Ausführungsmangel

Unterricht ausgeschlossen

Nach dem Einsturz einer Decke sind nun umfangreiche Arbeiten an der Schule in Frohnau erforderlich

Aufregung im Bezirksamt Reinickendorf: Das Ausmaß der erforderlichen Bauarbeiten in der Frohnauer Renée-Sintenis-Grundschule ist größer als vermutet. Nachdem am vergangenen Wochenende eine Zwischendecke im Treppenhaus des Altbaus eingestürzt war, ließ die Behörde untersuchen, ob diese Gefahr in weiteren Räumen besteht. Das Ergebnis der Gutachten: Die Decken in zehn Klassenräumen und in zwei langen Fluren müssen demontiert und durch neue ersetzt werden, um die Sicherheit von Schülern und Lehrern zu gewährleisten. Denn dort liegen ähnliche Konstruktionen vor. Es geht um etwa 1000 Quadratmeter Fläche. Ein Gutachten zum Brandschutz wird derzeit noch ausgearbeitet. Im Schulgebäude aus den 50er-Jahren kann vorerst kein Unterricht stattfinden.

Zehn Klassen müssen umziehen

Die Arbeiten werden Monate in Anspruch nehmen. Reinickendorfs Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) rechnet damit, dass die Sanierung des Hauses noch im ersten Schulhalbjahr 2014/2015 im Gange ist. Zehn Klassen der Grundschule sollen deshalb an anderen Orten im Bezirk unterrichtet werden. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, will die Dezernentin zunächst mit der Gesamtelternvertretung besprechen. Dann sind Raum- und Stundenpläne auszuarbeiten. Kinder und Eltern der Renée-Sintenis-Grundschule müssen sich auf andere Schulwege einstellen. Lehrer werden zwischen den neuen Unterrichtsorten pendeln. Und Bürgermeister Frank Balzer (CDU) muss Wege finden, wie die umfangreiche und unvorhergesehene Sanierung bezahlt werden kann.

Wie berichtet, war am vergangenen Wochenende eine Zwischendecke im Treppenhaus der Grundschule am Laurinsteig heruntergestürzt. Weil sich weder Lehrer noch Schüler im Gebäude aufhielten, kam niemand zu Schaden. Das Treppenhaus und angrenzende Räume wurden gesperrt. Die Annahme, dass es sich um verdeckte Baumängel handelt, habe sich bestätigt, sagte Andreas Bansemer, Leiter der Serviceeinheit Facilitymanagement. „Es war ein reiner Ausführungsmangel.“ Nun müssen Bansemer und seine Mitarbeiter die Möbel und Installationen aus den abgesperrten Schulräumen entfernen, um für Baufreiheit zu sorgen. In der kommenden Woche sollen die ersten Sanierungsarbeiten beginnen. Die Zwischendecken sind zu demontieren. Elektroleitungen, die dahinter verborgen waren, müssen ausgebaut werden. Dann sind neue Zwischendecken anzubringen. „Dafür suchen wir leistungsfähige Firmen“, sagte Andreas Bansemer. Außerdem sucht seine Abteilung nach weiteren Schulen in Reinickendorf, die in den 50er-Jahren gebaut wurden und ebenfalls solche fehlerhaften Zwischendecken haben könnten. „Wir sind dabei, diese Gebäude zu identifizieren.“

Von normalem Schulalltag kann in der Renée-Sintenis-Grundschule derzeit keine Rede sein. In den vergangenen Tagen fielen die Stunden weitgehend aus. Nun soll wieder geregelter Unterricht stattfinden – allerdings für zehn Lerngruppen an anderen Schulen. „Wir wollen, dass die drei ersten und zweiten Klassen am Frohnauer Standort bleiben“, sagte Stadträtin Schultze-Berndt. Sie könnten im Anbau der Schule lernen. Ausweichstandorte für die älteren Schüler habe sie bereits sondiert, sagte die Dezernentin. „Im näheren Umfeld gibt es keine Möglichkeit, zehn Lerngruppen zusammen unterzubringen.“

Man müsse weitere Wege in Kauf nehmen, oder die zehn Gruppen auf verschiedene Gebäude verteilen. „Die benachbarten Schulen haben sich sehr aufgeschlossen gezeigt.“ Über die verschiedenen Varianten sprach Stadträtin Schultze-Berndt am Donnerstagabend mit der Gesamtelternvertretung und der Leitung der Schule. „Wir tun alles dafür, dass die Kinder sicher sind“, sagte sie. Im Zusammenhang mit dem Vorfall an der Frohnauer Schule hat der Landeselternausschuss ein Milliardenprogramm für Schulsanierungen vom Senat gefordert.