Justiz

„Wir machen das schon“

Polizisten stehen wegen Vertuschung einer Gewaltattacke vor Gericht

Strafvereitelung im Amt stellt einen der schwersten Vorwürfe dar, die man gegen einen Polizisten erheben kann. Eine Straftat zu vertuschen und die Aufklärung des wahren Sachverhalts zu behindern, ist das Gegenteil dessen, was der Gesetzgeber Polizeibeamten als Aufgabe zugewiesen hat. Genau das aber wirft die Staatsanwaltschaft den sieben Berliner Beamten vor, die sich seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten müssen. Sie sollen laut Anklage mit falschen Angaben das unzulässig gewalttätige Vorgehen eines Kollegen als bedauerlichen Unfall dargestellt haben.

Vorwürfe gegen Polizisten, zu Recht oder zu Unrecht, sind keine Seltenheit. Doch dieser Fall hat eine Besonderheit. Denn der Beamte, dessen unzulässiges Vorgehen vertuscht werden sollte, hat sein dienstliches Vergehen längst eingestanden und wurde bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Tat liegt inzwischen mehr als zwei Jahre zurück.

In der Silvesternacht von 2011 auf 2012 waren die Beamten als Gruppenstreife in Marzahn unterwegs. In den frühen Morgenstunden schlug der Polizeikommissar Enrico Z. bei einem Einsatz einem Passanten seinen Schlagstock zweimal derart massiv auf den Kopf, dass der Stock zerbrach. Die Verletzungen des Opfers mussten in einem Krankenhaus mit mehreren Stichen genäht werden.

Schon kurz nach dem Vorfall wurde Z. offenbar bewusst, dass er völlig überzogen und unrechtmäßig vorgegangen war. Seinem Vorgesetzten bot er an, sich selbst anzuzeigen. Der aber soll laut Anklage eine andere Idee gehabt haben. „Wir machen das schon“, soll er gesagt haben. Und so wurde aus dem unzulässigen Schlagstockeinsatz ein bedauerlicher Unfall. In einem Bericht hieß es, Z. sei auf glattem Boden ausgerutscht und so unglücklich gefallen, dass sein Schlagstock das Opfer zweimal getroffen habe.

Diese Version hatte allerdings nicht lange Bestand. Wenige Wochen nach der Tat ging bei der Polizei ein anonymes Schreiben ein, in dem der tatsächliche Verlauf geschildert wurde. Darin hieß es weiter, der beschädigte Schlagstock sei heimlich ausgetauscht worden. Unmittelbar nach Eingang dieses Briefes gestand Enrico Z. den wahren Ablauf des Geschehens und bestätigte seine Angaben nochmals in seiner Verhandlung. Die Beamten, die an der Vertuschungsaktion beteiligt gewesen sein sollen, schwiegen am ersten Tag ihres Prozesses. Laut Anklage sollen einige von ihnen zuvor die Unfallversion geschildert haben, andere sollen wahrheitswidrig angegeben haben, sie hätten nichts gesehen.

Wichtige Informationen verspricht sich das Gericht von der Aussage des schon verurteilten Polizeikommissars. Doch die fiel am Donnerstag erst einmal aus. Z. hatte vergessen, bei der Behörde eine Aussagegenehmigung einzuholen. Der Prozess wird am Dienstag kommender Woche fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil gesprochen werden.