Versorgung

Karl-Marx-Allee: Kleine Lösung für Gesundheitshaus

Vier Ärzte praktizieren dort weiter, neue werden gesucht

Das Haus der Gesundheit an der Karl-Marx-Allee in Mitte wird nicht geschlossen, sondern zum 1. Juli dieses Jahres von einem anderen Träger übernommen. Drei Ärzte für Allgemeinmedizin und ein Urologe werden an dem Standort bleiben und eine medizinische Grundversorgung bieten. Vorgesehen ist zudem der Erhalt einer gynäkologischen Praxis. Das haben Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KVB), Uwe Kraffel, am Mittwoch mitgeteilt. Eine Entscheidung des Zulassungsausschusses, einem Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzteschaft und Krankenkassen, habe diese Lösung ermöglicht, so Czaja. Neuer Träger werden die Alexianer St. Hedwig Kliniken, die in Berlin vier Krankenhäuser betreiben.

Rund 15 Arztsitze werden allerdings wie geplant aus dem Haus der Gesundheit nach Marzahn-Hellersdorf verlegt. Die Fachärzte verschiedener Disziplinen sollen künftig in einem Neubau am Blumberger Damm praktizieren. Dort wird zum 1. Oktober eine Mischung aus Poliklinik und Ärztehaus mit niedergelassenen Medizinern unter Trägerschaft einer Tochtergesellschaft des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB) eingerichtet. Bisheriger Träger des Gesundheitshauses an der Karl-Marx-Allee war der Klinikkonzern Sana. Der will sich offenbar aus der ambulanten Versorgung in Mitte zurückziehen und hatte bereits im vergangenen Jahr die Verlegung des Ärztezentrums mit 21 Stellen nach Marzahn beantragt. Gegen die Pläne protestierten nicht nur die angestellten Ärzte, sondern auch Patienten. Rund 70.000 nutzen es bislang pro Jahr. Zu denen zählen viele Senioren, die einen weiten Weg zu ihren vertrauten Ärzten nicht auf sich nehmen wollen oder können.

Das Gebäude gehört der AOK, der Mietvertrag mit Sana läuft noch bis Ende 2015. Die Alexianer St. Hedwig Kliniken werden zunächst Untermieter. Deren Regionalgeschäftsführer Alexander Grafe betonte am Mittwoch den Wunsch des Unternehmens, sich dort langfristig zu engagieren und das Haus der Gesundheit als Zentrum der medizinischen Versorgung zu erhalten. Man werde bereits in diesem Jahr mit der AOK über einen neuen Mietvertrag verhandeln und hoffe, dass sich weitere Ärzte in den dann freien Räumen ansiedelten.

Das will auch die Kassenärztliche Vereinigung. Sie spricht bereits mit Ärzten aus Mitte. In dem Bezirk gebe es „viel Bewegung auf dem Immobiliensektor“, und das Haus an der Karl-Marx-Allee sei ein sehr interessanter Standort für Arztpraxen, sagte Uwe Kraffel. Er geht zudem davon aus, dass auch die AOK an der Nutzung des Gebäudes festhält und es nicht abstoßen will. „Im Idealfall“, so Kraffel, hätten künftig dort wieder 18 Ärzte ihren Sitz.

Vor wenigen Monaten hatten sich Senatsgesundheitsverwaltung, Krankenkassen und KVB auf ein Verfahren zu einer gerechteren Verteilung der ambulanten ärztlichen Versorgung in Berlin geeinigt. Es sieht unter anderem vor, dass eine Verlagerung von Arztpraxen nur noch in einen schlechter versorgten Bezirk möglich ist. Senator Czaja begrüßte daher die Entscheidung des Zulassungsausschusses. Sie diene diesem Ziel einer gleichmäßigeren Verteilung von Arztpraxen und biete eine pragmatische Lösung für die Patienten in Mitte wie in Marzahn-Hellersdorf. Vor dem Hintergrund der Einigung sind auch die Gespräche der KVB mit Ärzten aus Mitte für neue Niederlassungen im Haus der Gesundheit zu sehen: Ein Umzug innerhalb des Bezirks bereitet keine Probleme.

„Die Patienten sind die Gewinner“, sagte auch Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer im Unfallkrankenhaus Berlin. Pro Jahr kämen mindestens 4500 Patienten in die Rettungsstelle des UKB, die ambulant in einer Praxis behandelt werden könnten. Zugleich sei ihm und seinen Kollegen wichtig, die im Krankenhaus behandelten Patienten ambulant weiterbetreuen zu können.