Demonstration

Flüchtlinge bleiben weiter am Breitscheidplatz

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Nach verwehrtem Kirchenasyl gehen Gespräche weiter

Es regnet unablässig an diesem frühen Montagnachmittag, der graue Himmel passt zur Stimmung vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz. Elf Flüchtlinge haben hier die Nacht verbracht, nachdem sie am Sonntag erfolglos um Kirchenasyl nachgesucht hatten. Die Männer gehören zur Gruppe der Flüchtlinge, die vor mehr als einer Woche am Alexanderplatz in Hunger- und später auch in Durststreik getreten waren.

„Der Rückzug vom Alexanderplatz ist ein strategischer Schritt“, sagt ein Sprecher der Flüchtlingsgruppe. Die Kirche habe ihnen Essen und Geld angeboten, doch deshalb seien sie nicht gekommen. Sie suchten Schutz, vergeblich, wie sie sagen. Am Sonntag zogen die elf Männer mit ihren Unterstützern vom Alexanderplatz zur Gedächtniskirche, zwei Stunden verhandelten sie im Innern der Kirche mit Pfarrer Martin Germer und weiteren Gemeindemitgliedern. Von Kirchenseite aus war die Atmosphäre als offen und freundlich beschrieben worden. Die Flüchtlinge hingegen zeigten sich nach dem Gespräch enttäuscht, mit der Polizei sei ihnen gedroht worden.

Gesprächsangebot abgelehnt

„Ein Missverständnis“, sagt Pfarrer Germer. „Wir haben lediglich darum gebeten, uns nicht in eine Situation zu bringen, in der wir im Gremium solche Fragen diskutieren müssen.“ Doch die Frustration auf Seiten der Flüchtlinge war groß, ein Gesprächsangebot von Kirchenseite am Montagmorgen lehnte die Gruppe deshalb ab. „Wir kommen alle aus Afrika“, sagt einer der Flüchtlinge leicht aufgebracht. „Bei uns ist es so: Sobald jemand einen Fuß in eine Kirche setzt, ist er sicher. Das scheint hier nicht der Fall zu sein.“

„Wir wissen von keinem der Flüchtlinge irgendetwas Persönliches, deshalb brauchen wir noch nicht über Kirchenasyl zu sprechen“, sagt Pfarrer Martin Germer. Für die Kirchengemeinde sei eine solche Situation völlig neu. „Die Flüchtlinge haben politische Forderungen“, sagt Germer, „die können wir nicht erfüllen. Aber wir fungieren gern als Gesprächsvermittler.“ Nun will die Gruppe so lange auf dem Vorplatz der Kirche, unter der Plattform des Baugerüstes, verharren, bis ihre Forderungen nach einem dauerhaften Aufenthaltsrecht „positiv berücksichtigt“ seien. Man wolle „reisen, arbeiten und Bildung genießen wie die Deutschen“, fordern die Flüchtlinge, und nicht nach Sachsen-Anhalt zurückkehren, wo einige von ihnen zuvor in Unterkünften lebten.

Am Abend kam der Gemeindekirchenrat zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ein Ergebnis der Sitzung lag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor.

( cn/sag )