Kinderschutz

Erste Babyklappe im Osten der Stadt eröffnet

Seit 2001 wurden in Berlin 47 Kinder anonym abgegeben

Die Straße, die zu der metallenen Klappe führt, ist schmal. Kopfsteinpflaster, hohe Bäume, kaum Verkehr. Nur ein kleines silbernes Schild würde der Mutter den Weg weisen. Unbeobachtet soll sie sich fühlen können, auch das gehört zur logistischen Planung einer Babyklappe. Nur an das kleine Schild an der gelben Hauswand des Klinikgebäudes hat niemand gedacht. „Dieser Bereich ist videoüberwacht“ steht darauf geschrieben. Nicht der Bereich der Babyklappe ist gemeint, trotzdem ist dieser Punkt den Planern durchgegangen.

Seit elf Monaten hat ein Team des Vivantes Klinikums Hellersdorf die Einrichtung einer neuen und damit Berlins fünfter Babyklappe mit all seinen logistischen Herausforderungen geplant. Seit April ist sie geöffnet, am Montag stellte sie Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) der Öffentlichkeit vor. „Zunächst steht im Mittelpunkt, dass man Leben retten kann“, sagte der Senator als Antwort an alle Kritiker, die unter anderem mit dem Persönlichkeitsrecht der Kinder argumentieren. In Berlin werden jährlich vier bis fünf Kinder in einer Babyklappe abgelegt. Von 2001 an, als die erste Klappe im Klinikum Waldfriede in Steglitz-Zehlendorf eröffnete, bis 2012 waren es 47 Kinder. Den Anstoß zu der ersten Babyklappe im Ostteil der Stadt gab Pfarrer Bernd Siggelkow, Vorstand des Kinder- und Jugendwerks „Arche“. Lange Zeit hatte er im Haus der Arche gelebt und immer wieder nachts Kinder bei sich aufgenommen, die in ihren Familien Gewalt erfahren haben. „Ich dachte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis bei uns ein Baby abgegeben wird“, sagte Siggelkow. Dann wurde im Mai des vergangenen Jahres ein totes Baby in Hellersdorf, ganz in der Nähe der Arche, gefunden. Es war nach der Geburt verhungert. Für den Pfarrer war klar, es musste eine Babyklappe her, am liebsten im Haus der Arche. Doch nach einem Telefonat mit Czaja stand fest: Das geht nur in einem Krankenhaus, in dem eine medizinische Versorgung gewährleistet ist. So wie im Vivantes Klinikum Hellersdorf. Wird ein Kind in der Klappe abgelegt, ertönt zwei Minuten später einige hundert Meter entfernt auf der Wochenstation ein Alarm. Dann wird das Baby medizinisch untersucht und das Jugendamt informiert. Und vielleicht hat die Mutter auf den Zettel, der in der Klappe bereitliegt, einen Vornamen geschrieben.