Stadtplanung

„Berlin fehlt ein Hochhaus-Konzept“

Am Montag dieser Woche hat die AG City gemeinsam mit dem Architekten Christoph Langhof Pläne für ein 209 Meter hohes Gebäude auf dem Hardenbergplatz vorgestellt.

Seitdem debattieren nicht nur die Anrainer, sondern auch Stadtplaner und Architekten, ob ein solcher Turm zu Berlin passt. Denn nicht nur die angepeilte Höhe wäre ein absolutes Novum in der Stadt, sondern auch der Standort. Dieser liegt zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zum Breitscheidplatz mit dem 118 Meter hohen „Waldorf Astoria“ und dem ebenso hohen, im Bau befindlichen „Upper West“. Aber der Hardenbergplatz ist ein Ort, für den bislang weder der Senat noch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf entsprechende Pläne gehegt haben. Demzufolge kontrovers sind auch die Diskussionsbeiträge der Experten, die der Berliner Morgenpost vorliegen.

Entschieden gegen die Turmpläne ist der Baustadtrat des Bezirks, Marc Schulte (SPD). „Ich zweifle doch sehr, dass ein solcher Turm in diese Umgebung passt“, so der Baustadtrat. Ein Hochhaus auf dem Hardenbergplatz degradiere diesen zum „Hotelvorplatz“. Zudem verlagere der Architekt dadurch das Zentrum der City West dorthin, wo nie eines war. „Mir kommt das Hochhaus vor wie ein Ufo, dass hier nur zufällig gelandet ist“, so sein abschließendes Urteil. Dass die Situation auf dem Hardenbergplatz seit Jahrzehnten unbefriedigend sei, streite er nicht ab. „Aber wir haben jetzt drei gute Entwürfe für eine Neugestaltung, die wir noch in diesem Jahr präsentieren werden“, verspricht Schulte.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zeigt sich aufgeschlossener. „Dem Hardenbergplatz an dieser Stelle eine Fassung zu geben, ist nachvollziehbar und städtebaulich durchaus richtig“, findet sie. Ob es jedoch ein Hochhaus sein müsse, das die beiden anderen Hochhäuser am Breitscheidplatz überrage, müsse diskutiert werden. „Auch mit Rücksicht auf das städtebauliche Ensemble und die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude muss die Maßstäblichkeit beachtet werden“, so Lüscher. Nicht umsonst habe sich das Abgeordnetenhaus 1999 für einen restriktiven Umgang mit Hochhausbauten in der Umgebung des Breitscheidplatzes ausgesprochen.

Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin, will die Qualität der vorgestellten Pläne ihres Kollegen Langhof nicht kommentieren. Sie verweist vielmehr darauf, dass die Landesregierung sich nicht wundern müsse, wenn Planer ohne Auftrag öffentliche Plätze in den Fokus nehmen. „Solche Vorschläge sind die Konsequenz einer jahrelangen Vernachlässigung eines wichtigen städtischen Entrees wie dem Vorplatz zum Bahnhof Zoo“, so Edmaier.

Vorausschauende Planung nötig

Wenn vorausschauende Planung nicht mehr in der notwendigen Qualität durch Politik und Stadtentwicklung verfolgt werde, bleibe das Feld privaten Investoren überlassen, fürchtet Edmaier. Der aktuelle Vorschlag zeige nicht zuletzt, dass in Berlin ein Hochhauskonzept fehlt, wie es andere Städte entwickelt haben: „Die Frage, an welchen Stellen Hochhäuser in welcher Höhe akzeptabel sind, ist nur durch kompetente Fachleute aus dem Architekturbereich und der Stadtplanung in qualifizierten und transparenten Diskussionsprozessen zu ermitteln.“

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) unterstützt offen die Pläne der AG City. „Das veröffentlichte Bild ist mir nicht unsympathisch“, so AIV-Vorstand Wolfgang Schuster. Langhof besetze mit seinem Hochhaus einen Ort, der bisher noch nicht diskutiert worden ist. „Das Haus, das im realisierten Zustand sicher nicht die Transparenz der Animation aufweisen wird, könnte tatsächliche eine architektonische Bereicherung für die City West werden.“ Zudem gebe es bereits zahlreiche Entwürfe im Bereich Fasanenstraße, Hardenbergstraße, Bikini-Haus und Zoo, die immer wieder auf eine Verdichtung mit Hochhäusern abzielten, ergänzt Schuster. Eine Studie, die der Senat selbst in Auftrag gegeben habe, weise auf mögliche Verdichtungspotenziale rund um den Hardenbergplatz hin.

„Dass die derzeitige Situation um den Bahnhof Zoo keine befriedigende städtebauliche Lösung darstellt, ist dem Senat, dem Bezirk und der Fachöffentlichkeit deutlich“, sagt der AIV-Vorstand. Der Nachweis stehe allerdings noch aus, ob ein 209 Meter hoher Turm tatsächlich keinen der Anrainer beeinträchtige. „Ein Haus dieser Höhe verändert das Mikroklima des Standortes deutlich“, sagt der Experte.

„In der intakten Berliner Stadtstruktur mit den wunderbaren Gründerzeitquartieren haben Hochhäuser nichts zu suchen“, sagt der Berliner Architekt Jan Kleihues. Es gebe jedoch Orte in der Stadt, an denen Hochhäuser Sinn machten. So etwa am Potsdamer Platz, am Alexanderplatz, am Hauptbahnhof und auch im Quartier am Zoo. „Dort handelt es sich um Orte, die als Verkehrsknoten eine unglaubliche Anziehungskraft haben. Dort wollen alle hin, dort kann verdichtet werden und das kann auch durchaus in die Höhe gehen“, so Kleihues.

Der Planer hatte an verschiedenen Stellen in der City West Hochhausentwürfe untersucht. Anfang der 90er-Jahre habe es Pläne für das Kudamm-Eck („Swissôtel“) mit etwa 100 Metern Höhe gegeben und auch das „Concorde“, jetzt „Sofitel“-Hotel, sollte 200 Meter hoch werden. An beiden Standorten hätten sich diese Höhen jedoch als ungeeignet erwiesen. Anders beim Quartier am Zoo. „Wir haben einen Masterplan für das Gebiet entwickelt, der die Belange der Öffentlichkeit, der Nutzer und Eigentümer berücksichtigt. In unserem Entwurf, den wir 2013 vorgestellt haben, gibt es unterschiedlich hohe Häuser von 60 bis 155 Meter.“ An gleicher Stelle habe übrigens schon 1998 sein Vater Josef Paul Kleihues ein Konzept mit Hochhäusern entwickelt, eines sollte sogar 300 Meter hoch werden. „Damals vielleicht etwas zu visionär“, so der Sohn. „Berlin ist eine Stadt im Wandel und kann durch eine Diskussion um Hochhäuser und deren Qualität eigentlich nur gewinnen.“