Kommentar

Vorfahrt für Regeln

Sabine Gundlach über einfache Alternativen

Berlin will fußgängerfreundlicher werden. Eine mobile Metropole, in der alle Verkehrsteilnehmer, also auch Rad- und Autofahrer, entspannt und sicher vorwärtskommen. Das klingt erst einmal gut und ist zweifellos erstrebenswert. Vor allem in Wohngebieten.

Nun gibt es drei Straßenbereiche, die für das Pilotprojekt „Berliner Begegnungszonen“ ausgewählt wurden. Sie sind nicht gerade Inbegriff friedlichen Miteinanders auf der Straße. Insbesondere die jetzt auf dem Programm der Verkehrsplaner stehende Bergmannstraße ist eher ein Ort des täglichen Chaos. Wer die überaus belebte und angesagte Straße im Kreuzberger Kiez quert oder befährt, spürt schnell: Hier muss etwas passieren. Denn offenbar bewegen sich dort viele nach der Devise, Straßenverkehrsregeln sind schön und gut, zügiges Weiterkommen oder spontanes Stehenbleiben ist besser. Es lebe das Ego. Radfahrer fahren unbekümmert zu zweit nebeneinander, schauen weder rechts noch links. Autos und Lieferwagen parken in zweiter Reihe, völlig selbstverständlich. Fußgänger gehen bei Rot über die Ampel, ohne Gewissensbisse. Ob eine verordnete Begegnungszone mit hübschen nichtamtlichen Hinweisschildern dem Einhalt gebieten kann, ist fraglich. Vielleicht wäre es einfacher und schneller umsetzbar, hier schlicht die höchst mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung auszuweisen – vielleicht Schrittgeschwindigkeit – und alle, wirklich alle (!) Verkehrsteilnehmer konsequent zu disziplinieren. Mit anderen Worten: mehr Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf diese Straße! Einen Versuch wäre es wert.