Kriminalität

Fahrraddiebe tarnen sich als Verein

36-Jähriger entdeckt sein gestohlenes Rad in einer Hehlerwerkstatt

Ein Mann hat am Dienstag in Charlottenburg sein gestohlenes Fahrrad wiedergefunden und dabei womöglich eine Hehlerwerkstatt aufgespürt. Beim Gang durch eine Tiefgarage gegen 16 Uhr an der Bismarckstraße sah der 36-Jährige nach Angaben der Polizei, wie ein Mann mit einem Winkelschleifer sich an einem Fahrrad zu schaffen machte – offenkundig, um die Rahmennummer des Fahrrades zu entfernen.

Er erkannte sein eigenes Fahrrad, das ihm am Tag zuvor gestohlen worden war, und sprach den Mann mit dem Schleifgerät an. Der gab laut Polizei an, von nichts zu wissen, bot dem 36-Jährigen aber auch an, er könne sein Rad zurückbekommen. Doch der 36-Jährige alarmierte die Polizei. Die stellte nach eigenen Angaben kurze Zeit später in der Werkstatt rund 50 Fahrräder und diverse Fahrradteile sicher. Der 63 Jahre alte Mann mit der Schleifmaschine sowie ein 52-Jähriger wurden vorläufig festgenommen. Sie stehen im Verdacht, unter dem Deckmantel eines „Fahrradvereins“ mit gestohlenen Rädern gehandelt zu haben. Als der 52-Jährige, der Vorsitzende des Vereins, in die Gefangenensammelstelle gebracht wurde, klagte er nach Angaben der Polizei über plötzliches Unwohlsein und musste in ein Krankenhaus gebracht werden, bevor er vernommen werden konnte. Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf gewerbsmäßige Hehlerei dauern an. Die Polizei will nun prüfen, ob auch die anderen Räder als gestohlen gemeldet sind.

26.513 gestohlene Räder

In Berlin sind im vergangenen Jahr 26.513 Fahrräder als gestohlen gemeldet worden – die meisten davon in Prenzlauer Berg (2122), Kreuzberg (1953), Mitte (1478) und Friedrichshain (1428), wie Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus antwortete. Damit stieg die Zahl der registrierten Fahrraddiebstähle seit 2010 in Berlin um mehr als 30 Prozent. Die Aufklärungsquoten bei dieser Straftat sind dagegen gering, sie lagen in den vergangenen Jahren zwischen vier und fünf Prozent.

Besonders häufig schlugen Diebe in der Nähe von U- und S-Bahnhöfen sowie von größeren Einkaufszentren zu, wie der Innensenator weiter mitteilte. Sogenannte „Hotspots“ sind der U-Bahnhof Pankow sowie die S-Bahnhöfe Adlershof und Treptower Park. Hier sei die Gelegenheit für die Diebe besonders günstig – einfach deshalb, weil hier am Tag und auch in der Nacht viele Räder stehen.

Ein sicheres Schloss sei nach wie vor die beste Möglichkeit, um Diebstählen vorzubeugen, hieß es weiter. Wer sein Rad codieren lässt, kann es damit zusätzlich schützen. Die Codierung zeigt zusätzlich zur vorhandenen Rahmennummer sofort, wer der Eigentümer ist. Das soll den Verkauf von gestohlenen Rädern erschweren und die Aufklärungsquote erhöhen. Die Berliner Polizei hat im Jahr 2009 sechs Codierungsgeräte für rund 9000 Euro gekauft. Die Polizeiabschnitte bieten fortlaufend Aktionstage an, an denen Fahrradbesitzer ihr Rad nach Vorlage eines entsprechenden Eigentumsnachweises codieren lassen können. Die Termine sind im Internet bei der Polizei abrufbar unter www.berlin.de/polizei/service/fahrradcodierungen.html.