Architektur

Alte Pracht, neu gebaut

Am Kurfürstendamm entstehen historisierende Palais – Unter den Linden wird denkmalgerecht saniert

Mit der Revitalisierung des jahrelang leer stehenden Haus Cumberland als exklusive Wohn- und Geschäftsadresse wurde die Renaissance des Kurfürstendamms vor einem Jahr eingeläutet. Diesem Beispiel folgen nun weitere Investoren. Am Kurfürstendamm 170 baut die Holler-Stiftung das „Palais Holler“. Und an der Albrecht-Achilles-Straße 65 will die Baywobau mit Blick auf die Schaubühne am Lehniner Platz die „Kurfürsten-Logen“ errichten. Während das ehemalige Hotel „Haus Cumberland“ denkmalgerecht restauriert wurde, gehen diese beiden Investoren jedoch einen anderen Weg: Die nach dem Krieg entstandenen Schlichtbauten werden abgerissen. An ihrer Stelle entstehen Gebäude, die sich nahtlos in die gründerzeitliche Pracht des Kurfürstendamms einfügen.

Vielen Berlinern wird die Baulücke, die seit einigen Wochen an der Stelle zu besichtigen ist, wo bis zum Anfang dieses Jahres das älteste Familienunternehmen am Kurfürstendamm, das Fotostudio Art & Photo Urbschat beheimatet war, bereits aufgefallen sein. Jahrelang hatten die Urbschats mit dem Eigentümer des Gebäudes aus den 60er-Jahren um eine Entschädigung für ihren Auszug gestritten. Vor einem Jahr gewann die Holler-Stiftung diesen Rechtsstreit, bereits im Januar 2014 lief der Räumungsverkauf. Glück im Unglück für die Urbschats: Ein Ersatzstandort fand sich ganz in der Nähe: Art & Photo Urbschat hat nun am Kurfürstendamm 157 eine neue Heimat gefunden. „Das alte Gebäude war nicht mehr sanierungsfähig“, so der Architekt des neuen Palais, Tobias Nöfer. Das Gebäude habe bereits seit Jahren Feuchtigkeitsschäden im Keller aufgewiesen. Der siebengeschossige Riegelbau, in dessen Hof einst ein dreigeschossiges Parkdeck stand, soll nun durch ein Haus im klassischen Berliner Stil ersetzt werden.

Nicht als Neubau zu erkennen

Die Fassade zum Boulevard lehne sich in Aufbau und Gliederung an die typische Kurfürstendamm-Bebauung an, so der Berliner Architekt. Das Vorderhaus wird mit fünf Stockwerken sowie einem Dachgeschoss errichtet, das Parkdeck weicht einem begrünten Hof mit Hinterhaus. Geparkt wird künftig in einer zweigeschossigen Tiefgarage. Die Fassade wird mit hellem Naturstein verkleidet. „Das Dach besteht, wie am Kurfürstendamm üblich, aus einer Kombination von Sattel-, Mansard- und Flachdach.“ Der Neubau wird damit nicht mehr als solcher zu erkennen sein. „Städtebaulich wird sich das Palais Holler viel besser einfügen als der Vorgängerbau“, versichert Nöfer. Wohnungen wird es in dem Neubauensemble, wie schon im Abrisshaus, jedoch nicht geben. 25 Millionen Euro will die Stiftung mit Sitz in München investieren. Luxuriösen Neubau, allerdings zu Wohnzwecken, sehen auch die Pläne der Baywobau an der Ecke Albrecht-Achilles-Straße und Kurfürstendamm vor.

Die Pläne für die „Kurfürsten-Logen“ mit Blick auf die gegenüberliegende denkmalgeschützte Schaubühne hat der Berliner Architekt Stephan Höhne geliefert. Auf sieben Geschossen sollen 61 Eigentumswohnungen entstehen. „Mit der plastischen horizontalen Fassadengliederung nimmt der Entwurf Bezug auf die denkmalgeschützte Schaubühne aus den 1920er-Jahren“, so Höhne. Das Gebäude ist in drei Teile gegliedert, der Rücksprung des mittleren Hauses und den Vorgärten nehme die Gestaltung vieler Wohnhäuser in den Nebenstraßen des Kurfürstendamms auf. Ursprünglich sollte das Ensemble an der Albrecht-Achilles-Straße 65 bereits Ende 2014 bezugsfertig sein. Jedoch wechselte der Eigentümer, Ende 2013 hat die Baywobau das Projekt übernommen. Seit einer Woche nun hängt das Bauschild an dem leer stehenden Bürogebäude. „Wir wollen möglichst noch in diesem Jahr abreißen und im Frühjahr mit dem Bau beginnen“, so eine Baywobau-Sprecherin. „Die Baugenehmigung liegt vor, der Eigentümer kann abreißen“, bestätigt Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Marc Schulte (SPD).

Denkmalschutz Unter den Linden

Andere Wege beschreitet der Hamburger Investor Harm Müller-Spreer, der das „Französische Palais“ Unter den Linden 40 erworben hat. Kein Wunder, ein historisierender Neubau wäre hier auch überflüssig: Das Haus mit der Nummer 40 gehört zu den ganz wenigen Gebäuden am Boulevard in Mitte, die den Krieg unbeschadet überstanden haben. So viel geschichtsträchtige Pracht ist bei Investoren begehrt. Am Bieterverfahren hatten laut Maklerhaus Jones Lang LaSalle 350 Investoren teilgenommen. Der Kaufpreis liegt bei rund 50 Millionen Euro. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1908 als Verwaltungsgebäude für die Schlafwagengesellschaft Wagon-Lit erbaut. Das im neoklassizistischen Stil errichtete Geschäftshaus steht seit Anfang der 90er-Jahre weitgehend leer, zu DDR-Zeiten war es unter anderem Sitz der französischen und italienischen Botschaften. Nach der Sanierung soll es ab 2016 wieder als Büro- und Geschäftshaus genutzt werden. Mit der Umplanung wurde der britische Architekt Sir David Chipperfield beauftragt.