Unternehmen

Nummer eins der Technologieparks

1000 Firmen und Institute: Der Hightechstandort Adlershof im Berliner Südosten meldet die größte Einzelansiedlung seiner Geschichte

Berlins wichtigster Hightechstandort ist weiter auf Expansionskurs. Im Technologiepark Adlershof und der Umgebung versammeln inzwischen mehr als 1000 Unternehmen und Forschungsinstitute. Der Umsatz stieg im Jahr 2013 um 5,8 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro. Das gab Hardy Schmitz, Chef der landeseigenen Managementgesellschaft Wista, am Mittwoch bekannt.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 3,4 Prozent auf 15.450. Damit sei Adlershof unter den Technologieparks in Deutschland die Nummer eins und hinter Stockholm, Nizza und Helsinki in Europa vierter. Hinzu kommen 9400 Studenten, die an den sechs naturwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität eingeschrieben sind.

Die positive Entwicklung werde sich auch im laufenden Jahr fortsetzen. Umfragen unter den Firmen im Technologiepark haben laut Wista ergeben, dass die Hälfte der Firmen für 2014 steigende Umsätze erwartet, nur fünf Prozent gingen von schlechteren Geschäften aus.

Die Delle aus der Krise der in Adlershof lange sehr starken Solarbranche ist ausgebügelt. Symbolhaft dafür steht der neue Mieter, der das Gebäude des nach der Pleite nach Arabien verlagerten Fotovoltaikkonzerns Solon bezieht. Atos IT Solutions, der deutsche Ableger eines international operierenden Computerkonzerns, hat 10.000 Quadratmeter im Solon-Haus angemietet und werde dort bis zu 600 Mitarbeiter zusammenziehen, sagte Schmitz. Das sei die größte Einzelansiedlung in der Geschichte des Standortes. Und auch das gerade mit Fördergeld des Landes erbaute Technikzentrum für Photovoltaik und Energietechnik sei auch schon zu 30 Prozent gefüllt, trotz der Solarkrise.

Wegziehen ist keine Option

Die Entscheidung von Atos liegt im Trend. War Adlershof jahrelang vor allem durch Gründungen und die allmähliche Entwicklung kleiner Techniktüftler gewachsen, nehmen zunehmend etablierte Unternehmen aus aller Welt das Wissenschafts- und Wirtschaftsnetzwerk im Berliner Südosten in den Blick. Dass sich der Start des nahegelegenen Hauptstadtflughafens BER verzögert, ändert nach den Worten des Wista-Chefs nichts an der Güte des Standortes: „Die Perspektive des Flughafens ist für internationale Unternehmen nicht mehr wegzubringen“, sagte Schmitz. Gleichzeitig expandieren aber auch die Adlershofer Eigengewächse. Die Kette, auf die Wista-Chef Schmitz so stolz ist, funktioniert. Gründer aus der naturwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität oder einem der großen Forschungsinstitute starten im Inkubator der Uni, wechseln dann in ein Gründerzentrum, stehen dann im Technologiezentrum mit wenig Büro- und viel Laborfläche auf eigenen Beinen und beziehen schließlich ihr eigenes Gebäude. Allein 14 Unternehmen seien dabei, eigene Firmensitze mit Produktionsanlagen zu errichten. Darunter sind mit der LTB Lasertechnik und der Bestec GmbH auch zwei Pioniere, die Anfang der 90er-Jahre aus der in Adlershof angesiedelten Akademie der Wissenschaften der DDR hervorgegangen waren.

Wegziehen ist für solche Unternehmen keine Option, denn sie sind auf die Verbindungen am Standort angewiesen. Gerade die alteingesessenen Hochtechnologiefirmen melden eine dynamische Entwicklung. Christine Wedler, Chefin der Firma Asca Angewandte Synthese Chemie Adlershof und Vorstandsvorsitzende des Technologiekreises, berichtete von guten Geschäften. Der Export der Mitgliedsunternehmen sei um 20 Prozent gestiegen.

Um den Bedarf der Unternehmen nach Platz zu decken, entwickelt die zuständige Wista-Tochter weitere Gewerbeflächen. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) kündigte an, es würden längs der Bahnlinie am Betriebsbahnhof Schöneweide weitere 30 Hektar Grundstücke für Betriebe erschlossen. Ihr Haus fördert die Investition mit 8,2 Millionen Euro aus Wirtschaftsfördermitteln des Bundes und des Landes: „Die Förderbescheide sind raus“, sagte Yzer.

„Keine Vermietung um jeden Preis“

Die letzte neu erschlossene Fläche ist schon bald belegt. Entlang des Großberliner Damms im Norden des Technologieparks hatte die Wista 120.000 Quadratmeter hergerichtet. Davon seien mehr als 80.000 vergeben. Dabei strebe man in Adlershof nicht „Vermietung um jeden Preis“ an, sagte Schmitz. Das Profil müsse passen und das Netzwerk von Forschern und Unternehmern stärken.

Neben dem eigentlichen Technologiepark, zu dem knapp die Hälfte der 1000 Adlershofer Unternehmen gehören, feiert die Medienwirtschaft rund um das Studio Berlin im vergangenen Jahr ein Comeback. Die 140 Medienunternehmen legten um 15 Prozent beim Umsatz zu, die Zahl der festen Beschäftigten wuchs um sieben Prozent, die der freien Mitarbeiter sogar um 30 Prozent.