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Das Wochenende des Jahres

Fußball, Politik, Kultur: Berlin erlebt den größten Besucheransturm der vergangenen Monate

Dieses Wochenende werden die Berliner Hoteliers in guter Erinnerung behalten. Zum Finale des DFB-Pokals zwischen Borussia Dortmund und Bayern München können sie die meisten Buchungen des bisherigen Jahres verzeichnen. Dazu kommen die Tage der offenen Tür im Bundesrat und im Abgeordnetenhaus und die Lange Nacht der Museen. Von einer „vollen Stadt mit Fußballfans, aber auch kultur- und politikinteressierten Menschen“ spricht Katharina Dreger von „Visit Berlin“.

Ein bisschen Bayern schauen

Über höchste Fußballprominenz darf sich das Regent Hotel am Gendarmenmarkt in Mitte freuen. Dort hat der Deutsche Meister aus München eingecheckt. Bereits acht Stunden vor Anpfiff des Pokalendspiels wird das Luxusdomizil von Bayern-Groupies belagert. „Der Manuel Neuer war vorhin schon da“, sagt Andrea Saliger aus dem brandenburgischen Schwedt. „Und der Holger Badstuber auch.“ Ihre Freundin Beate ist bestens informiert. „Erst hatten sie Training, dann Mittagsschlaf, dann Kuchen essen und dann ab zum Spiel.“

Derweil treffen Borsi, Trostl und DJ Adrian im „Alt-Berliner Biersalon“ mit rund 200 Gleichgesinnten zünftige Vorbereitungen. Anders gesagt: Das Bier fließt schnell und gut. Noch können die drei Bayern aus Landshut stehen, und falls sie umfallen, fallen sie weich: Als Kopfbedeckung tragen sie halbe Fußbälle. „Daher der Name unseres Fanklubs: Landshuter Rotkappen“, sagt Trostl. Und grüßt mit einem herzhaften-derben „Prost!“

500 Meter weiter ist Berlin fest in schwarz-gelber Hand. Am Breitscheidplatz steigt die große Party: 3000 BVB-Fans mit Pickelhauben, mit bunten Sonnenbrillen und mit Bierkästen. Einer hat eine Pappfigur von Marco Reus mitgebracht. Ein anderer ist in einem schwarz-gelben Oldtimer vorgefahren. Immer wieder ertönen Durchsagen der Polizei, doch alles bleibt friedlich. Die Verkäufer in den Marktbuden machen das Geschäft ihres Lebens. „Ich bin nur am Bierzapfen“, sagt Laura, die in einer Bude am Fuße der Gedächtniskirche arbeitet. Es wird wohl das letzte Mal sein, nach dem Pokalfinale sollen sämtliche Stände abgebaut werden. Auch Hütchenspieler suchen das schnelle Geld, aber sie haben nicht mit diesem einen BVB-Fan gerechnet. Er springt in die Menschentraube, trötet dem Hütchenspieler mit einer Vuvuzela ins Gesicht und ruft: „Ihr seid Betrüger!“ Er ist unbestritten der Held des Tages.

Ein paar andere Dortmunder nutzen die Stunden vor dem Spiel lieber für politische Weiterbildung. Der Bundesrat hat zum Tag der offenen Tür geladen. Die Zahl der Fußballfans ist allerdings überschaubar – was möglicherweise an der langen Schlange liegt. Michael und Ulrike Edigkaufer aus Wiesbaden wollen trotzdem hinein. „Der Bundesrat ist nach dem Bundestag schließlich die zweitwichtigste politische Institution in Deutschland“, sagt Michael Edigkaufer. Drinnen wartet die nächste Schlange: Ein Besuch im Büro von Bundesratspräsident Stephan Weil (SPD) gehört zu den Highlights. Als ein Mitarbeiter erklärt, dass man sich nicht auf den Stuhl des Bundesratspräsidenten setzen darf, sind einige Besucher zwar enttäuscht, werden aber entschädigt.

Denn die Führung ist aufschlussreich. Vom Bürofenster kann man in den Hof blicken. Dort stehen 35 Kästen mit Hortensien. „Weiß jemand, warum gerade 35?“, fragt der Mitarbeiter. Keiner weiß es. „Weil die absolute Mehrheit im Bundesrat 35 Stimmen beträgt.“ Nach der Führung lässt sich sogar Frage 10 der „Bundesrats-Rallye“ beantworten. Wie viele Stellvertreter hat der Bundesratspräsident. Antwort: zwei.

Einmal schauen, wo „die da oben“ arbeiten, ist auch im Berliner Abgeordnetenhaus möglich. Dirk Hoffmann ist überzeugter Grünen-Wähler. Dass er sich im Plenarsaal auf den Platz der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Ramona Pop gesetzt hat, ist allerdings Zufall. „Es ist interessant, mal dort zu sein, wo man sonst nicht hinkommt“, sagt der Neuköllner.

Kurz bevor das Haus seine Türen wieder schließt, startet die Lange Nacht der Museen. Rund 80 Museen und Ausstellungsorte, darunter das Bode-Museum, öffnen ihre Türen bis zwei Uhr nachts. Das Ticket ist auch noch am heutigen Sonntag, dem Internationalen Museumstag gültig. Während Museumsbesucher mit den Shuttle-Bussen auf Kult-Tour gehen, feiern die Bayern-Fans den Sieg ihrer Mannschaft an Kudamm und Breitscheidplatz. Herrschte dort am Tag Schwarz-Gelb vor ist es nun das Weiß-Blau-Rot der Bayern-Fans, das dominiert. Versprengte Dortmunder Fans werden am Breitscheidplatz von Anhängern des FC getröstet. Und im „Alt-Berliner Biersalon“ fließt wie schon zur Mittagszeit das Bier - schnell und gut.