Bildung

„Wir sind jetzt auf der Suche nach Sponsoren“

Weddinger Eltern wollen eine Sekundarschule gründen, fühlen sich vom Senat aber alleingelassen

Was passiert, wenn Menschen sich auf den Weg machen, Dinge zu ändern, die ihrer Meinung nach in der Gesellschaft schieflaufen? Wenn sie Konzepte entwickeln und andere Menschen gewinnen, die mitmachen wollen? Oft geht alles nicht so glatt und auch nicht so schnell, wie sie das geplant haben, nicht selten steht deshalb das Projekt infrage.

So ist das jetzt in Wedding geschehen. Dort wollen engagierte Familien, aber auch Vertreter verschiedener Organisationen die Bürgerschule Wedding gründen – eine Sekundarschule, an der jeder Schüler willkommen ist, ungeachtet seiner sozialen und kulturellen Herkunft sowie seiner Vorleistungen. Ziel ist es, dass alle Schüler einen Schulabschluss erreichen, jeder einzelne soll deshalb bestmöglichst gefördert werden. Schulgeld soll es nicht geben.

Die Bürgerschule sollte mit Beginn dieses Schuljahres starten, doch nun muss das Projekt mindestens um ein Jahr verschoben werden. Elfi Witten von der Bürgerplattform Wedding, die Initiatorin der Schulgründung ist, bedauert das sehr: „Wir hatten bereits eine erfahrene Schulleiterin und engagierte Lehrer, die mitmachen wollten und Anmeldungen für 40 Kinder“, sagt sie. Die Bildungsverwaltung habe dann aber nach mehreren Verhandlungen mit der Bürgerplattform Abstand von dem Projekt genommen. Damit sei die Finanzierung der Schule unsicher. „Wir sind jetzt auf der Suche nach Sponsoren“, sagt Witten.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), betont indes, dass die Verwaltung das Engagement der Gründer ausdrücklich begrüßt. „Wir haben ihnen angeboten, zwei Bürgerschulklassen an der Willy-Brandt-Sekundarschule aufzumachen und dieses Projekt als Schulversuch laufen zu lassen.“ Eine andere Möglichkeit wäre es, die Bürgerschule als Schule in freier Trägerschaft zu gründen. Das Pfefferwerk stehe als Schulträger bereit. „Der Verein wird im kommenden Jahr als bewährter Schulträger eingestuft.“ Das würde bedeuten, dass die Bürgerschule bereits 2015 mit einem staatlichen Zuschuss von 93 Prozent der vergleichbaren Personalkosten rechnen könnte.

Die Bürgerplattform Wedding, der 40 deutsche, türkische, arabische, asiatische und afrikanische Gruppen angehören, will aber keine Privatschule gründen. Ihre Bürgerschule soll eine staatliche Schule sein. Die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Barbara John, sagt dazu: „Berlin hätte die Chance gehabt, in Deutschland ein ganz neues Schulmodell zu etablieren.“ In einer Bürgergesellschaft müssten solche Modelle staatlich gefördert werden, damit jedes Kind eine passende Schule findet und Zugang zu guter Bildung hat. „Dass das in der Hauptstadt nicht möglich ist, ist eine Bankrotterklärung.“

Großer Leidensdruck

Maureen Mpieri, die als Pastorin einer internationalen Kirchengemeinde viele Weddinger Familien betreut, berichtet vom großen Leidensdruck, den die Eltern dort haben. „Kinder nichtdeutscher Herkunft werden in der Schule abgestempelt, rund 30 Prozent der Jugendlichen erreichen keinen Schulabschluss“, sagt sie. Sie habe selbst erlebt, dass Schüler in der dritten Klasse noch immer nicht lesen könnten. Es gehe nicht darum, eine Privatschule zu gründen, auch keine Schule für Arme oder Migranten, so Mpieri. „Wir wollen eine Schule für alle Kinder, an der Eltern, Lehrer und Schüler an einem Strang ziehen.“ So ein Projekt müsste der Staat unterstützen.

Unterdessen startet am 25. August mit der Quinoa-Schule eine andere Freie Sekundarschule in Wedding. Die Gründer Stefan Döring und Fiona Brunk haben die Montessori-Stiftung Berlin als Träger gewinnen können.