Veranstaltungsort

Ehemaliger Waldbühnen-Pächter will sich wieder bewerben

Auch Grünen-Fraktionschefin Pop plädiert für Ausschreibung

Wer soll vom kommenden Jahr an Hausherr der Waldbühne sein? Die jetzige Pächterin, die CTS Eventim AG aus Bremen, lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch künftig die Arena in der Charlottenburger Murellenschlucht bespielen möchte. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen dort für eine Rekordsaison gesorgt, sagt Senior Vice President Rainer Appel. 16 Veranstaltungen an insgesamt 21 Tagen, darunter der fünftägige Beachvolleyball-Grand Slam, hätten 270.000 Besucher in die Waldbühne gebracht, so viele wie nie zuvor. Eine ähnliche Zahl an Veranstaltungen sei auch für dieses Jahr geplant, erklärte Appel.

CTS Eventim ist seit 2009 Pächterin der Waldbühne, hatte eine Ausschreibung der Senatssportverwaltung gewonnen. Der damals zuständige Innen- und Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) erhoffte sich mit dem Zuschlag eine bessere Auslastung. Von März 1981 bis Ende 2008 hatte der Berliner Unternehmer und Konzertveranstalter Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Entertainment AG (DEAG), die Waldbühne betrieben.

Rainer Appel betont, die CTS Eventim AG habe einen Pacht-, keinen Betreibervertrag. Die jährliche Mindestpacht betrage 750.000 Euro. Die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit der Sportverwaltung würde man gern fortsetzen. Auch der Vorstandvorsitzende der AG, Klaus-Peter Schulenberg, sagte der Berliner Morgenpost, dem Unternehmen liege die Arena sehr am Herzen. „Wir fühlen uns dort sehr wohl“, meinte Schulenberg, der zurzeit im Urlaub ist. Er hatte deshalb von dem Beschluss des Landgerichts Berlin, der der Sportverwaltung untersagt, ohne Ausschreibung einen neuen Pachtvertrag mit dem Bremer Unternehmen abzuschließen, am Montag noch nicht erfahren. Er sei überrascht, so Schulenberg, nun werde man abwarten, wie der Senat mit der einstweiligen Verfügung umgeht. Ein Widerspruch gegen den Gerichtsbeschluss ist möglich.

Peter Schwenkow hatte das Landgericht angerufen. Er will verhindern, dass der Vertrag für die Waldbühne ohne Ausschreibung vergeben wird – und möchte sich wieder als Pächter bewerben dürfen. „Ich möchte eine faire Chance bekommen“, sagte Schwenkow der Berliner Morgenpost. „Wenn ich dann wieder verliere, dann ist es eben so. Aber das muss in einer transparenten, diskriminierungsfreien Ausschreibung erfolgen.“

Auch die Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, sprach sich für eine Ausschreibung aus. „Schon um lange Prozesse zu vermeiden“, sagte sie. Selbst wenn ein Pachtvertrag ohne Ausschreibung juristisch möglich sein sollte, wäre ein Vergabeverfahren auch im Sinne der Transparenz besser, so Pop. Für den Waldbühnenvertrag ist in der Verwaltung Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) zuständig. Zur Laufzeit des mit CTS Eventim geplanten Kontraktes machte die Verwaltung keine Angaben, das sei vertraulich. Beobachter sagen, die dort politisch Verantwortlichen müssten erklären, warum sie einem stadtfernen Betreiber so klar den Vorzug vor einer großen Berliner Firma geben. Die DEAG ist das viertgrößte Live-Entertainment-Unternehmen der Welt und bringt als Konzertveranstalter große Namen nach Berlin.

Pikant an dem Vorgang ist, dass nun ein CDU-Politiker im Rechtsstreit mit einer CDU-geführten Senatsverwaltung ist. Peter Schwenkow war von 2006 bis 2011 Mitglied des Abgeordnetenhauses. 2011 wurde er nicht wieder nominiert. Er selbst betonte damals, auch kein Interesse mehr an einem Mandat zu haben.