Stadtplanung

Plan C

Neues Konzept für das ICC setzt auf Kultur statt Shoppingmall. Geplant sind Ateliers, Ausstellungshallen und Tagungsräume

Neue Ideen für das ICC. Kurz vor dem Zapfenstreich für Berlins Internationales Congress Centrum ICC am Mittwoch melden sich jetzt Kulturmanager mit einer Alternative zu der von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer favorisierten Nutzung des ICC als weitere Shoppingmall. „Vom ICC zum ICCC“ lautet die Devise der Kulturmacher. Wobei ICCC für „International Center for Contemporary Culture“ Berlin steht, kurz – ein Zentrum für Kultur der Gegenwart. Das ambitionierte Konzept wurde federführend von dem im Kultur- und Kommunikationsbereich renommierten „Bureau N“ für eine international agierende Investorengruppe im Team mit der Architektengruppe Something Fantastic und anderen Kulturschaffenden wie Johannes Odenthal, dem Programmbeauftragten der Akademie der Künste, erarbeitet.

„Das ICC ist als Gebäude ein Gesamtkunstwerk, dessen Außen- und Innenräume unbedingt erhalten bleiben müssen – zumal es sich weiterhin als Kongresszentrum anbietet, sich bei unserem Konzept inhaltlich aber auch neuen Themen wie Design, Kunst oder der digitalen Szene und neuen Nutzungen öffnet“, sagt Julia Albani. Die Architektur- und Kunsthistorikerin von „Bureau N“ fordert mehr Transparenz in der Debatte um die Zukunft des ICC. „Es gibt neben den immer gleichen Shoppingmalls durchaus noch andere Varianten, die sich auch rechnen können, denn der Bedarf ist sowohl für Kongresse wie auch für andere Bereiche vorhanden und wird in Berlin auch noch weiter wachsen.“

Albani verweist auf Events wie das größte Treffen der digitalen Szene Europas, die Berlin Web Week, die re:publica und NEXT unter einem Dach vereint. Auch während der medienwoche@IFA treffe sich das Who’s who der Gründerszene in Berlin. Hinzu kämen der renommierte Innovationspreis Berlin-Brandenburg, der Start-ups in der Region fördere, sowie zahlreiche Events wie das Investors’ Dinner, die Venture Lounge, Echtzeit Berlin, Silicon Allee Meetup, Spätschicht-Event, Ideacamp oder die deGUT, die die Branche vernetzen und den Austausch fördern.

„Unsere konzeptionelle sowie organisatorische Neuausrichtung schöpft die vorhandenen räumlichen und wirtschaftlichen Potenziale des ICC voll aus“, sagt Albani. Das ICCC-Konzept basiert auf einer Synergie aus Konferenz- und Kongressbetrieb, Veranstaltungsort für Darstellende und Bildende Künste, Restaurant und Cafés, Hotel, Kunstschaulager, Ausstellungshallen, Fachhandel für Kunst und Medien sowie temporären Werkstatträumen, Ateliers und Tagungsräumen. Bei der Finanzierung setzen die ICCC-Ideengeber auf drei Ankermieter: die Mieter des in ihrem Konzept geplanten Hotels, das anstelle des Parkhauses platziert werden soll, die Mieter des Restaurants und die Mieter der Sockelzone. In den Untergeschossen sollen nach Sanierung der dort vorhandenen Haustechnik die Freiflächen für Kunst- und Schaulager vermietet werden. „Es gibt immer mehr private Sammler, aber auch öffentliche Sammlungen und Galerien, die dringend Lagerflächen in Berlin suchen“, sagt Albani. Neben der Lagerung insbesondere von großen Installationen zeitgenössischer Kunstwerke und einem temporären zollfreien Zwischenlager für Kunst, die nach Europa gebracht wird, sieht das ICCC-Konzept im Kellergeschoss aber auch sogenannte Black Cubes vor. „Diese teilweise bis zu 2000 Quadratmeter großen dunklen Räume sind selten und beispielsweise sehr gefragt für Lichtinstallationen“, sagt Albani. Vorteilhaft für die Anlieferung großer Kunstwerke sei die Lage an der Avus. Doch, so Albani, wer das Congress Center jetzt noch am Rande Berlins verorte, „muss in die Zukunft sehen und einfach mal Berlin 2020 denken, denn spätestens dann steht das ICC in der Wahrnehmung mitten in Berlin“.

Temporär nutzbare Wohneinheiten

Als Zentrum für zeitgenössische Kultur soll sich das neue ICCC für die Berliner und die internationale Öffentlichkeit öffnen: mit Dialog, Diskurs und Praxis. Nach Recherchen bei internationalen Universitäten wisse man, dass es auch großen Bedarf an Räumlichkeiten für „Summer Schools“ in Berlin gebe. Dafür sieht das ICCC-Konzept im Brückenbauteil des Kongresscenters kleinere Vorlesungssäle und Arbeitsräume vor. Selbst kleinere temporär nutzbare Wohneinheiten seien dort aufgrund der vorhandenen Küchen und Duschen realisierbar. In der Pullman Lounge, die seit Jahren nicht genutzt wird, ist ein auf die unterschiedlichen Nutzer und Besucher angepasstes Gastronomiekonzept aus exklusivem Restaurant, Kantine (inklusive Catering für Großveranstaltungen), Bars und Cafés geplant: alles auf drei Etagen.

Die Version der Senatsverwaltung für Wirtschaft, wonach laut der Analyse von Drees & Sommer das ICC als Gebäude ohne weitere Zuschüsse aus der Landeskasse nur zu erhalten sei, wenn dort in erheblichem Umfang Einzelhandel angesiedelt werde, bezweifelt Albani und kritisiert zudem, „dass eine Shoppingmall wesentliche Eingriffe erfordert“.

Mit dieser Kritik steht Albani nicht allein. Erst vergangene Woche hatte die Berliner Architektenkammer gefordert, das ICC unter Denkmalschutz zu stellen. In der Begründung heißt es, dass nicht nur die konstruktive Hülle, sondern gerade auch die Innenräume und künstlerischen Innovationen an dem weltbekannten Kongresszentrum einzigartig seien.