen Alltag sein, nicht Ausnahme. Die Flächen zu begrenzen, genau festzulegen, in welchem Quadratmeter noch etwas stattfinden darf, mutet dabei geradezu piefig an, wenig großstädtisch. Kommt etwa noch jemand vorbei zum Messen? Die geplante Einflussnahme kann so überregulierend sein, dass die in Jahrzehnten gewachsenen Strukturen zerstört werden. Der Platz funktioniert, wird angenommen. Eine Veränderung darf nicht im großen Stil, sondern muss in kleinen Schritten und sensibel erfolgen.