Lokalwirtschaft

Mit Regenschirmen gegen Käuferfrust

Senat und Wirtschaft unterstützen lokale Initiativen zur Belebung von Einkaufsstraßen

Immer größere Einkaufstempel und ein boomender Onlinehandel: Den Wandel in der Konsumwelt bekommen vor allem die kleinen Händler und Handwerksbetriebe zu spüren. Und mit ihnen die traditionellen Einkaufsstraßen, die in einigen Teilen Berlins inzwischen von Spielhallen und Ramschläden dominiert werden. Der Senat versucht gemeinsam mit der Berliner Wirtschaft zumindest punktuell gegenzusteuern, seit sieben Jahren auch mit der Zentreninitiative „Mittendrin Berlin!“. Mit Fördergeld, aber auch mit professioneller Beratung werden dabei lokale Initiativen unterstützt, die mit neuen Ideen versuchen, Geschäftsstraßen und Einkaufsgebiete in der Stadt wiederzubeleben.

Am Donnerstag zeichneten Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und IHK-Präsident Eric Schweitzer im Max-Liebermann-Haus die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs aus. Die waren zuvor von einer Jury aus 18 eingereichten Konzepten ausgewählt worden. Die Berliner Morgenpost stellt die vier prämierten Ideen vor.

Offen für alle: Die Bahnhofsstraße Das Bürgerforum Zukunft Lichtenrade e.V. will die Bahnhofsstraße zu einer Flaniermeile mit besonderem Flair entwickeln. Eine Idee dafür: In den Geschäften sollen sich Kunden künftig kostenlos Regenschirme ausleihen können, die sie nach dem Schauer in einem beliebigen anderen Laden an der Straße wieder abgeben können. Geplant ist auch ein Lieferservice, der den vielen älteren Anwohnern bei Bedarf den Einkauf bis nach Hause bringt. An der Ulrich-von-Hutten-Oberschule hat sich dafür bereits eine Schülerfirma gegründet. Damit die Läden entlang der Bahnhofstraße wieder mehr Kunden gewinnen, sollen zudem Zugänge barrierefrei umgestaltet werden. „Die Gewerbetreibenden werden dabei von lokalen Handwerkern unterstützt“, sagte Volker Mönch vom Bürgerforum der Berliner Morgenpost. Auch dafür erhält der Verein 37.000 Euro. Das Geld kommt je zur Hälfte vom Senat und von der privaten Wirtschaft.

Berlins Hollywood: Zurück in die Zukunft Vor gut 100 Jahren lag in Weißensee einmal das Zentrum der deutschen Stummfilmkinos. An diese große Zeit will das Unternehmen LocalSmarts gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Weißenseer Spitze anknüpfen. Ihre Idee: Ein interaktiver Film, der im Internet zur virtuellen Plattform für die Gewerbetreibenden und kulturellen Einrichtungen zwischen Caligariplatz und Hamburger Platz wird. Im Frühjahr wird ein mobiler Minipark in der Größe eines Autostellplatzes durch das Viertel ziehen – ausgerüstet mit Sitzmöglichkeiten, Pflanzen und einem Display zum Internetsurfen. „Dieser Park wird Filmset und zugleich Ort der Kommunikation sein“, sagte Nikolaus Schneider von LocalSmarts. Der Film soll am 18. September 2015 im einstigen Stummfilmkino Delphi aufgeführt werden. 33.000 Euro Fördergeld gibt es dafür.

Karlshorst Dabei! Das Zentrum in der Hosentasche Karlshorst erlebt derzeit einen kräftigen Aufschwung, viele junge Familien sind in die neuen Wohngebiete gezogen. Allerdings: Der Lichtenberger Ortsteil ist durch die Bahntrasse und die Treskowallee zerteilt. Die Standortkooperation „DREIeinsACHT“ hat ein Konzept entwickelt, damit Einheimische und Gäste Karlshorst stärker als Einheit erleben. Dazu gehört etwa die Smartphone-App „Karla dabei“, die Hinweise zu den Geschäften, aber auch zu kulturellen Angeboten und zur Geschichte geben soll. Die Standortkooperation bekommt dafür 20.000 Euro.

Treffpunkt Alexanderplatz – Gemeinsam für die Zukunft Der Alexanderplatz ist längst angesagter Einkaufsort und Treffpunkt zugleich. Doch Einheimische wie Berlinbesucher verlieren schnell mal den Überblick. Ein Standortbündnis, zu dem etwa die Galeria Kaufhof oder der Berliner Fernsehturm gehören, will ab Sommer 2015 mit Hilfe eines neuartigen Leitsystems (mit 3-D-Map und Infostelen) die Orientierung auf dem weitläufigen Platz erleichtern. Geplant sind zudem Aktionen wie ein Nachtmarkt, um den Platz auch in den späten Abendstunden zu beleben. Auch dafür gibt es 20.000 Euro Fördergeld.