Musik

Das Ende des „Jazz in Town“

Veranstalter gibt Köpenicker Festival auf. Eine Fortsetzung könnte es in der Kulturbrauerei geben

„Jazz in Town“ auf dem Köpenicker Rathaushof ist Vergangenheit. „Ich werde nicht mehr als Veranstalter auftreten“, sagt Wolfgang Pinzl, der das bekannte Musikfestival 18 Jahre lang organisierte. Zum letzten Event im Sommer 2013 kamen etwa 18.000 Besucher. „Ich hätte erst beim 20. oder 25. Festival aufgehört“, so der 55-Jährige. „Aber nun kommt die Sanierung des Hofes dazwischen.“ Sie soll in den nächsten Wochen beginnen. Undichte Gewölbe werden saniert, der Boden repariert. Etwa 600.000 Euro werde das Vorhaben kosten, so Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD). Das Angebot, nach den Arbeiten mit „Jazz in Town“ weiterzumachen, hat Pinzl abgelehnt. „Das Eis ist mir zu dünn“, lautet seine Begründung. „Wer weiß, ob die Arbeiten wirklich, wie versprochen, 2015 abgeschlossen sind?“ Der Hof werde bis zu acht Meter tief ausgeschachtet. „Wenn die Archäologen dort etwas finden, dauert es sowieso länger.“ Die Sanierung sei seit zehn Jahren geplant gewesen. „Ich freue mich darüber“, so Pinzl. „Wenn es geregnet hatte, dann liefen die Keller voll.“

Das Geschäft mit „Jazz in Town“ sei hochriskant gewesen. Er habe etwa eine halbe Million Euro pro Jahr investiert und Einnahmen hauptsächlich über den Verkauf von Tickets erzielt, erzählt Pinzl. „Ich habe das Festival 18 Jahre lang sauber finanziert. Aber lebenslänglich wollte ich das nicht machen.“ Was ihm bleibt, sind die Bühne und technische Ausstattung für die Hofkonzerte, die er nun nicht mehr braucht.

Eine Fortsetzung von „Jazz in Town“, an anderem Ort, mit anderen Machern, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Es werde Ende Juli ein Pilotprojekt in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg geben, so Pinzl. „Mississippi Blues & Barbecue“, heißt es. Er sei als Schirmherr eingeladen, sagt Pinzl. „Vielleicht wird im nächsten Jahr etwas Größeres daraus.“ Er werde beraten, so Pinzl, jedoch kein Risiko und keine organisatorischen Pflichten eingehen. „Es macht mir Spaß, wenn die Idee nicht für immer untergeht.“ Seine Zeit nutze er jetzt für andere Vorhaben. Der alte Mietvertrag für den Köpenicker Ratskeller, den Pinzl bereits seit Jahren betreibt, laufe aus. Ein neuer Vertrag soll abgeschlossen werden, über zehn Jahre mit Option auf Verlängerung. „Sobald er unterschrieben ist, kriegt der Ratskeller eine neue Soundanlage und neue Projektionstechnik.“ Köpenick solle weiter eine Adresse für Jazzfans sein. Die kleine Bühne im Keller für die regionale und überregionale Jazzszene soll künftig auch im Sommer bespielt werden. „Die Kapazität ist beschränkt, es gibt nur 130 Plätze. Trotzdem probiere ich, angesagte Künstler anzulocken.“ Im August, zum Jubiläum von 20 Jahren Ratskeller, werde Andrej Hermlin mit dem Swing Dance Orchestra spielen, Jessy Martens sei eingeladen, der Pianist Gottfried Böttger angefragt.

Pinzl will außerdem dem Ratskeller „einen modernen Touch“ geben. Ein neuer Küchenchef sei engagiert, die Räume im Inneren seien umgestaltet. „Die Leute mögen das. Dennoch ist es ein gemütlicher Keller geblieben.“