Justiz

Lehrer gesteht vor Gericht Missbrauch eines Schülers

Ein ehemaliger Lehrer der Nelson-Mandela-Schule in Wilmersdorf hat am Dienstag vor einer Moabiter Jugendkammer zugegeben, zwischen Herbst 2011 und Juli 2013 einen Schüler mehrfach sexuell missbraucht zu haben.

Herausgekommen war die Tat durch eine SMS, die der Vater des Kindes zufällig entdeckte: „Du hast etwas Schlimmes getan, ich werde dir nie vergeben“, hatte der Junge an seinen Peiniger geschrieben.

Das Opfer, das zu Beginn der Missbrauchshandlungen elf Jahre alt war, lebt jetzt mit seiner Familie in den USA. Der Vater hatte die Richterin schriftlich informiert, dass der Junge wegen des Missbrauchs psychisch erkrankt sei und auf Anraten der Ärzte als Zeuge nicht erscheinen könne.

Der 53-jährige Nigel R. erklärte vor Gericht, dass er sich zur Tatzeit in einer permanenten Überlastungssituation befunden habe. Er sei selber im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren von älteren Jungen mehrfach sexuell missbraucht worden. Hinzugekommen sei eine quasi permanente Überlastungssituation, nachdem er im Dezember 2009 mit seiner Ehefrau und seinen vier Kindern im Auftrag einer Freikirche von England nach Berlin gezogen sei. In Berlin habe er als Lehrer und gleichzeitig als Vorsteher einer neu gegründeten Gemeinde der Freikirche gearbeitet.

Das missbrauchte Kind war einer seiner Schüler in der Nelson-Mandela-Schule und ein guter Freund seines Sohnes. Deswegen habe der Junge auch regelmäßig bei der Familie R. übernachtet. Dabei habe sich, so der Angeklagte, zwischen ihm und dem Jungen „eine große Affinität“ entwickelt. Bei den Aufenthalten in der Wohnung der Familie R. und bei zwei Ferienaufenthalten kam es dann auch zu den Taten.

„Mir war nach jeder Missbrauchstat klar, wie unverantwortlich ich gehandelt habe“, sagte der Angeklagte. „Ich habe nicht nur seinen Körper missbraucht, sondern auch sein Vertrauen.“ Ihm sei klar, „dass der Junge gar nicht in der Lage war, eigene Entscheidungen zu treffen“. Das Urteil wird kommende Woche erwartet. Die Kammer hat angekündigt, dass mit einer Strafe von mindestens viereinhalb Jahren zu rechen sei.