Symposium

Berlin im Luxus-Check

Erstmals treffen sich Anbieter für Reisen im gehobenen Segment in der Hauptstadt – und geraten ins Schwärmen

Berlin ist cool, Berlin ist hip – so jedenfalls steht es in den Reiseführern, die weltweit Reisewilligen das Image der deutschen Hauptstadt nahebringen. Doch ist Berlin auch „luxury“ und damit ein lohnendes Ziel für Luxusreisende? Diese Frage stellte sich unter anderem den rund 500 Teilnehmern des internationalen Virtuoso-Symposiums, die vier Tage lang die edlen Seiten der Stadt erforschten. Der weltweit führende Verband internationaler Veranstalter von Luxusreisen hatte sich erstmals in seiner rund 50-jährigen Geschichte zur jährlichen Tagung in der deutschen Hauptstadt getroffen – und residierte dabei im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz.

Auf dem Stadtprogramm der internationalen Vertreter der Luxusreiseindustrie aus 38 Ländern – angereist etwa aus den USA, Kanada und Brasilien – standen dabei vor allem Glamour-Klassiker wie der Besuch des KaDeWe, des größten Kaufhauses in Europa, Dampferfahrten auf der Spree, der Besuch diverser Luxushotels – darunter das Rocco Forte und das Adlon –, der Besuch der Königlichen Porzellan-Manufaktur KPM und des ehemaligen Flughafens Tempelhof. „Was uns an Berlin aber am meisten beeindruckt hat, ist das viele Grün“, schwärmte Matthew D. Upchurch am Dienstag. Der wahre Luxus für Reisende sei ohnehin, „am Leben der Berliner teilnehmen zu dürfen“, fügte Upchurch hinzu. Und da seien die Berliner bemerkenswert offen: „Man hat hier nicht das Gefühl, nur Beobachter zu sein, sondern man hat das angenehme Gefühl, Teilnehmer zu sein“, so der Amerikaner. Er muss es wissen: Upchurch ist Geschäftsführer des Virtuoso-Netzwerks.

Berlin, davon ist auch Burkhard Kieker, Geschäftsführer des Berliner Tourismusverbandes Visit Berlin, überzeugt, sei längst „eine Luxusdestination für Reisende aus aller Welt“. Kieker kann seine Behauptung auf eindrucksvolle Zahlen stützen. Die belegen, dass Berlin immer mehr kaufkräftige Touristen anzieht. Besonders konsumfreudig sind nach Zahlen der Tourismusexperten die Chinesen, die pro steuerfreiem Einkauf 2013 durchschnittlich 594 Euro ausgaben. Ukrainer kauften für 430 Euro ein, es folgen Russen (366 Euro), Araber (331 Euro) und US-Amerikaner (338 Euro). Besonders beliebt seien Mode, Schmuck, Lederwaren und Elektronik, teilte Kieker mit. Mit durchschnittlich 327 Euro pro Einkauf erreichten die Ausgaben internationaler Berlin-Touristen 2013 ein neues Rekordniveau (2012: 317 Euro). Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Ausgaben aller Hotelgäste liegen bei 204,70 Euro pro Tag für Übernachtung, Gastronomie, Shopping und Events.

„Ideal für unsere Kunden“

Bei Touristen aus den arabischen Ländern war Berlin im vergangenen Jahr besonders beliebt. Ihre Übernachtungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel, die aus der Ukraine um fast ein Viertel und die der Chinesen um mehr als ein Fünftel. Die meisten Berlin-Besucher kommen aber nach wie vor aus Europa – vor allem aus Deutschland, England und Italien.

„Wir freuen uns, das Virtuoso-Symposium für Berlin gewonnen zu haben“, begrüßte Burkhard Kieker die Luxusexperten. Kaufkräftige Gäste seien eine stark wachsende Touristengruppe in der Stadt, die man mit Hilfe des Virtuoso-Netzwerks gezielt erreichen könne. „Virtuoso wird viele weitere internationale Besucher bringen, denen wir zeigen können: Berlin hat alles, was anspruchsvolle Gäste im Luxussegment suchen.“

Ob die luxuriösen Seiten Berlins tatsächlich alle Teilnehmer des Symposiums überzeugt haben, werden die Berlin-Vermarkter um Burkhard Kieker jedoch erst später erfahren. Der Fragebogen, den die Veranstalter ausgeteilt hatten, wird zuerst von Virtuoso ausgewertet. Doch Upchurch sprach Kieker schon mal Mut zu: „Mit seiner reichem Kunst- und Kulturlandschaft, den vielen faszinierenden Orten und der Weltklasseküche ist die Stadt ideal für unsere Kunden“, lobte der Luxusexperte. Zurzeit entfielen 46 Prozent der deutschen Virtuoso-Hotelbuchungen auf Berlin, so Upchurch weiter. „Ich bin überzeugt, dass sie sich noch erhöhen werden, wenn wir unsere positiven Berlin-Erfahrungen mit unseren Kunden teilen.“

27 mal fünf Sterne

Aktuell zählen 27 der insgesamt 532 Hotels der Stadt mit fünf Sternen zum Luxussegment. Ab dem 1. Mai werden Berlin-Besucher eine weitere Unterkunft vorfinden: Mit der Kategorie Vier-Sterne-Superior eröffnet das Hotel am Kanzleramt. Das jüngste Haus der Steigenberger-Gruppe neben dem Hauptbahnhof bietet 339 Zimmer, davon 23 Suiten. „International bezeichnet man das als Upscale, nicht als Luxus“, so Steigenberger-Vorstand Puneet Chhatwal. Nach Dehoga-Standard entspräche dies fünf Sternen. Die Zimmerrate im Steigenberger variiere je nach Wochentag. Durchschnittlich würden rund 150 Euro verlangt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Zimmerpreis in Berlin betrug im vergangenen Jahr 83 Euro.