Stadtplanung

Nicht nur Kosmetik

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Thomas Fülling und Brigitte Schmiemann

Der Hardenbergplatz soll erneuert werden. Anrainer warnen vor kurzfristigen Umbauten

Der Hardenbergplatz könnte architektonisch mehr bieten, sogar eine vorzeigbare Adresse für internationale Firmen sein. Prominente Platzanrainer, darunter das Luxushotel Waldorf Astoria, der Zoologische Garten und die Technische Universität Berlin, haben deshalb jetzt den Senat und den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aufgefordert, den Platz in seiner heutigen Gestalt zu erhalten und auf kurzfristige Umgestaltungen zu verzichten. „Veränderungen an Funktion und Gestaltung dieses für uns und die gesamte City West überaus wichtigen Platzes sollten im Vorfeld besonders gründlich abgewogen, diskutiert und geplant werden“, heißt es in einem offenen Brief, der an Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler und Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) gerichtet ist. Zu den Unterzeichnern gehören auch das C/O Berlin (Galerie im Amerika-Haus), der Großinvestor Hines (Neubebauung Joachimstaler Straße 1–4) und die Helmut Newton Foundation, die das Museum für Fotografie an der Jebensstraße betreibt.

Auslöser für den auch von der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) unterstützten Protestbrief sind die Pläne von Senat und Bezirk, den Hardenbergplatz mit einzelnen, kleineren Projekten umzugestalten. Vorgesehen ist etwa die Verlegung von Haltestellen für die BVG-Busse und der Bau von Radwegen. In einer im Juli veröffentlichten Ausschreibung sucht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Büro, das ein Gestaltungskonzept erarbeitet. Für Aufregung unter den Anrainern sorgen dabei Formulierungen in der Auslobung, nach der lediglich in einzelnen Bereichen des Platzes die Funktionalität verbessert werden soll. Zudem verweist die Senatsverwaltung auf die knappen Kassen und wünscht sich „stabile Zwischenstände“. Die Anrainer befürchten, dass der in die Jahre gekommene Platz statt der erhofften grundhaften Modernisierung bestenfalls einige kosmetische Korrekturen erfährt.

IHK bietet Zusammenarbeit an

„Wir haben die Sorge, dass so die Chance vertan wird, eine richtig große Lösung zu finden, die die Menschen begeistert“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter der Berliner Morgenpost. Die Anrainer bieten Senat und Bezirk an, „gemeinsam konstruktive Schritte für eine zukunftsweisende, der Bedeutung des Platzes angemessene Lösung zu erarbeiten“. Auch mit Blick auf die ohnehin anstehenden umfangreichen Bauarbeiten – etwa die Sanierung der U-Bahn-Tunnel im Bereich Hardenbergstraße/Wittenbergplatz – sollte der Status quo am Hardenbergplatz vorerst nicht verändert werden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte die Ausschreibung. Es gebe ein „nicht offenes diskursives Wettbewerbsverfahren“, das im September abgeschlossen werden soll. Ziel sei es, „kurzfristig die verkehrlichen Belange besser zu organisieren und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, um eine langfristig umsetzbare Vision für den Platz zu finden“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde.

Marc Schulte (SPD), Stadtentwicklungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, sieht die Forderung der Anrainer nicht als Gegensatz zu dem, was der Bezirk aktuell anstrebt. „Wir ziehen da eigentlich an einem Strang“, sagte er. Allerdings: Ohne Fördermittel werde die seit Langem diskutierte Umgestaltung des Platzes nicht machbar sein. „Die Hoffnungen auf private Investoren etwa für die lange diskutierte Tiefgarage unter dem Platz haben sich als heiße Luft erwiesen“, sagte er. Bis Ende September will der Bezirk nun einen Fördermittelantrag einreichen. Woher ein möglicher Geldsegen in Millionenhöhe einmal kommen soll, wollte Schulte noch nicht verraten. Schulte spricht von einer Art Masterplan, der „aber nicht in Stein gemeißelt“ sei. Zwischenstände, die dann zu einer jahrelangen Dauerlösung werden, will auch Schulte nicht. Anders als die Anrainer sieht der Stadtrat aber kurzfristigen Handlungsbedarf: „Wir benötigen eine Ordnung für den wachsenden Fußgänger- und Fahrradverkehr auf dem Platz, und wir brauchen eine Lösung für die Eingangssituation am Zoo.“

Auch die AG City bittet die Behörden, sich Zeit zu lassen und keine Schnellschüsse zu machen. Es müsse viel weiter gedacht werden, als die bisherigen Pläne es jetzt zuließen. „Es wäre doch fatal, wenn aus rein populistischen Wahlkampfgründen der Hardenbergplatz einfach nur mit weniger Parkplätzen und größeren Radwegen umgestaltet würde“, sagte AG-City-Vorstandsmitglied Gottfried Kupsch. Die Stadt entwickele sich rasant, und deshalb müsse abgewartet werden, wie sich der Verkehr am Bahnhof Zoo entwickelt. „Die Deutsche Bahn geht beispielsweise davon aus, dass der West-Berliner den BER vom Zoo aus anfahren wird, nicht vom Hauptbahnhof“, so Kupsch weiter. Die AG City habe nicht prinzipiell etwas dagegen, den Autoverkehr im Bereich des Hardenbergplatzes zu reduzieren, aber die Mobilität der Berliner darf laut Kupsch dabei nicht eingeschränkt werden: „Wir rechnen auch weiterhin damit, dass eine Menge Parkplätze am Straßenrand zugunsten der Radfahrer verschwinden. Das ist auch in Ordnung. Aber die Plätze müssen an anderer Stelle kompensiert werden.“ Die AG City habe der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zudem vorgeschlagen, die Bebaubarkeit eines Teils des Platzes mit Bürogebäuden – im hinteren Bereich – zu prüfen. Der Hardenbergplatz ist laut Kupsch ein „idealer Standort für die Ansiedlung internationaler Büros“. Er wisse von internationalen Entwicklern, die an dem Standort sehr interessiert seien. „Und dann würde sich auch eine Tiefgarage rechnen“, ist er überzeugt.