Personalien

Kenan Kolat gibt Vorsitz der Türkischen Gemeinde auf

Er hat in seiner Amtszeit drei Bundespräsidenten erlebt und in der Berliner Landespolitik drei Senatorinnen für Integration – von denen die letzte seine Ehefrau ist.

Nun ist die Zeit von Kenan Kolat als Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) nach fast neun Jahren beendet. Auf dem zehnten Bundeskongress des wohl wichtigsten Verbandes der in Deutschland lebenden Türken und der türkischstämmigen Deutschen kandidierte der 54-Jährige nicht erneut für den Vorsitz. Für seinen Verzicht nannte er gesundheitliche Gründe. „Ich habe dieses Amt sehr gerne ausgeübt und blicke mit Dankbarkeit zurück. Die Arbeit bedeutete aber auch viel Stress und ich will es ruhiger angehen lassen“, sagte Kolat am Sonntag der Morgenpost.

Für die Delegierten kam Kolats Verzicht auf eine erneute Kandidatur überraschend. Seine Abschiedsrede quittierten sie mit stehenden Ovationen. Als Nachfolger des gebürtigen Istanbulers wählten sie den studierten Betriebswirt Safter Cinar, der bisher Vorsitzender des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg ist, und den Stuttgarter Sozialpädagogen Gökay Sofuoglu, der im geschäftsführenden Vorstand bislang als familienpolitischer Sprecher fungierte.

Kolat kam als 21-Jähriger nach Deutschland. Der studierte Seeverkehrs-Ingenieur, übernahm den Vorsitz der Türkischen Gemeinde im Oktober 2005 vom Gründungsvorsitzenden Hakki Keskin. Sein Amt als bezahlter Geschäftsführer des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg gab er Ende 2011 auf, um Interessenkonflikte zu vermeiden, weil seine Frau Dilek Kolat Sozialsenatorin wurde.

Als Erfolg seiner Amtszeit nannte Kolat, dass die TGD an Bedeutung gewonnen habe. Integrationsfragen würden ohne den Verband kaum diskutiert. Nun müssten Migranten bessere Beteiligungsmöglichkeiten erhalten. „Ohne Partizipation kann man nicht von Integration sprechen“, sagte Kolat. „Das ist die größte Herausforderung, wir sind aber auf einem guten Weg.“ Er selbst werde sich zunächst ausruhen und sich dann seiner privaten Firm widmen.