Interview

„Die Beziehungen sind freundschaftlich und konstruktiv“

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Ayhan Bakirdögen

Senatssprecher Richard Meng zieht eine positive Bilanz

Berliner Morgenpost:

Was haben 25 Jahre Städtepartnerschaft Berlin und Istanbul gebracht?

Richard Meng:

Die Städtepartnerschaft mit Istanbul ist ein wichtiges Element der internationalen Aktivitäten Berlins. Im Hinblick auf die große Zahl türkischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Berlin hat sie eine besonders herausgehobene Bedeutung. Die Beziehungen sind freundschaftlich und konstruktiv. Es gibt Kooperationen sowohl auf politischer als auch zivilgesellschaftlicher Ebene. Eine besondere Rolle spielen die vielen Menschen mit Wurzeln in der Türkei, die zahlreiche Verbindungen knüpfen und aufrechterhalten. Alle Bereiche des Berliner Senats und einige Bezirke wie Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte pflegen besondere Kontakte zu Istanbul. Dieser Austausch ist vielfältig: die Gründungsmitgliedschaft der Technischen Universität Berlin bei der neuen deutsch-türkischen Universität in Istanbul, der Jugendaustausch mit 17 Schulpartnerschaften, die Zusammenarbeit der Polizei, der rege Austausch in der Kunst und Kulturszene sowie Projekte der Stadtentwicklung oder wirtschaftliche Zusammenarbeit. Unsere Städte verbindet eine lebendige Partnerschaft.

Was waren aus Ihrer Sicht die Höhepunkte der bisherigen Städtepartnerschaft?

Ein besonderer Höhepunkt war das 20-jährige Jubiläum und dabei besonders die Ausstellung „Next Wave Istanbul“, in der erstmals in Deutschland junge zeitgenössische Künstler, und insbesondere auch Künstlerinnen, oft mit kritischem Fokus ausgestellt wurden. Daran wollen wir mit der Veranstaltung auf der Contemporary Istanbul im diesjährigen Jubiläumsprogramm „Cosmopolitics“ anknüpfen. Ein besonderes Highlight war das Konzert des großartigen Türkischen Nationalen Jugendorchesters unter der Leitung von Cem Mansur, das im Oktober dieses Jahres in der Nikolaikirche stattfand. Die Arbeit des Dirigenten ist bemerkenswert, da er Jugendorchester aus armenischen, türkischen und griechischen Jugendlichen zusammenstellt und so Vertrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen schafft.

Was können Berlin und Istanbul voneinander lernen?

Beide Städte sind immerwährende Baustellen. Berlin mit seinen vielen unbebauten Brachen bietet Raum für Kreativität, den andere Metropolen nicht (mehr) haben, Istanbul mit mindestens dreimal so vielen Einwohnern wie Berlin wächst in einem Ausmaß, das für uns hier unvorstellbar ist, mit allen stadtentwicklungspolitischen Problemen, die das mit sich bringt. Bei der Bewältigung dieser Probleme können sich die Metropolen gegenseitig unterstützen. Gleichzeitig kann Istanbul wie Berlin auf ein kosmopolitisches Erbe zurückblicken, in dem viele verschiedene Kulturen ihren Platz hatten und friedlich zusammen lebten.

Welche Projekte sind künftig noch geplant?

Wir wünschen uns noch mehr wirklichen Austausch von Mensch zu Mensch, insbesondere zwischen jungen Menschen. Hier wollen wir mit der Jugendbrücke der Stiftung Merkator zusammenarbeiten. Auch der wirtschaftliche Austausch kann weiter verbessert werden. Und der Bereich der Kunst und Wissenschaft ist uns besonders wichtig. Eine gemeinsame Städtebaukonferenz ist auch in Planung.