Urteil

Missbrauch: Berliner Lehrer muss ins Gefängnis

Pädagoge zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt

Der Mann war ein beliebter Lehrer und sah sich zudem als Missionar. Doch privat verging er sich fast zwei Jahre lang an einem Schüler. Er wurde mit vier Jahren und acht Monaten Haft bestraft. Das Berliner Landgericht sprach den 53-jährigen Pädagogen am Donnerstag des sexuellen Missbrauchs in 45 Fällen schuldig. Zu den Übergriffen auf den anfangs elf Jahre alten Jungen war es in der Wohnung des Lehrers und vierfachen Vaters gekommen. Das Opfer war ein Freund eines Sohnes des Pädagogen. „Es war auch ein unheimlicher Vertrauensmissbrauch gegenüber dem Kind“, sagte die Vorsitzende Richterin. Das Urteil entsprach dem Antrag der Anklage. Die Verteidigung hatte auf viereinhalb Jahre Haft plädiert.

Der Lehrer hatte in dem zweitägigen Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Junge, der teilweise Schüler seiner Klasse an einer staatlichen Schule in Berlin-Wilmersdorf war, habe oft bei ihnen übernachtet. Er habe sich zu ihm sexuell hingezogen gefühlt und sich eingeredet, er sei ein junger Mann. „Ich habe leider die Konsequenzen ausblenden und die Grenzen nicht ziehen können“, gab der Pädagoge vor Gericht zu.

Übergriffe im Freundeskreis

Die Familien des Lehrers und seines Opfers kannten sich auch über eine freikirchliche Gemeinschaft, die der 53-Jährige leitete. Diese Gemeinde hatte der aus Großbritannien stammende Mann seit 2009 aufgebaut. Er habe sich als eine Art christlicher Missionar gesehen, sagte er im Prozess. Zu den Übergriffen sei es in seiner Wohnung in Charlottenburg und nach einem Umzug in Friedenau gekommen. Er habe sich dann oft gemeinsam mit den beiden Jungen auf eine Schlafcouch gelegt.

Das Opfer war 13 Jahre alt, als sein Vater im vergangenen Sommer durch verdächtige Nachrichten auf dem Computer des Sohnes auf den Missbrauch stieß. „Du hast etwas Schlimmes getan, ich werde dir nie vergeben“, hatte der Junge an seinen Peiniger geschrieben. Der Lehrer ging kurz darauf selbst zur Polizei. In den Schuldienst durfte er nicht mehr zurückkehren.

Strafmildernd werteten die Richter vor allem, dass er mit seinem Geständnis dem missbrauchten Jungen eine Aussage vor Gericht ersparte und dass das gesamte Sozialleben des Lehrers zerbrochen ist.