Nahverkehr

Warum die S-Bahn zu spät kommt

Rund 800-mal pro Jahr gibt es Rettungseinsätze. Einige dauern Stunden. Protokoll eines Notfalls

Die Zahlen sind wieder schlechter geworden. Im März sank der Pünktlichkeitswert der Berliner S-Bahn von 97,1 auf 96,3 Prozent. Ein Grund: Im Frühjahr werden wieder vermehrt Bauarbeiten aufgenommen. Insgesamt aber steht das Unternehmen besser da als im Vorjahr: Im ersten Quartal 2014 betrug der Pünktlichkeitswert durchschnittlich 96 Prozent – im gesamten vergangenen Jahr waren es 94,7 Prozent. Auch bei der Zuverlässigkeit, sprich der Quote ausgefallener Fahrten oder Verspätungen über der Taktzeit, liegt die S-Bahn in den ersten drei Monaten mit einem Zuverlässigkeitswert von durchschnittlich 97 Prozent (2013: 96,3 Prozent) im Soll.

Zwar gibt es nach wie vor zahlreiche technische Störungen an den Fahrzeugen; zudem ist die Zahl der eingesetzten Züge immer noch nicht auf dem Niveau von vor der Krise 2009. Aber da sind auch die jährlich rund 800 Fälle, in denen Polizei oder Notarzt zu einem Einsatz gerufen werden. Je nach Art des Vorfalls kommt es oft zu Verspätungen im gesamten Verkehr, die über mehrere Stunden andauern können. Grund ist das Verzweigungsnetz der S-Bahn: Mehrere Linien nutzen dieselben Gleise. Der Ausfall einer Linie wirkt sich auch auf andere aus. Das gilt beispielsweise auf der Ringbahn für die Bahnhöfe Neukölln und Schönhauser Allee, die von vielen Linien frequentiert werden.

Oft lässt sich die Dauer der Störung auf den ersten Blick nicht vorhersagen. Sind alle Einsatzkräfte vor Ort, werden Zeitprognosen abgegeben. Doch werden diese überschritten, verärgert das die Fahrgäste.

Rettungseinsatz im Detail

Um das Ausmaß mancher Einsätze nachvollziehbarer zu machen, hat die S-Bahn in ihrem Kundenmagazin „punkt 3“ das Protokoll eines Rettungseinsatzes veröffentlicht. Wir dokumentieren es hier.

Am 14. Januar 2014 stürzt am Biesdorfer Kreuz in Marzahn-Hellersdorf ein brennendes Auto auf die Gleise. Auf dieser Strecke verkehrt die Linie S5. Um 17.40 Uhr wird der Vorfall in der Notfallleitstelle (NFLS) in Halensee gemeldet. Der S-Bahn-Betrieb wird gestoppt. Um 17.45 Uhr werden die Gleise zwischen Wuhletal und Biesdorfer Kreuz in beiden Richtungen gesperrt. Die NFLS verständigt die Rettungsleitstelle der Feuerwehr, Landesund Bundespolizei sowie den zuständigen Notfallmanager. Auf der gesperrten Strecke wird der Strom abgeschaltet, die schriftliche Bestätigung dafür wird der Feuerwehr übermittelt. Die Fahrgäste werden über die Störung und Umfahrungsmöglichkeiten informiert.

Um 17.53 Uhr treffen die Einsatzkräfte am Unfallort ein.

Um 17.55 Uhr setzt der Notfallmanager tragbare Kurzschließer an beide Gleise. Feuerwehr und Rettungskräfte können nun ungehindert ihrer Arbeit nachgehen. Fahrgäste am Alexanderplatz und in Lichtenberg werden auf die Umfahrungsalternative mit der U-Bahn-Linie 5 hingewiesen.

Um 18.23 Uhr ist der Brand gelöscht und der schwer verletzte Fahrer – ein 50-jähriger Mann – geborgen. Die Polizei beginnt mit den Ermittlungs arbeiten am Unfallort.

Um 18.30 Uhr treffen Experten der DB Netz AG ein und prüfen, ob Gleisanlage, Stromschiene oder Kabel der Sicherungstechnik Schaden genommen haben.

Ausgebrannter Pkw bleibt liegen

Um 21.20 Uhr sind die polizeilichen Ermittlungsarbeiten und Prüfmaßnahmen der Gleisanlagen, Sicherungstechnik und Stromschiene abgeschlossen. Reparaturen sind nicht erforderlich. Der ausgebrannte Pkw soll am nächsten Tag geborgen werden.

Um 21.25 Uhr informiert der Einsatzleiter der Feuerwehr den Notfallmanager, dass die Bergungs- und Ermittlungsarbeiten abgeschlossen sind und alle Beteiligten die Gleisanlagen verlassen haben. Der Notfallmanager entfernt die Kurzschließer von der Stromschienenanlage und lässt diese über die Netzleitstelle Markgrafendamm wieder einschalten. Nach abschließender Überprüfung, ob wirklich alle Personen die Gleisanlage verlassen haben, gibt er durch, dass die Gleise wieder befahrbar sind. Um 21.31 Uhr wird die Streckensperrung aufgehoben. Es wird abgestimmt, welche Züge zuerst durchfahren können.

Um 21.35 Uhr fahren die Züge der S5 wieder. Insgesamt dauerte es drei Stunden und 45 Minuten, bis die Züge der S5 wieder planmäßig unterwegs waren. Fast vier Stunden war die Strecke gesperrt.