Stadtplanung

„Der Alexanderplatz ist kein Ort für Bungalows“

Senat verteidigt umstrittene Hochhauspläne in der City Ost

Der Senat will in diesem Sommer mit der öffentlichen Beteiligung bei der Gestaltung des Rathausforums in Mitte beginnen. Das kündigte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus an. Anfang des kommenden Jahres solle das Verfahren dann abgeschlossen und mit der konkreten Gestaltung begonnen werden. Dabei sollen vor allem die Ansprüche der 3000 Anwohner berücksichtigt werden.

Das Rathausforum vor dem Roten Rathaus gehört zusammen mit Alexanderplatz und Fernsehturm zum zentralen Platz in der City Ost, der neu und umfangreich umgestaltet werden soll – nur wie, darüber sind sich die Fraktionen im Abgeordnetenhaus nicht einig. Während die Koalitionsfraktionen SPD und CDU an den bislang konkret geplanten Hochhausbauten – dem Hines-Tower und einem Hochhaus neben dem Einkaufszentrum Alexa – festhalten wollen, fordert die Opposition ein grundsätzliches Überdenken der 20 Jahre alten Bebauungspläne.

Einig sind sich alle darin, dass der Alexanderplatz eine große Tradition für die Berliner Geschichte hat. „City Ost und City West sind unbestrittene Ankerpunkte in der Stadt“, sagte die Stadtentwicklungsexpertin der Linkspartei, Katrin Lompscher. Umso sorgfältiger müsste mit der Zukunftsplanung umgegangen werden. Lompscher warf dem Senat vor, keine Sensibilität für die historische Bedeutung des Platzes zu haben. Die Linken fordern daher einen neuen Masterplan für den Alexanderplatz. Dabei sollten nach Auffassung der Linken bereits Einschränkungen vorgenommen werden. So sollte die Höhe der geplanten Hochhäuser 125 Meter nicht überschreiten, um die Sichtachsen zum Fernsehturm nicht zu zerstören.

Eine grundsätzliche neue Debatte fordern auch die Grünen. „Der Senat muss die Debatte öffentlich führen“, sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion, Antje Kapek. Vor allem über die geplante Höhe der Hochhäuser und den Anteil an neuen Wohnungen müsste nachgedacht werden. Deswegen sollten nach Ansicht der Grünen auch die Pläne für die beiden Hochhäuser vorerst auf Eis gelegt werden, „um die Stadtsilhouette nicht zu gefährden“, sagte Kapek.

Auch SPD und CDU sehen Bedarf, die Pläne des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 zu erneuern – stellen aber den Neubau von Hochhäusern nicht grundsätzlich in Frage. „Wir finden gut, dass endlich Bewegung hinein kommt“, sagte CDU-Stadtentwicklungsexperte Stefan Evers. Eine Begrenzung der Bauhöhe lehnte er jedoch ab. Bei den Planungen sollte sich Berlin „nicht auf Provinzhöhe reduzieren“. Eine Gefahr für die Bedeutung des Fernsehturms sieht Evers nicht. Sein Vergleich: „Die Gedächtniskirche bildet trotz der neuen Hochhäuser in der City West das Zentrum des Breitscheidplatzes.“

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) räumte ein, dass der Alexanderplatz „kein einfacher Ort“ sei. Mit seiner Unterstützung der beiden aktuell geplanten Hochhausbauten wende sich der Senat einer „angemessenen Gestaltung zu, um die unbefriedigende Situation am Alexanderplatz zu überwinden“. Mit dem Bau der U-Bahn-Linie 5, dem Wiederaufbau des Schlosses und der Neugestaltung der Marienkirche seien bereits Schritte zur Aufwertung des Alexanderplatzes unternommen worden. Auch Müller verteidigte die Hochhauspläne. „Der Alexanderplatz ist kein Ort für Bungalows“, sagte Müller. Nachdem in den vergangenen Jahren keine Investoren für die Hochhauspläne zu gewinnen waren, sei es ein erfreuliches Zeichen, dass jetzt konkrete Vorhaben realisiert würden.