Anhörung

Geheime Konten: Dekanin belastet Charité-Chef

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Joachim Fahrun

Anhörung im Parlament macht Differenzen deutlich

Der Riss geht mitten durch den Vorstand der Charité. Der Vorsitzende Karl Max Einhäupl und die Dekanin Annette Grüters-Kieslich saßen am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss zwar nebeneinander. Mit dem, was sie jeweils den Abgeordneten zu den geheimen Konten an der Berliner Universitätsklinik zu sagen hatten, lagen sie jedoch meilenweit auseinander. Indirekt schob Grüters-Kieslich Einhäupl die Verantwortung für die Affäre zu, in deren Folge die Dekanin der Charité-Fakultät nun nach viel Druck angeboten hat, ihr Amt als oberste Repräsentantin der Charité-Forscher zum Jahresende aufzugeben. Ihr sei „großes Unrecht“ geschehen, sagte Grüters-Kieslich. Wenige Meter entfernt saß die Charité-Aufsichtsratschefin, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), und lächelte gequält.

34 Millionen Euro nicht ausgegeben

Die Deutung, wer wann wie viel wusste von den 34 Millionen Euro, die die Fakultät der Charité über die Jahre aus nicht ausgegebenen Drittmittel-Pauschalen für Forschungsprojekte angehäuft hatte, bleibt umstritten. Wirtschaftsprüfer hatten diese Summe im Januar bei der Prüfung des Jahresabschlusses entdeckt, sie als falsch gebucht kritisiert und das Testat für das Jahr 2013 verweigert. Der Konflikt in der Charité zwischen den Vorständen eskalierte daraufhin.

Einhäupl wollte nach vorne blicken. Rechtlich sei es möglich und notwendig, Drittmittel-Pauschalen anzusparen, sagte der Charité-Chef, aber es müsse transparent dargestellt werden: „Das werden wir in Zukunft tun.“ Künftig werde im Vorstand gemeinsam über die Verwendung der sogenannten Overhead-Mittel entschieden, die Fakultät erhalte ein Vetorecht. Die Dekanin nutzte ihren Auftritt, um erneut ihre Sicht darzustellen. Für die Bilanzierung sei der dem Finanzvorstand unterstehende Geschäftsbereich verantwortlich, sagte die Ärztin. Es habe „Übergriffe des Gesamtvorstandes in den Haushalt der Fakultät“ gegeben. „Wir gehen davon aus, dass alle wussten, dass diese Mittel vorhanden sind“, sagte Grüters-Kieslich und widersprach damit früheren Aussagen Einhäupls, der von der Summe keine Kenntnis gehabt haben will. Die Wirtschaftsprüfer hätten einen „einseitigen und gefärbten Bericht“ vorgelegt.

Scheeres und ihr Staatssekretär Knut Nevermann sahen sich zu Klarstellungen genötigt. Weder für den Vorstand noch für den Aufsichtsrat seien diese Mittel „sichtbar“ gewesen, sagte die Senatorin. Die Wirtschaftsprüfer seien auch „nicht irgendjemand“, sondern vom Aufsichtsrat beauftragt worden. Nevermann sagte, die „Kommunikationsformen im Vorstand“ funktionierten nicht. Er verwies darauf, dass es eben keine konkreten Pläne gegeben habe, wie man die 34 Millionen Euro verwenden wollte.

Die Abgeordneten reagierten ungehalten auf die Vorstellung der Charité-Spitze. Man müsse im Zusammenhang mit der Charité zu oft über Affären reden, beklagte Lars Oberg (SPD). Dabei müsse jederzeit gesichert sein, wie öffentliches Geld von wem wofür verwendet werde. Anja Schillhaneck (Grüne) sagte, die Unklarheiten um 34 Millionen Euro seien „Warnsignale für tiefe strukturelle Probleme“ innerhalb der Charité.