Kneipen

Ein Chemiker als Barmann

Tom Korn ist sicher nicht der einzige Wissenschaftler, der zum Barmann wurde. Aber er ist einer der wenigen, die dennoch Wissenschaftler blieben.

Anders kann man es nicht beschreiben, was der Chemiker hinter dem Tresen des Zyankali treibt. In Fässern lagert er fertig gemischte Drinks. Einen Negroni zum Beispiel, der monatelang in einem hölzernen Sherryfass reift. Er entwickelt Konservierungstechniken, die es ihm erlauben, fruchtige Drinks in Flaschen zu lagern, und macht aus fest flüssig, aus warm kalt und aus blau rot. „Molekulardrinks“ nennt er seine Produkte. Korn mischt Gin mit eiskaltem Darjeeling, injiziert dickflüssiges Konzentrat aus Limonen und fährt mit einem Zitronengras-Spray über den Glasrand. Wo andere mit Barlöffel und Shaker arbeiten, benutzt er Pipetten und elektrische Rührmaschinen. Der Chemiker gibt Kurse, nimmt an Wettbewerben teil und veröffentlicht fast täglich neue Rezepte. Wer am Wochenende kommen will, sollte sich anmelden. Das hat noch einen Vorteil. „Wer mir im Voraus Bescheid gibt“, verspricht Korn, „bekommt sein Lieblingsessen als Drink serviert.“

Gneisenaustraße 17 in Kreuzberg, Tel. 68 83 01 70, täglich ab 19 Uhr, www.zyankali.de