Film

Emotionale Reise durch das geteilte Berlin

Die Filmcollage „Mauerstücke“ präsentiert Dokumente der jüngsten Geschichte open air

NVA-Soldaten rücken aus zum Mauerbau. Eine alte Frau hängt aus dem Fenster eines Hauses an der Bernauer Straße und springt in den Westen. Im Palast der Republik tanzen die Genossen, draußen rührt sich Widerstand. „Wir sind das Volk“ skandieren die Massen. 28 Jahre Teilung in 28 Minuten. Die Bilder sind eindringlich – dokumentarische Momentaufnahmen, die trotz der zuweilen grobkörnigen Beschaffenheit des alten Filmmaterials berühren. Selbst die zeitweilige Unschärfe einiger der größtenteils schwarzweiß gehaltenen Aufnahmen tut der Wirkung keinen Abbruch, zumal eigens komponierte Filmmusik die Emotionen noch verstärkt.

„Mauerstücke“ nennt Regisseur Marc Bauder die 28-minütige Filmcollage, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Freitag, Sonnabend und Sonntag, 7.–9. November, präsentiert wird. Entlang der Lichtgrenze aus 8000 beleuchteten Ballons, die wie berichtet über 15 Kilometer den innerstädtischen Verlauf der Berliner Mauer nachzeichnen, wird die Filmcollage an sieben Publikumsorten auf riesigen Video-Screens stündlich gezeigt. Für den Film haben Bauder und sein Team erfahrener Cutter in 20 Archiven etwa 180 Stunden Material gesichtet. Das Ergebnis ist eine, laut Bauder, „emotionale Reise“, die den Bogen vom Bau der Grenzanlagen am 13. August 1961 bis zum Fall der Mauer am 9. November 1989 spannt. Der am Donnerstag erstmals vorgestellte Film arbeite wegen der Präsentation vor großen Menschenmengen im Freien mit wenigen O-Tönen und lebe fast ausschließlich von den Bildern, sagte der Regisseur. Dass er die eindringlichen Aufnahmen teilweise noch mit recht anrührender Musik unterlegt habe, sei seine Interpretation.

Ziel der Collage sei keine historische Aufarbeitung, begründet Bauder auch die Entscheidung, auf Daten wie Zeit- oder Ortsangaben bei den einzelnen Filmausschnitten zu verzichten. „Die Zuschauer sollen durch den Film angeregt werden, ihre Fragen zu vertiefen“, so Bauder. Die Filmcollage heiße nicht umsonst „Mauerstücke“.

Die sieben Publikumsorte, an denen die „Mauerstücke“ gezeigt werden, sind: Bornholmer Straße, Mauerpark, Gedenkstätte Berliner Mauer, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz, Checkpoint Charlie und die East Side Gallery.

„Mauerstücke“ ist eines von vielen Angeboten entlang der Lichtgrenze für Berliner und Gäste der Stadt. So hat die Robert-Havemann-Gesellschaft eine Open-Air-Ausstellung konzipiert, die mit 100 Mauergeschichten „Erinnerungen an die geteilte Stadt“ liefert. Fast alle 150 Meter werden entlang der Lichtgrenze zwischen Bornholmer Straße und Oberbaumbrücke auch jenseits der Touristenmagnete Mauergeschichten, Schicksale, Alltägliches und Kurioses aus der Zeit der Teilung erzählt. Beispielsweise die Geschichte von den Weihnachtsbäumen des damaligen West-Berliner Kuratoriums Unteilbares Deutschland. Aus Protest gegen die Mauer stellte das Kuratorium im Winter 1961 Hunderte beleuchtete Weihnachtsbäume auf die Westseite der Mauer. Doch die von Willy Brandt eröffnete Aktion wurde von der SED als Provokation betrachtet. Grenzsoldaten bewarfen die Weihnachtsbäume mit Steinen.

Darüber hinaus gibt es vom 7. bis 9. November spezielle Führungen, die etwa Fluchten unter dem Gleimtunnel oder Sprünge aus Wohnhäusern in der Bernauer Straße thematisieren. Informationen zum Programm „25 Jahre Mauerfall 2014“ finden Sie online unter www.berlin.de/Mauerfall2014