Vollstreckung

Wohnungsräumung in Charlottenburg verläuft friedlich

Am Donnerstagmorgen hat die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag eine Wohnung an der Hofackerzeile 2 A in Charlottenburg zwangsräumen lassen.

Etwa 80 Gegnern dieser richterlich angeordneten Maßnahme stand eine Hundertschaft der Polizei gegenüber. Die Räumung verlief nach Angaben eines Polizeisprechers friedlich. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Nach Gewobag-Angaben seien vor ungefähr zehn Jahren die ersten Mietschulden des Mieters S. im Zusammenhang mit Kürzungen der Zuwendungen des Grundsicherungsamtes entstanden. Seitdem befinde man sich im Gespräch, suche gemeinsam nach Lösungen und habe bereits einen Räumungstermin im April 2013 trotz rechtskräftigen Titels ausgesetzt. Das Bündnis gegen Zwangsräumung widersprach diesen Aussagen.

In der Dreizimmerwohnung sollen Herr S. sowie eine Frau mit Kind gelebt haben. Während der Räumung befand sich die Familie nicht mehr in der Wohnung. Das Jugendamt Charlottenburg hatte für Mutter und Kind am Vortag eine Unterkunft in Mitte gefunden.

Bereits um acht Uhr früh hatten Polizisten den Heilmannring, die Habermann- und die Hofackerzeile gesperrt. Auch die Busse der Linie 123 mussten umgeleitet werden. Der Veranstalter der Protestaktion hatte mit bis zu 500 Demonstranten gerechnet. Pünktlich um neun Uhr betrat die Gerichtsvollzieherin das viergeschossige Wohnhaus. Zwei Frauen, vermutlich Gegner der Zwangsräumung, öffneten die Wohnungstür in der dritten Etage und ließen sich laut Polizeiangaben den Räumungsbeschluss vorlegen. Dann verließen sie anstandslos die Wohnung. Der Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes musste nicht tätig werden. Die Möbelpacker eines Umzugsunternehmens räumten die Wohnung schließlich unter lautstarkem, aber friedlichem Protest der Demonstranten aus.

Bereits am Mittwoch hatten Mitglieder der Initiative aus Protest gegen die geplante Zwangsräumung das Vorzimmer von Bausenator Michael Müller (SPD) vorübergehend besetzt.