Immobilien

Künstlercampus im Pferdestall

Der Berliner Unternehmer Arne Piepgras erhält im Bieterverfahren um das Kreuzberger Dragoner-Areal den Zuschlag

Das umstrittene Vergabeverfahren zum Verkauf des 50.000 Quadratmeter großen Areals hinter der Trutzburg des Finanzamtes am Mehringdamm ist beendet. Wie der Berliner Unternehmer Arne Piepgras mitteilte, sei er als Meistbietender aus dem Verfahren der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hervorgegangen. 36 Millionen Euro hat Piepgras nach eigenen Angaben für das Grundstück der ehemaligen Dragonerkaserne in bester Kreuzberger Kiezlage geboten – und damit deutlich mehr, als die Bima 2012 bei dem gescheiterten Verkaufsdeal mit der ABR German Real Estate einnehmen wollte. Das Hamburger Unternehmen hatte damals rund 20 Millionen Euro geboten, konnte die Finanzierung jedoch nicht aufbringen. Das Verfahren musste neu aufgerollt werden.

250 Wohneinheiten geplant

„Das wird uns nicht passieren“, versichert Arne Piepgras. Die Bima habe schließlich die Solvenz sämtlicher Bieter geprüft sowie ihm und seinen Partnern aus Österreich und der Schweiz den Zuschlag erteilt. „Deren Namen habe ich auch der Bima gegenüber genannt“, so Piepgras. Öffentlich gemacht werden sollen sie jedoch erst, wenn das komplette Verfahren abgeschlossen ist. Dennoch ist der Verkauf nicht vollzogen: Der Haushaltsausschuss des Bundestages muss noch zustimmen.

Piepgras hat große Pläne für das Areal, auf dem sich gegenwärtig zahlreiche Kleinstbetriebe befinden. Zu den bekannteren Mietern gehören neben dem Biosupermarkt LPG der Club „Gretchen“ und eine Polsterei. Die denkmalgeschützten Pferdeställe sollen als Galerien und Ateliers sowie für Kreativgewerbe genutzt werden. Zudem soll ein George-Grosz-Museum in den Räumen der LPG entstehen. Sie solle jedoch nicht vertrieben, sondern in einen Neubau auf dem Areal umziehen. Neu errichtet werden sollen auf einer Fläche von insgesamt rund 60.000 Quadratmetern Geschossfläche ein Hotel sowie weitere Atelier- und Gewerberäume. Weitere 21.000 Quadratmeter sollen zudem für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Rund 250 Wohneinheiten, schätzt Piepgras, könnten entstehen. Sie sollen alle von einem städtischen Wohnungsunternehmen errichtet werden und dann zu „100 Prozent zu bezahlbaren Mieten“ vergeben werden, so der Unternehmer weiter. „Die konkreten Planungen haben wir nächste Woche fertig.“ Dann werde man sie zuerst den zuständigen Verwaltungen vorstellen.

„Uns ist bewusst, dass es sich bei dem Kasernenareal um ein hochpolitisches Grundstück handelt, wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen“, sagt Arne Piepgras. Man habe ein großes Interesse daran, mit allen Akteuren zu reden – auch mit denen, die den Verkauf kategorisch ablehnen. „Ich verstehe, dass es Proteste gibt, weil der Bund seine Grundstücke an die Meistbietenden versteigert“, sagt Piepgras. Allerdings stelle sein Konzept einen „guten Kompromiss dar, der alle mitnimmt“.

Dass die Bundestagsabgeordneten dem Verkauf an Arne Piepgras nicht zustimmen, hofft dennoch das Bündnis Stadt von Unten, ein Zusammenschluss von lokalen Initiativen, der im Juli dieses Jahres eigene Pläne für das Grundstück vorgestellt hatte. Das Bündnis hatte versucht, den Verkauf des Areals an einen Privatinvestor zu verhindern, und stattdessen ein Konzept vorgelegt, das die Übernahme durch die Stadt vorsah. Gerade die Veräußerung zum Höchstgebot weckt beim Bündnis Zweifel an den sozialverträglichen Absichten des Investors. „Die Flächen für Kunst und Kultur sind völlig undefiniert“, so die Kritik des Bündnisses. Und die Frage, zu welchen Preisen Kunstschaffenden die Ateliers angeboten werden sollen, sei genauso offen wie die Höhe der Mietpreise für die Wohnungen.

Arne Piepgras ist in Berlin kein Unbekannter. 2009 hatte er vom Liegenschaftsfonds das seit Jahren leer stehende Stadtbad Wedding übernommen und zur Veranstaltungshalle Stattbad Wedding umfunktioniert. Seitdem finden dort Ausstellungen, Konzerte und andere Events statt. Piepgras hatte angekündigt, er wolle rund zwei Millionen Euro in das 1907 errichtete Bad investieren. Das sei noch nicht geschehen, räumt er ein: „Wir haben Förderanträge gestellt, 70 Ateliers eingerichtet, aber so etwas braucht eben Zeit.“

Vielfältige Nutzung

Im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Verwaltung von Bausenator Michael Müller (SPD) hält man sich mit einer Bewertung des Immobiliendeals zurück. „Unserer Verwaltung ist bisher nicht bekannt, dass die Bima das Gelände an Herrn Piepgras verkauft hat“, so Müllers Sprecherin Petra Rohland. Die Leitlinien, die das Bezirksamt und die Senatsverwaltung zur Entwicklung des Dragoner-Areals formuliert hätten, bildeten aber nach wie vor die Grundlage für die weiteren Überlegungen. Unter anderem müsse der Anteil günstiger Mietwohnungen unter 7,50 Euro (kalt) je Quadratmeter bei 33 Prozent liegen. Am Ende des Prozesses müsse vor allem ein tragfähiges städtebauliches Konzept stehen, in dem sich die Vorstellungen von Bezirk und Senat zur Entwicklung eines gemischt genutzten, urbanen Quartiers wiederfinden.