Gesundheit

Gefährliche Blutsauger

Zecken können schwere Krankheiten übertragen. Und es gibt sie nicht nur im Wald – sondern in jedem Berliner Park

Der Leberfleck da unter dem Arm ist Ihnen noch nie aufgefallen? Dabei ist er schon auffällig, so dunkel und erhaben. Schauen Sie noch einmal genauer hin, denn wenn Ihr Leberfleck acht Beine hat, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Zecke. Nicht nur auf dem Land freuen sich diese kleinen Tierchen über menschliche Wirte, in der Stadt ist die Gefahr eines Zeckenstichs nicht geringer. Zeckenexperte Tomas Jelinek ist Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BC Tropen) und klärt auf über die Blutsauger, die Gefahr einer Infektion mit Borreliose und wie man sich dagegen schützen kann.

Gibt es in Berlin besonders viele Zecken und sind sie gefährlich?

„Nicht mehr als auf dem Land“, meint Tomas Jelinek. Allerdings sei Berlin eine sehr grüne Stadt, weshalb die Gefahr, sich eine Zecke einzufangen, in einem Stadtpark ebenso groß sei wie auf einem Waldspaziergang. Normalerweise sei ein „Zeckenbiss“ ungefährlich. Eigentlich heißt es Stich, denn: „Zecken stechen, sie beißen nicht“, klärt Jelinek auf. Doch Zecken können auch Krankheiten übertragen, besonders die Infektionskrankheit Borreliose. Die Erreger, Borrelien genannt, übertrage etwa der Gemeine Holzbock, die in Berlin am häufigsten auftretende Zeckenart. Die ursprünglich aus dem Osten stammende Auwaldzecke hingegen übertrage gar keine Borrelien, dafür jucke ihr Stich lang und stark. „Hat eine Zecke einmal ein mit Borreliose infiziertes Tier wie ein Reh gestochen, so trägt es die Erreger, die Borrelien, ab diesem Zeitpunkt im Darm“, erklärt der Experte. Wie viele Zecken mit Borrelien infiziert sind, könne man nicht sagen, da die Zahlen heftig schwanken und sich auch von Wiese zu Wiese unterscheiden. Eine Stichprobe des BC Tropen vor einiger Zeit am Wannsee habe jedoch eine Infektionsrate von 50 Prozent der gesammelten Zecken aufgewiesen. „Das ist aber keinesfalls repräsentativ.“

Wie ist die Zecke überhaupt auf die Haut gekommen und was tut sie dort?

Während die Auwaldzecke auf ihre Opfer zukrabbelt, sucht sich der Gemeine Holzbock seine Wirte nicht aktiv aus, er wird eher abgestreift. „Das kann etwa bei einem Spaziergang im Grünen passieren, wenn man ein Blatt berührt“, erklärt Zecken-Fachmann Jelinek. „Sitzt darauf eine Zecke, so streift man diese ab und nimmt sie sozusagen mit.“ Überwiegend die Zeckenweibchen seien hier problematisch, da sie das Blut des Wirtes für ihr Gelege bräuchten. Doch gleich zustechen wird die Zecke nicht. „Zunächst sucht sie sich eine geeignete Stelle auf dem Körper, was auf dem Menschen gar nicht so einfach ist“, so Jelinek. Da der Mensch kein Fell habe, stürze die Zecke während ihrer Suche sehr leicht ab. Hat sie aber eine behaglichen Ort gefunden, dann sticht sie zu. Dabei injiziere sie erst einmal ein Sekret, das Komponenten wie Gerinnungshemmer und ein Betäubungsmittel enthält, weshalb der Mensch einen Zeckenstich meist nicht bemerkt. „Das ist für die Zecke sehr wichtig, da sie etwa zehn bis zwölf Stunden saugt“, erklärt Jelinek. Solange dauere es auch, bis das Blut des Menschen eventuelle Borrelien im Darm der Zecke aktiviere und diese in den Menschen wandern.

Wie äußert sich eine Infektion mit Borreliose?

Die Krankheit ist sehr vielseitig, denn die Erreger rufen viel weniger Abwehrreaktionen des Körpers auf den Plan als andere Krankheiten und liegen so zunächst ungestört im Gewebe. „Oft treten Symptome erst nach Jahren auf, was eine Diagnose schwer macht“, sagt Jelinek. Etwa die Hälfte aller Fälle verlaufe aber nach Lehrbuch. „Einige Zeit nach dem Stich, auch Wochen oder Monate, tritt die sogenannte Wanderröte auf“, so Jelinek. Diese klar abgegrenzte Rötung rund um den Stich werde richtig groß und sei deshalb gut von einer normalen Rötung nach dem Stich einer nicht-infizierten Zecke zu unterscheiden. „Dann können grippale Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen oder leichtes Fieber folgen.“ Nach Jahren könne es zu Organschäden etwa an der Niere kommen, zu Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem Befall des zentralen Nervensystems. So weit komme es aber selten. „Mit Antibiotika ist die Borreliose behandelbar“, beruhigt Jelinek. „Je früher man die Behandlung beginnt, desto besser.“ Die eher im Süden Deutschlands verbreitete, durch das FSME-Virus übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis spiele in Berlin und Brandenburg bis auf Einzelfälle bisher keine Rolle. „Wir vermuten allerdings, dass sich das in den kommenden zehn, 15 Jahren ändern wird“, so Jelinek.

An welchen Körperstellen schlagen Zecken am liebsten zu und wie kann man sich schützen?

„An gut durchbluteten Stellen, wo es warm und feucht ist, fühlen sie sich am wohlsten“, weiß Jelinek, denn die Zecken würden von Pheromonen, von Sexualduftstoffen, angelockt. So nisten sie sich besonders im Genitalbereich gern ein, aber auch in Achselhöhlen, Kniekehlen oder hinter den Ohren. Deshalb sei es sinnlos, freie Körperstellen mit Insektenschutzmitteln einzureiben. „Dort, wo die Zecke stechen will, sollte man sich einreiben“, so der Experte. „Unter den Armen, zwischen den Beinen, hinter den Ohren.“

Wie entfernt man eine Zecke?

„Vor allem so schnell wie möglich“, rät Jelinek, denn je kürzer die Zecke saugt, umso geringer ist eine Infektion mit eventuellen Krankheitserregern. Dabei sollte man die Zecke so nah wie möglich an der Haut greifen, am besten mit einer Pinzette, einer speziellen Zeckenzange oder -karte, und sie langsam herausziehen. „Viele denken, man müssen sie drehend herausziehen, das ist aber nicht nötig“, klärt Jelinek auf, Zecken hätten schließlich kein Schraubgewinde. Drücken sollte man das Tier aber nicht. „Die Borrelien befinden sich im Hinterteil der Zecke, die würde man dann durch Druck in das eigene Gewebe entleeren.“ Wenn hingegen Reste des Tiers wie etwa die Mundwerkzeuge in der Haut zurückblieben, so sei das kein Grund zur Sorge.