Auszeichnung

Super, Azubis

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ehrt die besten Absolventen Deutschlands. Die Berliner Morgenpost stellt drei von ihnen vor

Es ist der Lohn der Mühe, der Höhepunkt der Ausbildung: Der Industrie- und Handelskammertag (DIHT) zeichnet am heutigen Montag die besten Azubis Deutschlands aus. Mehr als 200 Topabsolventen werden geehrt, darunter sind auch elf Berliner. Alle haben ihre Prüfungen mit „sehr gut“ bestanden. Die Berliner Morgenpost hat drei von ihnen vorab besucht:

Die Musikfachhändlerin

Ihren ersten Opernbesuch hat sie noch gut in Erinnerung. Michaela Götze ist noch keine zehn Jahre alt, in der Deutschen Oper an der Bismarckstraße wird Mozarts „Zauberflöte“ aufgeführt. Sie ist begeistert. „Wahrscheinlich lag es an der spannenden Geschichte und den schönen Kostümen“, sagt die 28-Jährige und legt ein Notenbuch zurück ins Regal. Nach dem Opernbesuch beginnt sie, Blockflöte zu spielen, „weil es sich gut erlernen lässt und die Feinmotorik schult“, später nimmt sie noch Querflöten- und Fagottunterricht. Die Musik ist ihre Welt. Heute ist sie Mitglied im Blasorchester der Musikschule Tempelhof-Schöneberg und hat eine Ausbildung zur Musikfachhändlerin gemacht. Sie bekommt Traumnoten. Ihr Ausbildungsbetrieb, das Zehlendorfer Fachgeschäft Musik Oehme, hat sie nach dem Abschluss übernommen.

Die Deutsche Oper ist bis heute ihr bevorzugtes Opernhaus in Berlin. In der 10. Klasse macht sie dort ein Schülerpraktikum. Später arbeitet sie im Vorstand des Jugendklubs der Oper, der junge Leute an klassische Musik heranführen will. Nach dem Abitur entscheidet sich die Steglitzerin jedoch für ein Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der Freien Universität. Mit dem Master in Germanistik geht sie im Alter von 25 Jahren auf Jobsuche. Und kommt immer nur in Projekten unter, wie zum Beispiel beim Jugendkulturservice. „Nach einer gewissen Zeit musste ich mich fragen, wie es weiter gehen soll“, sagt die junge Frau. Im Internet geht sie auf Stellensuche. Sie habe eigentlich nicht vorgehabt, noch eine Ausbildung zu machen, erzählt sie. Doch dann sieht sie die Anzeige des Musikfachgeschäfts, das sie schon seit ihrer Kindheit kennt.

Andreas Horn, Inhaber des Musikfachgeschäfts, schätzt vor allem ihre Präzision, die Kompetenz. Fachliche Beratung sei den Kunden wichtig, in dieser Beziehung „bringe sie viel mit“. Mit Michaela Götze hat er bereits den zweiten Toplehrling hervorgebracht, der erste war Gitarrentechniker.

Der Bankkaufmann

Jan Koch ist zwölf Jahre, als er ins Bankgeschäft einsteigt. Noch nicht ins ganz große. „Aber von da an habe ich angefangen, mein Geld zu verwalten“, sagt der 20-Jährige. Dazu gehört sein Sparkonto, das Taschengeld und die erste Geldkarte mit Pin. Zu seinem 18. Geburtstag bekommt er Aktien von seinem Vater geschenkt. Von da an handelt er mit Wertpapieren. Seine Eltern haben nach seiner Geburt ein Konto bei der Berliner Volksbank für ihn eröffnet, bei dieser Bank findet er auch seinen Ausbildungsplatz. „Ich wollte mit der Note Eins abschließen“, sagt Jan Koch. Denn er habe gemerkt, dass es machbar sei. Dass er jetzt zu den Besten gehört, passt zu seinem Ehrgeiz.

In Lichtenrade macht er 2012 sein Abitur. Mathematik sei nicht unbedingt sein Lieblingsfach gewesen, erzählt er. Dennoch wählt er Mathe und Chemie als Leistungskurs. Zwischenzeitlich überlegt er, ob er Chemie studieren soll. Doch dann ändert er seine Meinung. Genug der Theorie, zumindest vorerst, sagt er sich und entscheidet sich für eine Ausbildung. Die Berufsschule fällt ihm leicht, was er einmal hört, sitzt. Für die schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen löst er zur Vorbereitung Prüfungsaufgaben aus vergangenen Jahren und hat Erfolg damit. Besonders liegt ihm aber die Praxis. In vier verschiedenen Filialen wird er eingesetzt, im Service, in der Beratung, der Kreditabteilung und der Baufinanzierung. Am meisten Spaß habe ihm die Baufinanzierung gemacht, sagt er. Weil die Kunden mit einem Anliegen zu ihm kommen und es „eine Menge zu prüfen gibt“. Er könnte sich vorstellen, später als Vermögensberater zu arbeiten. Dafür studiert er seit dem Wintersemester an der Humboldt-Universität Betriebswirtschaftslehre. Im zweiten Semester wird er als studentische Hilfskraft in Teilzeit an seine Bank zurückkehren. Und sich wieder um Wertpapiere kümmern.

Die Speiseeis-Herstellerin

In der praktischen Prüfung hat sie es sich nicht leicht gemacht. Cosima Winkelmann wählt eine Eistorte mit Biskuitboden, Parfait und Variegato – einer Fruchtcreme, die in diesem Fall allerdings aus Gurke besteht. Denn die Torte soll wie der Cocktail Moscow Mule schmecken. Und dazu gehört Wodka, viel Wodka. Genau das ist die Schwierigkeit. „Alkohol hat Einfluss auf den Gefrierpunkt“, sagt die 25-Jährige. Eine Eistorte müsse aber perfekt gefroren sein. Es geht gut. Alles gelingt ihr in der Prüfung, auch das Joghurt- und das Haselnusseis und das herzhafte Gericht – eine weiße Tomatensuppe mit Krabben. Weiß wird sie, so erklärt sie auf Nachfrage der Morgenpost, wenn die Suppe püriert und durch ein Passiertuch gegeben wird. Kochen, Backen, Eisherstellen, „das ist mein Ding“, sagt die junge Frau. Und das ist auch ihre einzige Erklärung für ihre herausragenden Leistungen.

Cosima Winkelmann wächst in Flensburg auf, ihr Vater ist Bäcker. Als Kind geht sie gern mit ihrer Schwester in die Backstube. Das Größte ist, wenn sich die beiden eine Rumkugel nehmen dürfen. „Noch heute essen wir Rumkugeln zusammen, wenn wir uns treffen“, erzählt sie. Nach dem Abitur steht für sie fest, dass sie Konditorin werden möchte. Da diese Ausbildung in Flensburg nicht angeboten wird, zieht sie nach Berlin. „Die richtige Stadt, wenn man jung ist“, sagt sie. Nach der Lehre will sie weiter lernen, Eis herstellen können. Cosima Winkelmann probiert die Eisdielen in Berlin durch. Das Pistazieneis von „Rosa Canina“ in Prenzlauer Berg überzeugt sie. Sie bewirbt sich in der „Eismanufaktur“, die mit drei Läden in Berlin vertreten ist. Vor allem die hochwertigen Zutaten imponieren ihr – und dass der Betrieb biozertifiziert ist. Sie lernt, Sorten herzustellen wie Himbeer-Basilikum, Schwarzer Sesam und Vanille mit Kürbiskernen. Das Schwierigste sei die perfekte Konsistenz, erläutert sie. Alle Sorten in der Vitrine, ob Sorbet oder Milcheis, müssten gleich cremig sein. Ihr Ziel ist eine eigene Konditorei mit Eisherstellung. In Berlin oder Hamburg.