Gottesdienst

Abschied von einer Berliner Sportlegende

Trauerfeier für Manfred von Richthofen, den langjährigen Sportbund-Präsidenten

„Die Sporthauptstadt Berlin trägt Trauer.“ Mit diesen Worten hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit am Freitag seine Würdigung für Manfred von Richthofen eingeleitet. Rund 300 Politiker, Sportler, Sportfunktionäre und Weggefährten nahmen gemeinsam mit der Familie bei einem Dank- und Trauergottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Abschied vom langjährigen Präsidenten des Deutschen und des Berliner Sportbundes. Von Richthofen starb am 1. Mai, wenige Wochen nach seinem 80.Geburtstag, den er noch mit vielen Gästen feierte.

„Für uns alle ist unfassbar, dass der Nestor des deutschen Sports nicht mehr an unserer Seite ist“, sagte Wowereit sichtlich bewegt. Der Berliner Sport werde immer eng mit von Richthofens Andenken verbunden sein. Er habe den Sport als Markenzeichen seiner Heimatstadt „mit großer Noblesse und manchmal ungestümem Engagement, aber immer mit Klugheit“ vertreten. Nach dem Fall der Mauer habe er den Sport beider Nationen zusammengeführt und sei Sportpräsident des ganzen Landes geworden. Auch das alljährliche Pokalfinale des Deutschen Fußballbundes in Berlin sei sein Werk.

Als von Richthofens größte Leistung würdigte Wowereit wie auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Zusammenführung von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Komitee zum Deutschen Olympischen Sportbund. Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin, nannte von Richthofen eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die andere mitreißen und überzeugen konnte. Er sei der Ideengeber der Sportstadt Berlin gewesen und Patriot im besten Sinne. Auch der Olympiastützpunkt Hohenschönhausen und das Landesleistungszentrum gingen auf ihn zurück.

Pfarrer Steffen Reiche, ehemaliger Bildungs- und Sportminister in Brandenburg, charakterisierte Manfred von Richthofen in seiner sehr persönlichen Traueransprache als Menschen der Herzenswärme und des Respekts, aber auch der unmissverständlichen Stellungnahme. Reiche zeichnete den Werdegang des im Charlottenburger Westend aufgewachsenen kunstsinnigen „Putzi“ zum bedeutenden Vertreter des deutschen Sports nach. Zunächst Lehrer am Canisius Kolleg, habe er sich in den 80er-Jahren seiner Lebensaufgabe verschrieben, oft 14 bis 16 Stunden pro Tag gearbeitet. Von Richthofen habe überparteilich gehandelt, aber immer Partei für den Sport ergriffen. Er habe hohe Anforderungen an andere formuliert, aber noch höhere an sich selbst.

Zu den Trauergästen zählten unter anderem Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Innensenator Frank Henkel, die Bundestagsabgeordneten Renate Künast, Özcan Mutlu und Frank Steffel sowie die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper und Eberhard Diepgen. Der Sport war auch durch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, Radrennfahrer Robert Bartko und Diskuswerfer Robert Harting vertreten.