Justiz

Prozess in Moabit: Freundin beim Sex erdrosselt

Vor einer Moabiter Strafkammer muss sich seit Mittwoch ein 30-jähriger Mann verantworten, der seine Freundin vermutlich versehentlich beim Sex erdrosselte.

Dem gebürtigen Marokkaner Yassine B. wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Den Ermittlungen zufolge kannten sich Yassine B. und die vier Jahre ältere Frau schon seit einigen Jahren. Es sei aber nur zu gelegentlichen Treffen gekommen, bei denen der gemeinsame Sex im Mittelpunkt gestanden habe. Am 30. September hatte Yassine B. seine Freundin Sandra R. mal wieder in deren Wohnung in der Jägerstraße in Spandau besucht. Yassine B. gab später bei der Polizei an, dass beide unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden hätten. Er selbst habe die hochgefährliche Droge Crystal eingenommen. Im Schlafzimmer von Sandra R. sei es dann zum einvernehmlichen Sex gekommen. Dabei habe er der Frau eine Kordel um den Hals gelegt und sie verabredungsgemäß gewürgt. Später wurde durch Gerichtsmediziner festgestellt, dass die Frau durch den Druck mit der Kordel eine Verletzung am Kehlkopf erlitt und daran auch verstarb.

Laptop entwendet

Als Yassine B. merkte, dass Sandra R. plötzlich leblos war, bedeckte er den Leichnam nach eigenen Angaben mit zwei Bettdecken und einem Kissen. Anschließend habe er die Wohnung eilig verlassen. Dabei soll er noch – so die Anklage – Laptop und Smartphone mitgenommen haben. Nach der Tat fuhr Yassine B. mit einem Zug nach Paris. Dort stellte er sich einen Tag später der französischen Polizei. Er wurde in Saarbrücken den deutschen Behörden übergeben, nach Berlin überführt und sitzt seitdem im Moabiter Gefängnis in Untersuchungshaft. Sandra R. war geistig und körperlich leicht behindert, arbeitete in einer geschützten Werkstatt und stand unter Betreuung. Sie soll sich nach Angaben des Verteidigers von Yassine B. in ihrer Wohnung oft mit marokkanischen Männern getroffen haben. Die Staatsanwaltschaft hatte anfangs wegen Mordes ermittelt. Ihre Anklage beruht angesichts der Beweislage jedoch vor allem auf den Aussagen des Beteiligten Yassine B. Deswegen wurde die Anklage auf Körperverletzung mit Todesfolge gemindert. Dafür drohen Strafen von mindestens drei Jahren. Im Falle von Yassine B. ist allerdings davon auszugehen, dass ihm der Drogen- und Alkoholkonsum vor der Tat nicht zu widerlegen sein wird. In der Konsequenz wird die Kammer nicht ausschließen können, dass er in seiner Handlungsweise beeinträchtigt war und die Gefährlichkeit der Sexualpraktik zur Tatzeit nicht voll einschätzen konnte. Der Prozess wird fortgesetzt.