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Buden gehen in die Verlängerung

Stände an Gedächtniskirche wollen zum DFB-Pokalfinale erneut öffnen. Ärger auch in Mitte

Der Duft von Currywurst, Crêpes und Döner rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist zwar verflogen. Die umstrittenen Marktbuden am Fuß des prominenten Bauwerks stehen allerdings noch immer. Ursprünglich – so lautete der Beschluss des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf – sollten die Stände und Holzhütten bereits am Montag abgebaut werden. Doch auch Tage nach diesem Termin hat sich nicht viel auf dem Breitscheidplatz getan. Die 19 Buden sind zwar geschlossen, doch von Abbauarbeiten ist nichts zu sehen.

Marktleiter Mohamed El Genedy bestätigt der Berliner Morgenpost, dass die Händler ihren Verkauf in der Nacht zu Sonnabend wie vereinbart eingestellt haben. Teilweise sei auch Material aus den Buden geräumt worden. Doch mehr würde zunächst nicht geschehen. Denn El Genedy und die Standbetreiber hoffen, in Kürze noch einmal öffnen zu können. Sie wollen das Geschäft zum Pokalfinale am 17. Mai in Berlin mitnehmen, ihre Waren am Freitag vor und am Tag des Spiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund im Olympiastadion verkaufen. Es wird erwartet, dass sich dann auf dem Breitscheidplatz Hunderte Fußballfans versammeln. Einen entsprechenden Antrag haben die Standbetreiber beim Ordnungsamt eingereicht. „Danach beginnen wir mit dem Abbau der Hütten“, sagt Marktleiter El Genedy.

Bezirksamt prüft Anträge

Auch Gedächtniskirchen-Pfarrer Martin Germer kündigt an: „Bis Ende Mai sind die Hütten dann verschwunden.“ Eigentlich habe es ja mit den Händlern eine Vereinbarung gegeben, dass sie bis zum Ende der Sanierung des Alten Turms bleiben dürften. Das Gerüst soll – nach den jetzigen Plänen – im Sommer endgültig abgebaut werden und das Wahrzeichen dann wieder in Gänze zu sehen sein. Ohne Buden auf dem Kirchenpodest.

Das Bezirksamt ist laut Stadträtin Elfi Jantzen (Grüne) allerdings der Ansicht, dass die Verkaufsstände entsprechend der Anordnung seit vergangenem Montag hätten abgebaut werden müssen. „Wir haben erwartet, dass sich die Kirche und die Händler nach den mehrmaligen geduldeten Verschiebungen an die Absprachen halten“, sagt Jantzen. Wahrscheinlich laufe es auf ein angedrohtes Zwangsgeld hinaus, wenn nicht abgebaut werde, so Jantzen weiter. Aber das Amt prüfe immer noch, welche Maßnahmen ergriffen werden können. Da die Anlieger des Breitscheidplatzes anlässlich des DFB-Pokalfinales ein Fest mit Bierwagen organisieren wollen, hätten die Betreiber der Buden einen Antrag gestellt, nächste Woche noch einmal zu öffnen, bestätigt Jantzen. „Wir sind dabei zu prüfen, ob dieser genehmigt wird.“

Mittlerweile sind auch die Buden auf dem Alexanderplatz ins Visier der Behörden geraten. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat den Bezirk Mitte für eine Rummelplatz-Atmosphäre auf dem Alexanderplatz kritisiert. Neun von zwölf Monaten im Jahr stünden hier Buden, die nur vom Weihnachts- zum Frühlingmarkt und dann zum Herbstmarkt umgestaltet würden. „Das ist eine Schande, wie man mit dem Ort umgeht“, sagte Müller am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Er forderte alle Fraktionen auf, dem Bezirksamt deutlich zu machen, dass es restriktiver mit Genehmigungen umgehen solle. Zuvor hatte die Linke-Abgeordnete Katrin Lompscher eine „Ballermann-Atmosphäre“ auf dem Platz kritisiert und von „Verrummelung und Verramschung“ gesprochen.

Carsten Spallek (CDU), Baustadtrat in Mitte, zeigte sich „überrascht und verwundert“ angesichts der Äußerungen von Stadtentwicklungssenator Michael Müller. „Die Buden sind keine neue Erscheinung“, sagte Spallek. Seit vielen Jahren bestehe schließlich ein Konsens mit den Anliegern, die eine Belebung des Alexanderplatzes gewünscht hätten. Nicht zuletzt sollte damit beispielsweise auch die Trinkerszene vom Alexanderplatz ferngehalten werden.

Veranstaltungen an 120 Tagen

Außerdem habe der Bezirk vor fünf Jahren einen Katalog erstellt, in dem Art und Umfang von Veranstaltungen verschiedener Straßen und Plätze in der Innenstadt vorgeschrieben wird. „Darin ist bereits festgehalten, dass auf dem Alexanderplatz nicht mehr als an 120 Tagen im Jahr Veranstaltungen stattfinden dürfen“, sagte Spallek. Insofern gebe es schon eine Beschränkung. Zur Kritik von Katrin Lompscher hatte der Baustadtrat dann auch nur eine Gegenfrage: „Sind wir schon im Sommerloch?“