Immobilien

Kleingärtner auf teurem Grund

Neues Gutachten legt Verkehrswert auf fast 36 Millionen Euro fest

Die Kleingärtner der Kolonie Oeynhausen haben auf ein anderes Ergebnis gehofft. Doch das Grundstück, auf dem ihre Lauben stehen, ist offenbar wesentlich mehr wert, als sie annehmen. Ein vom Bezirksamt beauftragtes Gutachten kam jetzt zu dem Resultat, dass das Gelände an der Forckenbeckstraße in Schmargendorf einen Bodenwert zwischen 28 und 35,9 Millionen Euro haben soll, je nachdem, welchen Zeitraum man zugrunde legt und ob man von Rohbauland oder baureifem Bauland ausgeht.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Stadtrat Marc Schulte (beide SPD) gehen deshalb von einem entsprechend hohen Entschädigungsrisiko aus, sollte der Eigentümer dort nicht bauen dürfen. Nur der Wert der tatsächlichen Nutzung als Kleingartenfläche, schätzungsweise zwei bis drei Millionen Euro, müsste abgezogen werden. Die Zahlen seien ein Orientierungsrahmen, sagte Naumann.

Die Fraktion der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) bezweifelt, dass der Verkehrswert automatisch die Entschädigungshöhe entscheidet. „Das Bezirksamt zieht aus dem Gutachten die falschen Schlüsse“, sagt Grünen-Bezirksverordnete Nadia Rouhani. Die Grünen kritisieren grundsätzlich, dass der Eigentümer das Gelände von der Post günstig kaufte, um es jetzt für ein Vielfaches an einen Investor zu veräußern, der dort Wohnungen bauen will. Die Kleingärtner hoffen auf die BVV. Sie wird sich mit dem Gutachten beschäftigen – es ist bereits das sechste – und entscheiden, wie mit den Zahlen umgegangen werden soll.

Wie berichtet, drängen die Kleingärtner seit Langem darauf, dass der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf das etwa 95.000 Quadratmeter große Areal als Grünfläche festsetzt und damit die Kleingärten sichert. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid unterstützt das Verlangen. „Politisch ist es für uns alle klar, dass wir die Kolonie erhalten wollen. Doch der Senat stellt uns kein Geld für das Entschädigungsrisiko zur Verfügung“, sagte Naumann. Er und Schulte hoffen jetzt auf das Abgeordnetenhaus, wo nach der Sommerpause ein Antrag der Linken zur Kolonie Oeynhausen erörtert werden soll.