Serie: Denk’ ich an Weihnachten ...

Wo rieselnde Nadeln Glück bringen

Für Harald Huth, den Erbauer des Shoppingcenters „Mall of Berlin“, gehört der Weihnachtsbaum zu den unverzichtbaren Zutaten für ein gelungenes Fest. Allerdings muss die Fichte hohe Ansprüche erfüllen

„Weihnachten ohne Weihnachtsbaum ist kein Weihnachten“, sagt Harald Gerome Huth. Zum Foto-Shooting in seinem Büro am Leipziger Platz 16 in Mitte muss ihm der Fotograf deshalb einen kleinen Stellvertreter dieser Gattung aus dem Blumenladen mitbringen. Denn der richtige Baum, den er jedes Jahr für die Wohnung in Charlottenburg auswählt, muss exakt 3,50 Meter groß sein. „Das kommt dann gerade noch so mit der Deckenhöhe hin“, sagt der Berliner Investor, der von seinem Bürofenster sein jüngstes Bauvorhaben, die „Mall of Berlin“, immer im Blick hat. Bislang hatte Huth aber noch keine Zeit, einen Baum zu besorgen. „Spätestens zum zweiten Advent muss er aber stehen, das ist bei uns so Tradition“, sagt er.

Dass es diesmal noch nicht zum ersten Advent geklappt hat, liegt an dem erst Ende September eröffneten Shoppingcenter mit dem angrenzenden Stadtquartier, das sich zwischen Leipziger Platz, Leipziger Straße und Voßstraße bis zur Wilhelmstraße erstreckt. Das Bauvorhaben, in das nach Huths Angaben rund eine Milliarde Euro geflossen ist, erfordert noch immer seine ganze Aufmerksamkeit. Die 270 Wohnungen werden erst im kommenden Frühjahr fertig, zudem ist Huth, der in der Branche als „König der Shoppingcenter“ gilt, gerade dabei, seine mit 80.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ohnehin schon riesige „Mall of Berlin“ zu erweitern. Auf benachbarten Grundstücken sollen bis Herbst 2015 weitere 20.000 Quadratmeter für rund 50 zusätzliche Geschäfte entstehen. Damit finden dann rund 320 Läden in dem dann größten Einkaufszentrum Berlins Platz.

Immerhin: Was zu Hause mangels Zeit noch nicht erledigt wurde, hat bei seinem jüngsten Bauwerk schon geklappt. Vor der Passage am Zugang Leipziger Platz steht eine festlich mit roten und goldenen Kugeln geschmückte, 17 Meter hohe Nordmanntanne, die aus Norwegen herbeigeschafft wurde.

Schwitzen beim Gedicht

Der Baum, den Huth schließlich für seine Wohnung auswählen wird, wird dagegen keine Nordmanntanne, sondern eine Blaufichte sein. „Die duftet herrlich – und anders als die bei vielen anderen Familien so beliebte Nordmanntanne nadelt sie auch“, weiß der Baum-Experte. Für Huth ist das ein wichtiges Kriterium: „Rieselnde Nadeln bringen Glück“, sagt er. In seiner Familie hat er ein striktes Staubsaugerverbot für die Zeit verhängt, bis der Baum wieder hinausgetragen wird. „Bei uns bleibt der Baum bis Ende der ersten Januarwoche stehen“, sagt er. Ein Vorteil der Blaufichten sei auch, dass ihre Äste sehr kräftig sind. „Daher eignen sie sich gut für Weihnachtsschmuck“, sagt der 45-Jährige. Denn geschmückt wird im Hause Huth ganz traditionell. „Mit roten und goldenen Kugeln und vielen Weihnachtsfiguren.“ Anders als auf dem Stellvertreter-Bäumchen gibt es jedoch kein Lametta. „Das gab es bei den Bäumen in meinem Elternhaus früher auch nicht“, sagt der Bauherr, der in punkto Weihnachten keinen Wert auf modische Neuerungen legt.

Wie früher der kleine Harald mit seinen beiden älteren Schwestern werden auch seine drei Kinder – drei, fünf und 17 Jahre alt – ihre Geschenke am Heiligabend erst nach dem Festessen am Nachmittag unter dem Baum vorfinden und öffnen dürfen. Auch alle anderen Familienmitglieder, seine Frau, die Schwiegereltern, seine Mutter und natürlich er selbst würden dann beschert. „Anders als wir früher, müssen die Kinder allerdings vorher kein Weihnachtsgedicht aufsagen“, sagt Huth. Noch immer gerate er ins Schwitzen, wenn er daran denke, wie er früher sein Gedicht aufsagen musste, „obwohl ich doch sowieso vor lauter Vorfreude schon so aufgeregt war“, sagt er. Das wolle er seinen Kindern ersparen.

Auf üppige Geschenke unterm Baum – „wie toll war es, als ich mit sieben den Hubschrauber bekam, mit dem man Wasser verspritzen konnte!“ – lege er als Erwachsener jedoch keinen gesteigerten Wert mehr. „Ich freue mich, wenn die beiden Kleinen mir etwas basteln oder auch über ein gutes Buch, mehr muss es aber nicht sein.“ Die Geschenke für seine Kinder habe er im Wesentlichen schon besorgt „nicht im Internet, sondern tatsächlich in der ‚Mall of Berlin‘“, betont Huth. Schließlich sei es doch etwas anderes, wenn man die Geschenke wirklich ansehen und berühren könne. Für die beiden Kleinen habe er ein Piratenschiff gekauft, für die Große soll ein Weitwinkelobjektiv für ihre Kamera unter dem Baum liegen.

Das Schönste am Weihnachtsfest sei aber ohnehin, einmal ganz entspannt gemeinsam um den Baum zu sitzen. Ohne ständig auf E-Mails und Anrufe achten zu müssen. Allerdings werde er zumindest den Vormittag des 24. Dezembers noch im Büro verbringen: „Für mich ist das keine Last, sondern eine schöne Pflicht, weil ich dann endlich mal in Ruhe, ohne ständige Störungen, ein paar Dinge abarbeiten kann.“

Das Weihnachtsessen, das bei Familie Huth auf den Tisch kommt, ist ebenso traditionell wie der Weihnachtsbaumschmuck: „Gans mit Rotkohl und Klößen.“ Bis vor ein paar Jahren habe die Zubereitung des Bratens zu seinen Pflichten gehört. Inzwischen jedoch hat Huth diese Tradition „vorläufig“ ausgesetzt. „Ich bestelle jetzt immer eine fix und fertig zubereitete Gans bei einer hervorragenden Fleischerei in Mahlow und lasse sie mir per Taxi nach Hause liefern“, gesteht Huth. Sein Weihnachtsgänserezept sei trotzdem nachkochenswert. „Wenn ich wieder mehr Zeit habe, werde ich es garantiert wieder hervorholen“, verspricht er. Der Nachtisch, für den seine älteste Tochter Fanny zuständig sei, werde aber in Handarbeit erstellt.