Kampf um das Rote Rathaus

Lauers Launen

Was der Landeschef der Piraten als Bürgermeister ändern würde

Für jemanden, der eigentlich mit dem Kurznachrichtendienst Twitter bereits gebrochen hatte, twittert der Landesvorsitzende der Piraten, Christopher Lauer, wieder erstaunlich viel. Dabei lässt er in diesen Tagen eine erstaunliche Nähe zur politischen Konkurrenz, den regierenden Sozialdemokraten, erkennen. Kaum jemand in der Berliner Landespolitik macht sich zur Zeit so viele Gedanken über die Nachfolge des aus dem Amt scheidenden Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit wie Lauer.

Mittlerweile hat sich bei Twitter ein lustiges Spiel nach dem alten „Radio Eriwan“-Muster etabliert. Die Welt fragt, Lauer als fiktiver Bürgermeister antwortet. Den Wahlsieg würde er demnach in der Rettungsstelle des Krankenhauses Virchow feiern, bevor er weitreichende Entscheidungen träfe. So schlägt er den wegen der Nürburg-Pleite zurückgetretenen ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) als neuen Aufsichtsratschef des Flughafens BER vor. Er würde eine Magnetschwebebahn nach Saarbrücken und Hamburg bauen, den Gemüsedöner als Berliner Erfindung in der Welt propagieren und den FC Bayern kaufen, um ihn als Hertha BSC spielen zu lassen.

Die umstrittenen Zuzügler aus Schwaben hätten unter Lauer als Regent nichts zu befürchten. Im Gegenteil: „Prenzlauer Berg wird offiziell ein eigenes Land und Steuerparadies, mit dem wir dann den Haushalt gesundstoßen.“ Allerdings nur, wenn sie keine Kehrwoche einführen. Aber Lauer hat auch verblüffend altbackene Änderungen vor. So würde er, wie in den 70er-Jahren unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) schon mal verordnet, den autofreien Sonntag einführen. Schon gibt es erste „Lauer for Bürgermeister“-Forderungen im Internet. Na dann, viel Spaß.