Unfall

Betrunkener Jaguar-Fahrer rast in Kleinwagen

Eine 26 Jahre alte Frau wird schwer verletzt. Die Insassen des Unfallwagens flüchten zu Fuß. Lange Staus im Ostteil der Stadt

Die junge Frau war vermutlich noch müde, als sie in der Nacht zum Donnerstag vorschriftsmäßig mit ihrem Kleinwagen an einer roten Ampel an der Kreuzung Prenzlauer Promenade/Granitzstraße wartete. Vielleicht bemerkte sie nicht einmal, wie sich hinter ihr der Jaguar mit hoher Geschwindigkeit näherte. Eine andere Autofahrerin, die auf der Nebenspur wartete, sah hingegen durch ihren Rückspiegel, wie der Jaguar viel zu schnell heranraste. Doch sie konnte die Frau im Kleinwagen neben ihr nicht mehr rechtzeitig warnen. Ungebremst fuhr der Jaguar auf den Kleinwagen auf und schob ihn bis auf die Kreuzung.

Hohe Geschwindigkeit

So spielte sich der Unfall ab, der in der Nacht zum Donnerstag nicht nur einen schwer verletzten Menschen zur Folge hatte, sondern auch zu einem Verkehrschaos bis in die Morgenstunden führte. Es war gegen 2.50 Uhr, als das spätere Opfer – eine 26 Jahre alte Frau – in ihrem Ford Ka auf der Prenzlauer Promenade in Richtung Innenstadt fuhr und an der Kreuzung zur Granitzstraße wegen einer roten Ampel hielt. Zeitgleich waren zwei Männer, 34 und 38 Jahre alt, in einem Jaguar auf derselben Straße auf derselben Fahrbahn in dieselbe Richtung unterwegs. Sie hatten Alkohol getrunken und achteten wohl deshalb nicht auf die Verkehrslage vor ihnen. Wie schnell sie unterwegs waren, ist noch unklar. Fotos vom Wrack des Ford Ka machen jedoch deutlich, dass der Aufprall bei sehr hoher Geschwindigkeit erfolgt sein muss.

Wie ein Polizeisprecher mitteilte, schob der Jaguar den Ford Ka nach dem Zusammenstoß zunächst weiter mitten auf den Kreuzungsbereich. Dann fuhr der Luxuswagen über die Kreuzung hinaus, rammte drei am Straßenrand geparkte Wagen und prallte schließlich gegen einen Ampelmast. Erst dort kam der Wagen zum Stehen. Was dann passierte und vor allem was in den Köpfen der beiden Insassen vorging, wird in dem bereits eingeleiteten Strafverfahren noch eine Rolle spielen.

Statt sich um die junge Frau zu kümmern, die schwer verletzt und ungeschützt in ihrem völlig demolierten Wagen auf der Kreuzung festsaß, entschieden sich die beiden Jaguar-Insassen dafür, sich auf und davon zu machen. Dass sie aufgrund des Kennzeichens des Jaguars, den sie am Unfallort zurückließen, nicht weit kommen würden, schien sie nicht davon abzuhalten. Zu Fuß flüchteten sie in eine nahe gelegene Wohnung.

Die Zeugin, die den Unfall von der Nebenspur aus beobachtet hatte, sowie weitere Autofahrer alarmierten unterdessen Polizei und Feuerwehr. Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten die 26-Jährige aus ihrem Wagen befreien. Ein Notarzt brachte sie in ein Krankenhaus. Die junge Frau soll schwere Verletzungen am Oberkörper erlitten haben, Lebensgefahr besteht nach ersten Angaben jedoch nicht. Die Polizei sperrte den Kreuzungsbereich weiträumig ab. Der Verkehr staute sich daraufhin über mehrere Stunden bis in kleine Nebenstraßen. Vor allem aber die Autofahrer auf der A114, die in die Prenzlauer Promenade mündet, waren betroffen. Bis zum Berliner Ring staute sich der Verkehr zurück. Um 9.30 Uhr wurde die Sperrung wieder aufgehoben. Bis sich sämtliche Staus auflösten, dauerte es noch eine Weile.

Tatverdächtige in Wohnung

In den Stunden zuvor war die Polizei damit beschäftigt, den Unfallort zu vermessen und den Unfallhergang zu rekonstruieren. Kriminaltechniker untersuchten die Autowracks des Ford Ka und des Jaguars sowie die drei beschädigten geparkten Fahrzeuge auf Spuren und fotografierten sie. Parallel zu den Ermittlungen am Tatort recherchierten Polizeibeamte den Halter des Jaguars. Wie sich herausstellte, wohnte er nur wenige Straßenzüge weiter. Der Halter und ein weiterer Mann wurden kurz darauf in der Wohnung angetroffen und vorübergehend festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden Männer den Unfall verursacht haben. Beide sollen alkoholisiert gewesen sein. Wer jedoch den Jaguar fuhr, ist noch unklar und Gegenstand weiterer Ermittlungen.

Gegen den 34-Jährigen und den 38-Jährigen wurden inzwischen Strafverfahren eingeleitet. Ermittelt wird unter anderem wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Der Straftatbestand sieht ein Strafmaß bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe vor. Ob sich die beiden Männer zu dem Unfallgeschehen der vorangegangenen Nacht äußerten, war am Donnerstag bei der Polizei nicht in Erfahrung zu bringen. Auch den Alkoholwert, der bei ihnen gemessen wurde, wurde nicht bekannt gegeben.