Hommage

Späte Ehre für einen Berliner Jungen

Das Haus, in dem der Schauspieler Horst „Hotte“ Buchholz als Kind wohnte, trägt seit Donnerstag eine Gedenktafel

Er war ein Kind aus dem Berliner Milieu, und es war die Verkörperung der Menschen aus diesem Milieu, die ihn berühmt machen sollte. Im viel zu kühlen und zu nassen Sommer 1956 hatte Horst Buchholz im Stadtbad Wedding vor der Filmkamera gestanden. Als der gut aussehende „Freddy“ im Kultfilm „Die Halbstarken“ gelang dem unehelichen Kind aus Neuköllner Arbeiterkreisen der Durchbruch als Schauspieler. In der Geschichte rund um eine kriminelle Jugendclique personifizierte sich in Freddy als dem Bandenanführer der Typ des rebellischen Jugendlichen, der Buchholz zwar auf den Straßen seines Heimatbezirks nie gewesen war, von dessen Erlebnissen aber viele Heranwachsende in der spießigen deutschen Nachkriegsenge der 50er-Jahre heimlich träumten.

Am gestrigen Donnerstag wäre Horst Buchholz, der 2003 starb, 81 Jahre alt geworden. Posthum ehrt ihn das Land Berlin mit einer Gedenktafel an der Sodtkestraße 11 in Prenzlauer Berg. Es ist die insgesamt 2981. weiße Porzellantafel zum Andenken an verdiente Berliner, die am Donnerstag an dem Wohnhaus in der Großsiedlung Carl Legien enthüllt wurde, in welchem Buchholz nach 1938 gewohnt hatte. Seine Mutter hatte den zunächst von Pflegeeltern betreuten Sohn dort nach der Hochzeit mit dem Schuhmacher Hugo Buchholz wieder zu sich genommen. Abgesehen von kriegsbedingten Unterbrechungen lebte Hotte, wie ihn seine spätere Halbschwester nannte, bis 1951 in dem Haus und kletterte oft spätabends durch das kaputte Glas der Haustür, wenn er wieder den Schlüssel vergessen hatte und Ärger mit den Eltern umgehen wollte.

Idol in Ost und West

Schon als Schüler hatte Buchholz als Statist auf der Bühne des Metropol-Theaters gestanden. Seine wirkliche Schauspielkarriere begann, nachdem er die Schule abgebrochen hatte und durch diverse Berliner Theater getingelt war. Die Rolle als Halbstarker war nicht sein Debüt auf der Kinoleinwand, aber er füllte sie wie keine andere zuvor aus, als wäre sie extra für ihn geschrieben worden. Buchholz wurde zum Idol im Westen wie im Osten Deutschlands, spielte aber in den 60er-Jahren zunehmend im Ausland, unter anderem in Hollywood. Er stand mit Filmgrößen wie Romy Schneider und Steve McQueen am Set und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine schauspielerische Leistung. In Billy Wilders Komödie über den Kalten Krieg „Eins, zwei, drei“ mimte er den Ost-Berliner Kommunisten Otto Piffl. Ab 1973, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, war Buchholz bis zu seinem Tod wieder auf Berliner Bühnen zu sehen.

Horst Buchholz starb im März 2003 in der Charité an einer Lungenentzündung. Auf dem Friedhof Heerstraße in Charlottenburg wurde er in einem Ehrengrab des Landes beigesetzt. „Liebe die Welt und die Welt wird dich lieben“, steht auf dem Grabstein. Auch die Gedenktafel in der Wohnsiedlung Carl Legien, die Kulturstaatssekretär Tim Renner als zweite offizielle Würdigung nach dem Ehrengrab des Schauspielers am Donnerstag enthüllte, trägt neben einigen biografische Erinnerungen dieses Lebensmotto des Schauspielers. Einen Abend zuvor waren Buchholz’ Frau Myriam Buchholz-Bru und sein Sohn Christopher Gäste im Berliner Museum für Film und Fernsehen gewesen. Die Stiftung Kinemathek erhielt aus der Hand der Witwe den Nachlass mit Briefen, Tonbandaufnahmen, Fotos, Drehbüchern und Fanpost.

Die Laudatio hielt am Donnerstag Wim Wenders, der 1993 die Rolle des Gangsters mit Buchholz in der Fortsetzung von „Der Himmel über Berlin“ besetzt hatte. Auch Regisseur Volker Schlöndorff war gekommen. Christopher Buchholz zeigte eine Dokumentation, in der sein Vater vom Leben in dem Kiez im Prenzlauer Berg erzählt.

Die Anregung, Horst Buchholz mit einer Gedenktafel zu ehren, war aus der Bevölkerung gekommen. „Bürger schreiben immer mal an die Kulturverwaltung oder an die Senatskanzlei und beantragen dort, dass eine bestimmte Persönlichkeit in dieser Weise gewürdigt wird“, sagte Kaspar Nürnberg, Geschäftsführer vom Aktiven Museum, gegenüber der Morgenpost. Der Verein Aktives Museum initiiert und pflegt Gedenktafeln in Berlin. Ausgewählt werden die geehrten Persönlichkeiten laut Nürnberg durch den Kultursenator und dessen Stab nach der Beratung mit Historikern. Voraussetzung sei, dass die Protagonisten in ihrer Biografie mit dem Land Berlin verknüpft seien und sich dessen Anerkennung verdient hätten, so Nürnberg. 2014 wurden zehn Gedenktafeln angehängt.