Ratgeber

Die Ratgeber

Erziehung: Ab wann soll ich Taschengeld zahlen?

Carmen R., Prenzlauer Berg: Ich habe einen fünfjährigen Sohn, der noch in die Kita geht. Nun sollen ja Kinder früh lernen, auch mit Geld umzugehen. Ab wann sollte ich ihm Taschengeld zahlen und wie viel?

Heidemarie Arnhold: Kinder lernen in der Grundschule Schritt für Schritt mit dem Zahlenraum bis 100 umzugehen. Sie zählen dann nicht mehr mit den Fingern, sondern können sich allmählich immer größere Mengen vorstellen und mit einem Wert verbinden. Das ist eine Grundlage, um realistisch mit Geldstücken oder Geldscheinen umzugehen. Etliche Kinder beherrschen zwar schon vor der Einschulung Buchstaben und Zahlen, Eltern sollten dies aber nicht mit tatsächlichem Lesen und Rechnen verwechseln. Es gilt also nicht unbedingt: je eher ich meinem Kind Taschengeld zahle, desto besser lernt es mit Geld umzugehen. Überlegen sie, ob ihr Kind tatsächlich eigenes Geld braucht, um regelmäßig selbstständig einzukaufen. Bedenken Sie auch, dass im deutschen Recht ein Kind unter sieben Jahren als „geschäftsunfähig“ gilt (BGB §104), erst ab sieben Jahren darf es aus Sicht des Gesetzgebers mit seinem Taschengeld kleine Einkäufe selbstständig tätigen (BGB §110). Taschengeld in der Kita ist also noch gar nicht nötig. Die Phase der Einschulung ist ein guter Zeitpunkt, um zu beginnen.

Garten: Kann ich meine Pfingstrose noch retten?

Margarete Schulte, Wilmersdorf: Ich habe vor einem Jahr eine schön blühende Pfingstrose auf meinem Balkon gepflanzt, die ich dann zum Winter runtergeschnitten habe. In diesem Jahr ist sie zwar wieder kräftig nachgewachsen, trug aber keine einzige Blüte. Was habe ich falsch gemacht? Soll ich sie im Herbst wieder runterschneiden?

Gabriella Pape: Pfingstrosen sind Diven. Sie mögen eigentlich nicht gern in Töpfen oder Kübeln wachsen. Es handelt sich um Tiefwurzler, die im Topf schnell an ihre Grenzen stoßen. Wenn ihnen der Topf zu eng wird, zeigen sie uns das, indem sie nicht blühen. Sie wachsen erst einmal noch ganz gut, aber sie haben keine Kraft mehr für die Blüte. Meist kann man das auch mit Düngung nicht in den Griff bekommen. Die Päonien fühlen sich dann wie in zu engen Schuhen. Auch im Freiland möchten sie in Ruhe gelassen werden. Nach Teilung älterer Pflanzen, lässt die Blüte gerne auf sich warten. Sie braucht dann mindestens ein bis zwei Jahre ehe sie wieder blüht. Also Pfingstrosen auspflanzen und in Ruhe lassen, dann haben Sie viele Jahre Freude an ihnen.

Vermieter: Mieter wohnt die Kaution einfach ab, was nun?

Martina F., Falkensee: Ich habe eine kleine Wohnung in Wilmersdorf vermietet und wiederholt Ärger mit den Mietern wegen Mietverzögerungen gehabt. Nun haben sie endlich gekündigt, allerdings einfach die zwei letzten zwei Mieten mit der Kaution verrechnet und sind ausgezogen. Muss ich das nun als Pech abschreiben oder lohnt der Rechtsweg?

Carsten Brückner: Das Nichtzahlen der letzten Mieten zum Ende der Mietzeit nennt man „Abwohnen der Kaution“. Das Abwohnen der Kaution wird von den Gerichten unter keinen Umständen akzeptiert; der Mieter gerät in Mietzahlungsverzug und macht sich schadensersatzpflichtig. Der Mieter ist bis zum Ende der Mietzeit verpflichtet, die vereinbarte Miete zu zahlen. Eine Aufrechnung mit der Kaution durch den Mieter ist mindestens bis zu diesem Zeitpunkt, meistens jedoch bis zum Ablauf einer dem Vermieter zustehenden Prüfungs- und Überlegungsfrist unzulässig. Die Kaution dient der Erfüllung der Pflichten des Mieters. Auf welche Pflichten die Kaution zur Erfüllung angerechnet wird, entscheidet der Vermieter innerhalb von sechs Monaten ab Rückerhalt der Mietsache. Erst dann kann der Vermieter entscheiden, was für Ansprüche er gegen den Mieter aus dem Mietverhältnis hat. In Betracht kommen neben Forderungen aus nicht gezahlter Miete Ansprüche aus Betriebskostenabrechnungen (auch zukünftige) und wegen nicht ausgeführter Schönheitsreparaturen und Rückbauarbeiten. In diesem Zeitraum ist eine Aufrechnungserklärung des Mieters unwirksam und damit wirkungslos, zumal die (gerichtliche) Klärung der Ansprüche des Vermieters dauern kann. Der Vermieter muss die Kaution hier nicht als Pech abschreiben. Er sollte zu Durchsetzung seiner Rechte sofort das gerichtliche (Mahn-) Verfahren einleiten, um seine Ansprüche wegen der ausstehenden Mieten zu titulieren. Die Kaution kann dieser Forderung nicht entgegengehalten werden.

Mieter: Wer kommt für die Schäden nach Hoffesten auf?

Horst Cremer , Tiergarten: Betrifft das Wohnen in einem Wohnkomplex mit ca. 100 Eigentumswohnungen. Der zugehörige Innenhof ist durch Gärtner gestaltet und gepflegt. Einige Bewohner nutzen nun diesen Innenhof für Partys und feiern größere Kindergeburtstage mit lauter Musik. Die neu angelegten Rasenflächen und Beete werden entsprechend beschädigt. Ist das zulässig und wenn ja, muss ein solches Fest über die Hausverwaltung angekündigt werden? Wer trägt die Kosten für die entstandenen Schäden? Wie begrenzt man die Anzahl solcher Feste?

Reiner Wild: Ob die Nutzung der Rasenflächen im Inneren der Wohnanlage für Feste oder andere Nutzungen erlaubt ist, hängt von der Hausordnung ab. In Wohneigentumsanlagen können allerdings Abweichungen zwischen der im Rahmen der Teilungserklärung vereinbarten Ordnung für die Wohnungseigentümer und der vom Vermieter beziehungsweise Einzeleigentümer dem Mieter auferlegten Hausordnung auftreten. Kosten können dem Mieter jedoch nur im Wege der Umlage der üblichen Gartenpflege als Betriebskosten entstehen. Der Ersatz von Pflanzen, die durch Feste zerstört wurden, gehört nicht dazu.

Erbrecht: Ist Nießbrauch erbschaftssteuerpflichtig?

Brigitte F., Berlin: Mein Mann und ich sind seit 32 Jahren verheiratet und haben bei der Eheschließung einen Gütertrennungsvertrag gemacht. Nun haben wir unser Haus vor sieben Jahren an unsere zwei Kinder verschenkt, mein Mann hat sich allerdings ein uneingeschränktes Nießbrauchsrecht eingetragen. Nun wollten wir für mich ein lebenslanges Wohnrecht eintragen lassen, damit im Falle seines Todes mir mein Heim erhalten bleibt. Nun habe ich gelesen, dass man in einem Erbfall auf das lebenslange Wohnrecht erbschaftssteuerpflichtig ist. Wäre es besser, mir das Nießbrauchsrecht erblich zu übertragen? Oder sollten wir den Gütertrennungsvertrag rückgängig machen?

Max Braeuer: Ihre Gütertrennung hat mit Ihrem heutigen Problem gar nichts zu tun. Ohne Ehevertrag wäre Ihre heutige Situation nicht besser, als sie jetzt ist. Ihr Problem ist die Schenkung an die Kinder. Sie war vielleicht etwas unüberlegt, weil Sie das Haus hergegeben haben, das Sie bis zu Ihrem Lebensende noch brauchen werden. Sie haben sich damals nicht einen Nießbrauch oder ein Wohnrecht vorbehalten. Heute können Sie ein Wohnrecht nicht mehr eintragen, denn das Haus gehört Ihnen ja nicht mehr. Ihr Mann kann Ihnen sein Nießbrauchsrecht nicht weitergeben, denn ein Nießbrauch ist nicht übertragbar. Er endet automatisch mit dem Tode Ihres Mannes. Sie können natürlich mit Ihren Kindern überlegen, den Schenkungsvertrag wieder rückgängig zu machen. Dann haben Sie wieder alle Rechte an dem Haus. Das wäre aber sehr teuer. Aus steuerlicher Sicht ist das nämlich wieder eine Schenkung, nun von den Kindern an die Eltern. Für eine Schenkung in diese Richtung ist der Steuerfreibetrag sehr viel niedriger als er bei der Schenkung an Ihre beiden Kinder. Das würde also vermutlich ziemlich viel Schenkungsteuer auslösen. Bei Ihrem Tode würden die Kinder für die Erbschaft dann erneut Steuern zahlen.

Der einzige Ausweg für Sie wäre, die Kinder zu bewegen, jetzt noch für ihre Mutter ein Wohnrecht in das Grundbuch eintragen zu lassen. Dieses Wohnrecht wäre dann ein Geschenk der Kinder an die Mutter, für welches Erbschaftsteuer anfällt. Möglicherweise liegt der Wert dieses Geschenkes aber unterhalb des Steuerfreibetrages, so dass Sie letztlich nichts bezahlen müssen. Nur einen Lichtblick in der schwierigen Situation gibt es: Mit Ihrem Tode wird das Wohnrecht enden, und die Kinder müssen dafür nicht noch einmal Erbschaftsteuer zahlen.

Tiere: Kann man einen Stubenkater umgewöhnen?

Charlotte Schulz, Schöneberg: Ich muss meinen zehnjährigen Kater abgeben. Er hat immer nur in der Wohnung gelebt und wird nun zu einer Familie mit Haus und Garten ziehen. Kann man ihn noch daran gewöhnen, sich auch draußen sicher zu bewegen? Was müssen die neuen Herrchen beachten?

Andreas Ochs: Wenn man davon ausgeht, dass die Urahnen unserer Hauskatzen eigentlich in der Wildnis lebten und an dieses Leben dort sehr gut angepasst sind, dann dürften keine größeren Umgewöhnungsprobleme zu erwarten sein. Der umgekehrte Fall, nämlich die Umstellung einer an „outdoor“-Aktivitäten gewöhnten Katze an ein Leben in der Wohnung wäre sicher wesentlich schwieriger. Dennoch sollten die neuen Besitzer darauf achten, dass sich das Tier zunächst in die neuen Innenräume einleben und von seinem Revier Besitz ergreifen kann. Hier hilft das regelmäßige Füttern an immer demselben Ort, die Aufstellung der Katzentoilette an einem für das Tier gut zugänglichen Ort und die Schaffung von Wohlfühlzonen, etwa in Form von gemütlichen Schlafplätzen, die natürlich nicht das menschliche Bett sein sollten! Erst danach muss der Stubenkater schrittweise an die Benutzung des Gartens gewöhnt werden. Sonst kann es passieren, dass beim ersten Erkundungsgang die neu auf das Tier wirkenden Eindrücke zu panikartigem Fluchtverhalten führen. Auf jeden Fall sollte es für den Kater ganz klar verständlich sein, dass seine Futterquelle immer innen im Haus ist. Wenn sich später herausstellt, dass er zuverlässig wieder nach Hause kommt, kann auch eine Katzenklappe sinnvoll sein.

Natürlich ist die Natur um Einiges gefährlicher als ein Leben als Stubentiger. Abgesehen vom Straßenverkehr gibt es auch umherstreunende Kater, mit denen es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen kann. Daraus resultieren oft nur kleinere Wunden, die bei der sorgfältigen Fellkontrolle entdeckt und gereinigt werden können. Bei Entzündungen sollte man den Tierarzt aufsuchen. Das ist auch notwendig, um das Tier durch regelmäßige Impfungen vor den katzentypischen Infektionskrankheiten zu schützen.

Arbeitsrecht: Darf mein Chef Grünpflanzen im Büro verbieten?

Andreas P., Kreuzberg: Mein Arbeitgeber will im Büro keine Grünpflanzen sehen. Dabei heißt es doch immer, Pflanzen heben die Stimmung und sind gut für das Raumklima. Darf mein Chef sie verbieten?

Torsten Reinprecht: Arbeitsmedizinische Untersuchungen belegen tatsächlich, dass Büropflanzen das Raumklima verbessern und zum Wohlbefinden der Arbeitnehmer beitragen können. Ein grundsätzlicher Anspruch darauf, seinen Arbeitsplatz mit eigenen Gegenständen, wie zum Beispiel Pflanzen, auszustatten besteht allerdings nicht. Der Arbeitsplatz ist Eigentum des Arbeitgebers. Dieser hat daher das Recht darüber zu entscheiden, ob er Pflanzen wünscht oder ob er dies aus verschiedensten Gründen ablehnt. Aus meiner Sicht bestehen daher kaum Chancen, die Gestaltung des Arbeitsplatzes mit Pflanzen gerichtlich zu erzwingen. Die gute Nachricht ist aber, dass es zu diesem Thema kaum Rechtsstreitigkeiten gibt. Dies lässt vermuten, dass diese Frage in den meisten Büros einvernehmlich geregelt wird. Sofern Rücksicht auf Kolleginnen und Kollegen genommen wird und der Arbeitsplatz nicht wie ein Dschungel aussieht, sollte ein vernünftiger Arbeitgeber nichts gegen die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes mit kleineren Pflanzen einzuwenden haben. Im Streitfall kann es sicher hilfreich sein, den Arbeitgeber darauf hinzuweisen, dass auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz empfiehlt, Pflanzen gezielt zur betrieblichen Gesundheitsförderung einzusetzen.

Verbraucherschutz: Eva Bell ist Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin

Miete: Reiner Wild ist der Vorsitzende des Mietervereins Berlin und erklärt Mietern ihre Rechte

Arbeitsrecht: Torsten Reinprecht ist Fachanwalt und berät Angestellte, freie Künstler und Unternehmen

Tiere: Dr. Andreas Ochs ist Tierarzt im Zoo Berlin und Experte für Haus-, Zoo- und Wildtiere

Familie + Kinder: Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorstand des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V.

Familien- und Erbrecht: Dr. Max Braeuer ist Anwalt und Notar für Familien- und Erbrecht

Wohneigentum: Dr. Carsten Brückner ist Chef des Bundes der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine e.V.

Auto: Thomas Lundt ist Chef und Obermeister der Kfz-Innung Berlin und Inhaber einer Werkstatt

Garten + Balkon: Gabriella Pape ist Gartendesignerin und Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin

Liebe und Partnerschaft: Christian Thiel ist Buchautor, Single- und Partnerschaftsberater

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